32 Jahre nach Tschnernobyl Pilze und Wildschweine nach wie vor belastet

Heute vor 32 Jahren kam es in Tschernobyl zu einer Explosion im Reaktorblock Vier. Das Gebiet dort ist seither unbewohnbar. Aber auch bei uns sind die Folgen noch messbar.

Grundsätzlich muss man sich keine Sorgen machen, dass bei uns verstrahlte Lebensmittel auf den Teller kommen. Die Kontrollen sind gut. Außerdem sind Lebensmittel wie Milch und Gemüse bei uns längst unbelastet.

Pilze und vor allem Wildschweine, die Pilze fressen, strahlen jedoch nach wie vor. Hirschtrüffel lagern das radioaktive Cäsium 137 besonders stark ein und sind eine Leibspeise des Schwarzwildes.

Hohe Werte in Oberschwaben

In Oberschwaben, wo durch den Regen der radioaktive Fallout 1986 sehr hoch war, weisen immer noch fünf bis zwanzig Prozent der erlegten Wildschweine Becquerel-Werte über dem Grenzwert auf.

Aber die regionalen Unterschiede sind groß. Während beispielsweise in den Landkreisen Ravensburg und Biberach bis zu 20 Prozent der erlegten Wildschweine den Grenzwert von 600 Becquerel überschreiten, sind es im Landkreis Sigmaringen nur rund fünf Prozent.

Belastetes Fleisch gelangt nicht in Handel

Im Pfälzerwald und im Hochwald sind 9,4 Prozent der untersuchten Tiere zu hoch belastet. Das Fleisch dieser Tiere gelangt aufgrund von Höchstwertüberschreitungen nicht in den Handel. Jäger müssen die erlegten Wildschweine auf Radioaktivität hin untersuchen lassen, wenn sie ihr Fleisch verkaufen wollen.

Für Wildschweine, die zu hoch belastet sind, bekommt ein Jäger zwischen 100 und 200 Euro Entschädigung. Da das Image von Wildschweinfleisch nach wie vor schlecht ist und sich die Ware dementsprechend schlecht verkaufen lässt, lohnt sich das für den Jäger unter Umständen sogar.

Für die Verbraucher besteht auch bei Wildschweinfleisch kein großes Risiko. Selbst wenn man einen Wildschweinbraten isst, der nahe am Grenzwert liegt, ist das nicht tragisch. Man müsste knapp 500 Portionen verspeisen, bis man auf den Wert kommt, dem wir durch natürliche Strahlen während eines Jahres ausgesetzt sind.

Von Martin Thiel, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Sola Hülsewig

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