Ärger mit der Airline Wann Portale für Fluggastrechte helfen

Wer Flugverspätung oder Flugausfall hatte, kann entweder selbst von der Fluglinie Entschädigung verlangen oder sich an so genannte Fluggastrechte-Portale wenden. Beides hat Vor- und Nachteile.

Auf der Anzeigetafel im Flughafen Frankfurt am Main wird am 16.04.2010 während des Ausbruchs eines Vulkans in Island neben den meisten Flügen "Annulliert" angezeigt. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Fluggäste können bei Verspätungen auf langen Reisen mit mehreren Teilstrecken mit höheren Entschädigungen rechnen. picture-alliance / dpa -

Für diesen Sommer werden besonders viele Flugverspätungen und Ausfälle erwartet. Kunden können dann - je nach Strecke - Entschädigungen von bis zu 600 Euro verlangen. Entweder wenden Sie sich dazu selbst an die Fluglinie oder Sie gehen über sogenannte Fluggastrechte-Portale.

Fragen an SWR-Wirtschaftsredakteurin Katharina Fortenbacher-Jahn

Sollte man sich bei einer Flugverspätung oder einem Ausfall selbst um die Entschädigung kümmern oder sich an eines der Fluggastrechte-Portale wenden?

Es kommt darauf an wie kompliziert der Sachverhalt ist, der der Flugverspätung zu Grunde liegt. Grundsätzlich gilt, je einfacher der Fall, desto größer die Chance, auch selbst seine Rechte gegenüber der Fluglinie durchzusetzen. Etwa, wenn die Airline selbst einräumt, dass ein technischer Defekt als Grund vorlag. Das kann ich dann auch selbst übernehmen. Dazu rät zum Beispiel das Verbraucherportal Finanztip.

Wenn die Sache aber unklarer ist, können die Portale eine Alternative sein. Die Airlines haften beispielsweise nicht für eine Flugverspätung aufgrund von "außergewöhnlichen Umständen" - etwa unvorhersehbar schlechtes Wetter. Darauf versuchen sich die Airlines oft rauszureden. In diesem Fall sind diese Portale durchaus eine Möglichkeit.

Wie genau läuft das über so ein Fluggastrechte-Portal?

Zahlreiche Passagiere stehen Schlange in einem Flughafen in Buenos Aires (Argentinien) am 30.10.2017. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Ab einer Verspätung von drei Stunden können Passagiere von ihrer Fluggesellschaft Schadensersatz verlangen. picture-alliance / dpa -

Es gibt zwei Arten von Anbietern: Inkasso-Dienstleister - und so genannte Sofort-Entschädiger. Die Sofort-Entschädiger prüfen meinen Fall, schauen, was herausspringen könnte und machen mir ein Angebot. Sage ich Ja, ist der Fall für mich erledigt, und ich bekomme das Geld direkt von dieser Firma überwiesen - egal, was die Airline dazu sagt. Aber: Die Firma behält dafür gut 40 Prozent meiner Entschädigung als Provision ein - das ist ja fast schon die Hälfte.

Weniger kostet es bei Inkassodienstleistern. Aber auch die verlangen etwa 30 Prozent Erfolgsprämie - also auch noch fast ein Drittel. Dafür muss ich aber länger warten, bis die sich mit der Airline auseinander gesetzt haben. Das kann ein paar Monate oder sogar länger dauern. In jedem Fall muss ich nur zahlen, wenn es klappt. Welche Portale gut sind, testen zum Beispiel die Stiftung Warentest oder Finanztip immer wieder.

Verbraucherschützer raten meistens - gerade wegen der hohen Gebühren - es erst einmal selbst zu versuchen. Das klappt sogar bei Dreiviertel der Fälle. In diesem Fall hilft bei einem Nein der Fluglinie auch die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP).

Ich kann auch zu einem Anwalt gehen - den zahlt bei Erfolg die Airline. Für manche Anwälte geht es bei solchen Geschichten aber um zu wenig Geld. Für alle, die sich den Bürokram ersparen wollen und die Gebühren in Kauf nehmen, sind Fluggastrechte-Portale eine praktische Alternative.

Wenn es jetzt wirklich passiert - mein Flug klappt nicht - muss ich am Flughafen direkt schon etwas unternehmen? Oder reicht das hinterher?

Fluggäste warten vor den Check-In-Schaltern am 25.01.2013 im Flughafen in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) auf ihre Abfertigung. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Wie die Fluglinie bei Verspätung, Beschädigung oder Verlust von Gepäck haftet, regelt seit 1999 das Montrealer Übereinkommen. picture-alliance / dpa -

Meine Empfehlung wäre, immer auf Nummer sicher zu gehen - und sich die Verspätung von Mitarbeitern der Airline am Flughafen bestätigen zu lassen, zum Beispiel am Gate oder beim Check-In. Sicherheitshalber kann ich auch Fotos machen von den Anzeigetafeln.

Und ich sollte alle Quittungen gut aufbewahren, wenn ich zum Beispiel wegen der Verspätung ein Taxi zurück nach Hause nehmen musste - denn auch das kann ich ersetzt bekommen.

Online: Lutz Heyser

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