Ärzte als Apotheker Wenn Hausärzte auch Medikamente verkaufen

Die deutschen Hausärzte wollen mit Apotheken gleichgestellt werden und selbst verschreibungspflichtige Medikamente abgeben. Das fordert der Deutsche Hausärzteverband.

Ein Arzt hält mehrere Tablettenpackungen in der Hand. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Hausärzte plädieren dafür, auch Medikamente ausgeben zu dürfen. Thinkstock -

Fragen an Tamara Land, SWR Aktuelle Wirtschaft

Was verspricht man sich davon, wenn Hausärzte auch Medikamente verkaufen?

Vor allem eine bessere Versorgung im ländlichen Raum. Dort besteht ja seit Jahren das Problem, dass die Apotheken dicht machen und man unter Umständen sehr weit fahren muss, um sich die Medikamente zu besorgen. Dieses Problem könnte nach Ansicht des Hausärzteverbands einfach dadurch gelöst werden, dass der Hausarzt selbst die Medizin verkauft.

Der Blutdruck wird gemessen. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Für Patienten auf dem Land hätte das Modell Vorteile. Thinkstock -

Außerdem haben gerade die ländlichen Regionen zunehmend das Problem, dass sich keine Ärzte dort niederlassen wollen. Mit dem Medikamentenverkauf durch Hausärzte könnte man unter Umständen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Man gibt den Praxisärzten auf dem Land eine Möglichkeit, zusätzlich zu verdienen, dann siedeln sich vielleicht wieder mehr Ärzte dort an. Und die Medikamentenversorgung ist auch gewährleistet.

Welche Probleme wären mit diesem Modell verbunden?

Das größte Problem liegt auf der Hand: Es ist der Interessenskonflikt für den Arzt. Wenn er am Verkauf der Medikamente verdient, dann verschreibt er möglicherweise mehr Arznei als nötig wäre. Und vielleicht verschreibt er auch gezielt bestimmte Präparate, an denen er mehr verdient als an günstigeren Alternativen. Das sind Risiken, die man auf jeden Fall bedenken müsste.

Aber dafür gäbe es sicher Möglichkeiten: Das könnte beispielsweise so geregelt werden, dass der Arzt immer nur einen Betrag X verdient, unabhängig vom Preis des Medikaments.

Das bedeutet also nicht, dass die Idee per se nicht funktionieren kann. In der Schweiz zum Beispiel gibt es das schon immer, dass in den meisten deutschsprachigen Kantonen die Ärzte gleichzeitig Medikamente abgeben dürfen.

Auch in Deutschland gibt es etwas ähnliches - auch wenn der Vergleich etwas heikel ist - in der Tiermedizin. Um Missbrauch zu verhindern, wurden hier sehr weitreichende Melde- und Dokumentationspflichten eingeführt. Das führt unter anderem auch dazu, dass der Einsatz von Antibiotika seit Jahren sinkt.

Es käme also darauf an, so ein System klug zu gestalten. Dann wäre das gerade für den ländlichen Raum möglicherweise tatsächlich eine gute Option.

Online: Heidi Keller

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