40 Jahre Umweltzeichen für Verbraucher Deshalb ist der "Blaue Engel" so erfolgreich

Das Umweltsiegel mit der blauen Figur mit ausgebreiteten Armen feiert Geburtstag. Zwischen vielen anderen Labels, Siegeln und Gütezeichen hat es sich durchgesetzt - auch gegen manche Kritik.

Ein blauer Kreis, darin mit ausgebreiteten Armen eine blaue Figur - die meisten Deutschen erkennen diese Abbildung sofort als den "Blauen Engel". Das Umweltsiegel feiert seinen 40. Geburtstag. Eine internationale Konferenz am Donnerstag, 25. Oktober, in Berlin - veranstaltet vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und dem Umweltbundesamt (UBA) - feiert den Geburtstag des weltweit ersten Umweltzeichens.

Seit 1978 hilft der Blaue Engel Verbrauchern, sich für Produkte zu entscheiden, die eine möglichst gute Umweltbilanz haben. Dieser Engel entstand zu einer Zeit, als Bio-Siegel und Fair-Trade-Label auf unzähligen Produkten noch nicht alltäglich waren.

Fragen an Dominik Bartoschek, SWR Umwelt und Ernährung

40 Jahre gibt es jetzt den Blauen Engel. Hat er der Umwelt wirklich etwas gebracht?

Das Zeichen "BlauerEngel" klebt auf einer Dose für Deckenfarbe (Foto: Imago, Imago/epd -)
Der Blaue Engel und die ausgezeichneten Produkte profitieren von seinem guten Image. Imago Imago/epd -

Das hat er - und zwar weil er häufig neuen und umweltfreundlichen Produkten den Weg ebnet ins Bewusstsein der Verbraucher. Das war zum Beispiel bei den Sprühdosen ohne FCKW der Fall. Später dann bei den Katalysatoren für Autos, bei Schulheften aus Altpapier, und heute zum Beispiel bei Smartphones. Auch dort gibt es inzwischen ein erstes Modell, das einen Blauen Engel hat.

Das zeigt, der Blaue Engel macht auf Alternativen aufmerksam, die die Umwelt weniger belasten als andere und verhilft ihnen damit im Kampf um Aufmerksamkeit bei den Verbrauchern eventuell zu einem Vorteil.

Trotzdem gibt es auch Kritik am Blauen Engel. Oft heißt es, die Produkte seien gar nicht so umweltfreundlich, wie es der Blaue Engel vermuten lässt. Was ist da dran?

Das Abzeichen "Blauer Engel" auf Stoff (Foto: Imago, Imago/epd -)
Mit dem Blauen Engel werden Produkte ausgezeichnet, die innerhalb ihrer Warengruppe am wenigstens Schadstoffe beinhalten. Imago Imago/epd -

Der Blaue Engel ist kein Zeichen, das ein Produkt vorbehaltlos und rundherum für umweltfreundlich erklärt. In den Kriterien für die Vergabe ist festgelegt, dass ein Produkt in seiner jeweiligen Produktgruppe umweltfreundlicher sein muss als die anderen. Das heißt, eine Wandfarbe ist nicht komplett schadstofffrei, nur weil sie einen Blauen Engel hat. Aber unter allen Wandfarben sind die mit dem Blauen Engel eben diejenigen, die die wenigsten Schadstoffe haben.

Das heißt, der Blaue Engel dient als Orientierungshilfe, um sich für das im Vergleich umweltfreundlichste Produkt oder auch das "kleinste Übel" zu entscheiden. Für die Hersteller kann genau das der Anreiz sein, umweltfreundlicher zu produzieren, weil man dann mit dem Blauen Engel etwas auf seinen Produkten hat, was einen abhebt und einem so möglicherweise Vorteile verschafft im Konkurrenzkampf.

Mittlerweile gibt es unzählige Siegel und Label für alle möglichen Produkte. Hat der 40-jährige Blaue Engel überhaupt noch eine Zukunft?

Tatsächlich geht er inzwischen ein bisschen unter in der Flut der Label, Siegel und Gütezeichen. Über 1.000 davon gibt es mittlerweile auf dem Markt, allein in Deutschland. Zum Vergleich: Allein das Bio-Siegel tragen knapp 80.000 Produkte bundesweit, der Blaue Engel prangt gerade mal auf rund 12.000 Produkten. Zahlenmäßig ist er also nicht so stark vertreten.

Aber er hat eben auch etwas, das ihn im Konkurrenzkampf der Siegel einen großen Vorteil verschafft: Das ist sein Bekanntheitsgrad. In einer Umfrage aus dem Jahr 2014 haben neun von zehn Befragten gesagt, sie kennen den Blauen Engel. Das ist ein hoher Wert. Insofern ist er nicht immer leicht zu entdecken, aber wer ihn entdeckt, erkennt ihn dann auch. Deshalb wird der Blaue Engel auch künftig eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, den Verbrauchern Orientierung beim Einkauf zu geben.

Online: Heidi Keller

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