10 Jahre iPhone Das Internet für die Hosentasche

Vor zehn Jahren kam ein Gerät in den Handel, das unser Leben verändert hat: Apples erstes iPhone kam in den USA in die Läden. "One more thing", sagte Apple-Chef Steve Jobs.

iPhone (Foto: dpa - Picture Alliance)
Überall online - das iPhone hat einen Hype ausgelöst. dpa - Picture Alliance

Fragen an Andreas Reinhardt, SWR Wirtschaft und Umwelt

Welche Bilder gehen Dir durch den Kopf, wenn Du an das erste iPhone und den Verkaufsstart in den USA denkst?

Vor den Apple-Läden bildeten sich damals lange Schlangen, viele zelteten davor, um möglichst einer der ersten zu sein, schon Tage vorher. Als der Laden aufmachte, stürmten sie rein, Szenen wie früher bei uns beim Schlussverkauf, und wenn sie dann mit dem Karton in der Hand rauskamen, reckten sie den wie einen Trophäe nach oben, und sie wurden von den anderen Wartenden beklatscht, wie Popstars umjubelt und gefeiert.

Bei uns in Deutschland dauerte es bis zum 9. November, bis es in die Läden kam, und hier gab es ähnliche Szenen. Dann gab es jedes Jahr im Herbst ein neues Modell, eine neue Geräte-Generation, immer rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft. Das ist für Apple eine echte Erfolgsgeschichte, mehr als eine Milliarde iPhones wurden bislang verkauft.

Jetzt kommt das neue iPhone 8 raus - das Jubiläums-iPhone. Was ist davon zu erwarten?

Wie immer brodelt da im Vorfeld die Gerüchteküche. Zum zehnten Geburtstag wird mindestens etwas Sensationelles erwartet. Vielleicht ist es wasserdicht, vielleicht ein Smartphone ohne Rand, vorne nur Bildschirm. Die Marketingmaschine von Apple wird schon für Gesprächsstoff sorgen. Vor zehn Jahren hat Apple mit dem ersten iPhone schon Maßstäbe gesetzt, muss man klar sagen.

Aber die Konkurrenz hat technisch immer mehr aufgeholt und Apple jetzt zum Teil überholt. Das Konkurrenzsystem Android ist mittlerweile genauso gut zu bedienen. Es gibt da mehr Auswahl, gute Qualität und zu einem deutlich niedrigeren Preis. Das neue iPhone im Herbst wird bestimmt wieder um die tausend Euro kosten, das ist eine Menge Geld. Das wird aber die Massen nicht abhalten, es trotzdem zu kaufen. Apple hat eben keine Kunden, Apple hat Fans.

Die Karriere des Apple iPhone - und seiner Konkurrenz

"One more thing" - mit diesen berühmten Worten stellte Steve Jobs Anfang 2007 das erste iPhone vor, am 29. Juni 2007 war dann endlich Verkaufsstart in den USA. Jobs sollte recht behalten: Das iPhone war nicht nur ein neues Telefon, unsere ganze Lebenswelt hat sich seither verändert.

Strategische Entscheidungen in Finnland

Smartphone, App, Emoji - alleine diese drei heute alltäglichen Worte waren vor zehn Jahren in unserer Sprache noch gar nicht vorhanden. Tastentelefone waren der Standard - bis das iPhone kam. Modernes Design, einfach zu bedienen - eine Revolution, die den bis dahin weltgrößten Handyhersteller Nokia vom Thron stieß. Smartphones seien nichts für den Massenmarkt, hieß es aus der Konzernzentrale in Finnland. Heute spielt Nokia bei Mobiltelefonen kaum noch eine Rolle. Erst seit diesem Jahr gibt es das früher beliebte 3310 wieder als Retro-Modell.

Das erfolgreiche Marketingkonzept

Für Apple ging es dagegen steil bergauf. Der Konzern ist inzwischen das wertvollste Unternehmen der Welt, und das, obwohl der koreanische Konkurrent Samsung letztes Jahr gut doppelt so viele Telefone verkaufte. Apple verdient stattdessen kräftig an seinem Verkaufskonzept - im eigenen AppStore, mit Apple Music oder mit den Kabeln und Adaptern, die nur an Apple-Geräte passen.

Auch die Unterhaltungsindustrie hat sich durch den Smartphone-Markt komplett verändert. Seit wir Musik, Filme oder Serien streamen oder sie auf dem Smartphone speichern können, kauft kaum noch jemand CDs und DVDs. Zehn Jahre iPhone - und heute hat so gut wie jeder von uns ein Smartphone. Ohne Apps geht fast nichts mehr: Bahntickets, Wettervorhersage, Firmen-Apps, E-Mails - viele organisieren ihr halbes Leben mit iPhone und Co.

Von Alexander Winkler, SWR Wirtschaft und Umwelt | Online: Heidi Keller

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