Apotheke der Zukunft Zwischen Automat und WhatsApp-Bestellung

Kundenbedürfnisse ändern sich - das spüren auch die Apotheker in ganz Deutschland. Sie machen sich Gedanken über neue Geschäftsmodelle.

Die Ansätze der Apotheker zur Zukunftsplanung sind sehr unterschiedlich. Pharmazeuten in der Stadt wollen sich mit neuen Angeboten von Konkurrenten abgrenzen. In ländlichen Regionen rentieren sich manche Filialen kaum. Die Nachfrage ist kleiner als in der Stadt, weil oft Ärzte vor Ort fehlen.

Elektronische Rezeptbestellung via WhatsApp

Eine Apotheke in Kaiserslautern nutzt zum Beispiel digitale Medien, um vor allem junge Kunden zu erreichen. Über WhatsApp können Rezepte elektronisch übermittelt werden. Anschließend können die Medikamente abgeholt oder zugestellt werden.

Apotheken-Automat auf dem Prüfstand

Der erste Apotheken-Automat in Baden-Württemberg steht in Hüffenhardt zwischen Odenwald und Kraichgau. (Foto: SWR, SWR -)
Der erste Apotheken-Automat in Baden-Württemberg steht in Hüffenhardt zwischen Odenwald und Kraichgau. SWR -

Die niederländische Versandapotheke Doc Morris hatte in Hüffenhardt im Neckar-Odenwald-Kreis für Furore gesorgt. Sie hatte dort im Frühjahr 2017 den ersten Apotheken-Automaten Deutschlands installiert. Er soll Ersatz für die bisherige Apotheke im Ort sein, die wegen Ruhestands des Apothekers geschlossen hatte.

Das Konzept ist so angelegt: Kunden gehen an ein Terminal und werden per Kamera und Bildschirm mit der Hauptstelle in den Niederlanden verbunden, der sie auch ein Rezept vorzeigen. Der Apotheker dort kann dann Medikamente über den Automaten in Hüffenhardt ausgeben.

Allerdings ist unklar, ob dieser Automat bestehen bleiben wird. Derzeit ist er außer Betrieb, weil das Landgericht Mosbach entschieden hatte, das Modell verstoße gegen Arzneimittel- und Apothekenrecht. Mittlerweile liegt die Sache beim Verwaltungsgericht in Karlsruhe. Eine Entscheidung steht allerdings noch aus.

Automatische Rezeptsammelstelle

Apothekerin mit Medikamenten (Foto: © Colourbox.com -)
Manche Apotheken nehmen auch WhatsApp-Bestellungen für Medikamente an. © Colourbox.com -

Im schwäbischen Neidlingen gibt es - erstmals in Baden-Württemberg - eine automatische Rezeptsammelstelle. Frank Eickmann vom Apothekerverband beschreibt das Terminal als eine Art Rezeptscanner, mit dessen Hilfe die Kundendaten binnen Sekunden an eine Apotheke in den umliegenden Orten übertragen werden. Mitarbeiter einer Apotheke legen das Arzneimittel bereit.

Apothekerin Tilla Frank-Neumeier von der teilnehmenden Stadtapotheke in Weilheim sieht den Vorteil dieses Modells in der Zeitersparnis. In der Vergangenheit seien die Rezepte in einen Briefkasten geworfen worden, der einmal am Tag geleert wurde. Die Medikamente wurden am nächsten Tag gebracht. Jetzt sei eine Auslieferung bei eiligen Rezepten innerhalb einer Stunde möglich - inklusive Beratungsgespräch.

Bisher gibt es rund 100 Rezeptsammelstellen in Baden-Württemberg und 80 in Rheinland-Pfalz. Wie viele davon auf eine Automatisierung umgestellt werden sollen, ist noch offen.

Zukunft von Apotheken auf dem Land

Eine Apothekerin sucht nach einem Arzneimittel (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Apotheker müssen sich auf veränderte Kundenbedürfnisse einstellen. Thinkstock -

Eine weitere Möglichkeit, um die Medikamentenversorgung auf dem Land sicherzustellen, wäre ein fahrbarer Apothekenbus, der von Dorf zu Dorf zieht. Mit einem solchen Versuch ist die niederländische Versandapotheke Doc Morris bisher gescheitert.

Theo Hasse, viele Jahre Präsident des Apothekerverbandes Rheinland-Pfalz, sagt, solche Modelle sollten die Landapotheken in Zukunft nur ergänzen und nicht vollständig ersetzen. Er sieht eine Zukunft für Apotheken auch auf dem Land - solange sich Ärzte finden, die dort arbeiten wollen.

Autor: Wolfgang Brauer, SWR Wirtschaft und Soziales | Online: Jutta Kaiser

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