Ärger mit dem Pfandbon Wie Supermärkte beim Flaschenpfand tricksen

Ein Supermarkt weigert sich einen Bon für Pfandflaschen einzulösen. Angeblich, weil dieser zu alt ist. Was können Verbraucher tun, um an ihr Pfandgeld zu kommen?

Zwei Münzen liegen am Donnerstag (02.01.2003) im Netto-Markt in Frankfurt (Oder) auf einem Kassenzettel mit Pfand-Bon. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Bereits seit 2003 ist der Handel verpflichtet, Pfand zu erheben und auszuzahlen. picture-alliance / dpa -

"Der Pfandbon ist älter als 30 Tage und somit verfallen!" Die Kassiererin im Supermarkt war sich ihrer Sache ganz sicher. SWR-Hörer Andreas Brändle aus Haigerloch hingegen fühlte sich um sein Pfandgeld betrogen und fragte nach der Rechtslage beim Flaschenpfand. Da ist die Sache ganz eindeutig: Wer im Supermarkt Flaschen abgibt, erhält einen Pfandbon und bekommt dafür dann sein Geld.

Rechtslage beim Pfandbon unmissverständlich

Für eine Mehrweg-Bierflasche gibt es zum Beispiel acht Cent, für alle Einwegflaschen oder Dosen sind es 25 Cent. Christiane Manthey von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sagt dazu: "Der Supermarkt darf die Auszahlung des Pfands nicht an irgendwelche Bedingungen knüpfen. Wenn er die Pfandflaschen zurückgenommen hat und man hat einen Pfandbon erhalten, dann muss das Pfand ohne Wenn und Aber ausbezahlt werden. Das ergibt sich aus Paragraph 9 der Verpackungsverordnung."

In der Praxis kommt es immer wieder zu Schwierigkeiten

Eine Frau stellt im oberpfälzischen Regensburg einen Kasten mit leeren Flaschen in einen Pfandautomaten (Archivfoto vom 24.07.2003). (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Pfand gibt es auf Mehrwegflaschen und Einweg-Getränke. picture-alliance / dpa -

Obwohl die Rechtslage klar ist, versuchen manche Supermärkte immer wieder, beim Flaschenpfand zu tricksen. Häufig wird darauf hingewiesen, dass der Pfandbon nur innerhalb einer bestimmten Frist eingelöst werden könne. Oft ist von 30 Tagen die Rede, ansonsten würde der Pfandbon verfallen.

Das ist nicht zulässig, sagt Verbraucherschützerin Christiane Manthey, denn "das regelt das Bürgerliche Gesetzbuch, das eine Verjährungsfrist von drei Jahren vorschreibt." Und diese Frist beginnt erst am Ende des Jahres, in dem der Pfandbon ausgedruckt wurde.

Verbraucher haben bis zu drei Jahre Zeit zum Bon-Einlösen

Leere Flaschen aus Plastik liegen am 01.09.2015 in Hamburg in einer Kiste. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Kunststoffflaschen aus PET können bis zu 13 Mal wiederverwendet werden. picture-alliance / dpa -

Wer also in diesem Jahr Flaschen oder Dosen abgibt, kann seinen Pfandbon bis Ende 2020 einlösen. Die großen Lebensmittelketten in Deutschland betonen unisono, dass die Kunden ihr Geld dort auch ohne Probleme bekommen würden.

Auf SWR-Anfrage teilte zum Beispiel der Neckarsulmer Lebensmittelhändler Kaufland mit: "Bei Kaufland gibt es keine Frist zur Einlösung des Pfandbons. Es gibt keine Einschränkungen. Unsere Kunden bekommen auf jeden Fall den Betrag in bar ausbezahlt." Auch Netto gibt an, dass Kunden ihr Geld auf jeden Fall erhalten - solange sie den Bon innerhalb der Drei-Jahres-Frist einlösen. Bei technischen Problemen könnten die Filialmitarbeiter den fälligen Betrag auch per Hand in die Kasse eingeben und das Geld an die Kunden auszahlen, so Netto. Auch bei ALDI, LIDL, Edeka, REWE oder Real gebe es keine Einschränkungen beim Einlösen des Pfandbons, teilten die Unternehmen mit.

Pfandbons müssen gut lesbar sein

Generell ist es für Kunden wichtig, dass bei Dosen und Flaschen das Pfandzeichen und der Strichcode gut erkennbar sind. Das Gleiche gilt auch für den Pfandbon, er sollte nicht zerknittert sein. Wenn sich ein Händler dann trotzdem weigert, das Geld auszubezahlen, sollten sich Kunden bei der Geschäftsleitung beschweren oder sich an die Verbraucherzentrale wenden.

Tobias Frey, SWR Wirtschaft | Online: Lutz Heyser

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