Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie Billig-Textil-Riese weist Kritik von sich

Eine neue Primark-Filiale in Stuttgart: Viele freuen sich - andere protestieren. Die Bekleidungsbranche hat einen schlechten Ruf. Primark gilt vielen als das schwärzeste der schwarzen Schafe.

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Ganz viel shoppen für wenig Geld: Das verspricht der Modediscounter Primark. Gerade wurde die zweite Filiale in Stuttgart in der Königstraße eröffnet.

Fragen an Geli Hensolt, SWR Wirtschaft und Soziales

Was werfen die Kritiker der Billigmarke konkret vor?

Primark verkauft Klamotten richtig billig, T-Shirts für 2,50 Euro, Kleider für 5 Euro. Das geht nur, weil der Modediscounter billig produziert, also Arbeiter und Näherinnen in Asien zum Beispiel schlecht bezahlt und ausbeutet. Das werfen zumindest etliche Nichtregierungs-Organisationen und Umweltorganisationen Primark vor. Als vor vier Jahren eine Textilfabrik in Bangladesch eingestürzt ist und mehr als 1.000 Menschen gestorben sind, fand man da auch Primark-Shirts.

Das Unternehmen selbst sagt: Die Fabriken, in denen unsere Mode hergestellt wird, gehören uns gar nicht, sie produzieren auch nicht nur für uns. Deswegen können wir als Unternehmen nicht alleine bestimmen, wie viel die Menschen dort verdienen. Aber man setze sich dafür ein, dass zumindest der Mindestlohn bezahlt werde. Auch Kritiker sagen, dass sich in der Bekleidungsbranche allgemein inzwischen etwas tut, auch bei Primark. Aber es geht langsam, und es passiert eben noch lange nicht genug.

Ist Primark schlechter als andere Billig-Bekleidungsgeschäfte?

Primark argumentiert, in den selben Fabriken zu produzieren wie andere Textilmarken. (Foto: SWR, SWR -)
Primark argumentiert, in den selben Fabriken zu produzieren wie andere Textilmarken. SWR -

Eine Hitliste zu machen und zu sagen, das Unternehmen ist besser, kauf also lieber da, ist schwer. Aber was man sagen kann: Primark gilt als besonders wenig transparent. Das heißt, das Unternehmen macht seine Lieferanten und Lieferketten nicht öffentlich. Ich als Kunde kann nicht erkennen, wo mein T-Shirt oder meine Hose produziert worden ist. Und niemand kann kontrollieren, wie die Bedingungen in den Fabriken, in denen Primark produzieren lässt, tatsächlich sind.

Andere Unternehmen, H&M zum Beispiel, machen ihre Lieferketten mittlerweile öffentlich. Der Modediscounter Tacko lässt seine Produktionsstandorte inzwischen sogar regelmäßig kontrollieren. Studien zeigen auch, dass billige Klamotten wie von Primark oft viel Polyester enthalten, das ist nicht gut für die Umwelt. Bio-Baumwolle wie bei H&M oder C&A gibt es bei Primark nicht.

Aber wahr ist auch: Was teurer ist, muss nicht immer besser sein. Hochpreisige Labels lassen teilweise in den gleichen Firmen produzieren wie Primark. Wir zahlen zwar mehr für das T-Shirt, aber die Arbeiterinnen verdienen trotzdem nicht mehr. Wer mit komplett gutem Gewissen einkaufen will, muss nach Kleidung mit Ökosiegel schauen. In Deutschland sind das aber nicht einmal drei Prozent aller verkauften Klamotten.

Online: Heidi Keller

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