Air Berlin-Pleite Das Wettrennen der Bieter

Am 25. September soll entschieden werden, wer welche Teile der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin bekommt. Welcher Bieter hat die größten Chancen, und was bedeutet das für die Kunden?

Lufthansa- und Air-Berlin-Maschine (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Paul Zinken)
Die Lufthansa gilt als Favorit im Bieter-Wettstreit. picture-alliance / dpa - Paul Zinken

Fragen an Petra Thiele, SWR Wirtschaft und Umwelt

Wer will die hochverschuldete Air Berlin überhaupt haben?

Da gibt es schon einige Interessenten - von sechs bis acht Bietern ist derzeit die Rede. Wie viele es genau sind, weiß nur das Insolvenz-Team von Air Berlin. Wir können uns momentan also nur auf die Angaben der Kaufinteressenten verlassen. Manche von ihnen reden derzeit gern über ihre Angebote, andere schweigen lieber. Das ist Taktik, teilweise aber leider auch Theater.

Wer ist drin im Bieter-Rennen, und wer sind die größten Player?

Flugzeug von Air Berlin in Wartungshalle (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Roland Weihrauch)
Die meisten Investoren wollen nur Teile der Airline übernehmen. picture-alliance / dpa - Roland Weihrauch

Der chinesische Investor Pang hat angeblich eine Milliarde Euro für die insolvente Fluggesellschaft geboten. Und der Nürnberger Unternehmer Wöhrl behauptet, er wolle Air Berlin komplett für eine halbe Milliarde Euro übernehmen. Wer ihm das Geld geben soll, bleibt sein Geheimnis. Dafür giftet er aber gegen die Lufthansa, mit der er ursprünglich zusammenarbeiten wollte.

Die Lufthansa will Teile von Air Berlin übernehmen, das hat sie sofort nach der Pleite-Meldung verkündet. Sie hat die besten Chancen, den Großteil von Air Berlin zu bekommen, denn sie hat auch die volle Unterstützung der Bundesregierung. Damit die Kartellbehörden den Verkauf durchwinken, werden noch zwei oder drei andere Bieter zum Zuge kommen. Vermutlich die britische Billig-Airline Easy Jet und möglicherweise auch die deutsche Thomas Cook-Tochter Condor. Dann hätte Formel-Eins-Legende Niki Lauda Grund zur Freude.

Lauda hat sich mit Thomas Cook und Condor zusammengetan, da steckt also viel Kapital dahinter. Der Ex-Rennfahrer selbst will an dem Konsortium 51 Prozent der Anteile halten. Lauda will aber nur einen ganz bestimmten Teil von Air Berlin kaufen. Neben der von ihm selbst gegründeten, lukrativen Air Berlin-Tochter Niki will er zusätzlich 17 Maschinen von Air Berlin übernehmen. Nach eigenen Worten will er mit dem Kauf ein Lufthansa-Monopol in seiner Heimat Österreich verhindern.

Was bedeutet das alles für Air Berlin-Kunden, die in den nächsten Wochen fliegen wollen?

Im besten Fall bedeutet es, dass Air Berlin-Kunden demnächst mit dem neuen Besitzer von Air Berlin fliegen. Sie würden irgendwann eine Mail bekommen in der steht: "Herzlich Willkommen, wir sind jetzt Ihre Fluggesellschaft." Das wäre der Idealfall. Es kann aber auch anders kommen, denn hier wird gerade eine Milliarde Euro in den Wind geschossen. Die Gläubiger von Air Berlin müssen bei dem Insolvenzverfahren auf den Großteil ihrer Forderungen verzichten. Wenn nun doch ein Gläubiger nicht mitspielen will, wird es eng.

Es gibt zudem einen enormen Zeitdruck. Der Kredit von der Bundesregierung läuft bald aus, und bei den über 8.000 Air Berlin-Beschäftigen liegen die Nerven blank. Vielleicht werden die Piloten nochmal krank - oder die Stewardessen oder Mitarbeiter der Verwaltung.

Bei den vielen Spekulationen ist es schwierig, einen regulären Flugbetrieb aufrechtzuerhalten. Damit wird auch ein reibungsloser Übergang gefährdet. Dann gibt es möglicherweise plötzlich keine Internetseite mehr von Air Berlin, keine Hotline und keine Flüge. Das wäre der schlimmste Fall.

Ich glaube aber, dass alle Beteiligten versuchen werden, dies zu verhindern. Es geht ja nicht nur allein um Air Berlin. Das Vertrauen in die gesamte Flugbranche und ihre Mitarbeiter steht auf dem Spiel.

Online: Stefan Heinz

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