Pollenallergie: Frau sitzt im Gras und muss niesen, davor Grafik Corona-Virus (Foto: Colourbox)

Pollenallergie und Covid-19

Bin ich durch Corona besonders gefährdet, weil ich Heuschnupfen habe?

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Corona ist besonders gefährlich für Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder Asthma. Aber wie sieht es mit Heuschnupfen aus? Zählt er auch als Vorerkrankung?

Symptome: Heuschnupfen oder Corona?

Viele Allergiker machen sich aktuell Sorgen und sind verunsichert, ob ihre Symptome auf die Allergie zurückzuführen sind oder sie sich eventuell mit dem Coronavirus infiziert haben. HNO-Facharzt Professor Frank Riedel fasst die Unterschiede der Symptome für Sie zusammen.

Symptome von Covid-19 und Heuschnupfen im Vergleich
SymptomeCovid-19Heuschnupfen
Hustentrockener HustenHusten mit Auswurf
Schnupfenleichter Schnupfen möglichstarker Niesreiz, Nase juckt, Nase läuft
Auge juckenneinja, stark
Fieberhäufignein
Kopfschmerzenhäufigeher nein
Gliederschmerzenhäufigeher nein
Geruchs- und Geschmackssinn gehen verlorenmöglichnein

Gehören Allergiker zur Corona-Risikogruppe?

Bei dieser Frage muss klar zwischen Asthma und anderen Formen von Allergien unterschieden werden. Bei Allergikern erkennt das Immunsystem die eigentlich ungefährlichen Pollen als Fremdkörper und löst eine Abwehrreaktion aus. Die Folge sind oft Niesreiz, Juckreiz und geschwollene Schleimhäute. Aber Allergiker haben kein schwächeres Immunsystem als andere.

Die größte Gefahr ist jedoch der sogenannte Etagen-Wechsel. Das heißt, dass die Heuschnupfen-Beschwerden vom oberen Rachenraum und der Nase in die Lunge hinab wandern. Aus einem allergischen Schnupfen entsteht ein chronisches Asthma. Wer bereits an schwerem allergischen Asthma leidet, sollte sich laut Professor Frank Riedel zur Corona-Risikogruppe zählen und demnach besondere Vorsicht walten lassen.

Sind Allergiker allgemein anfälliger für andere Krankheiten?

Allergiker sollten aktuell im Allgemeinen vorsichtig sein, weil ihre Schleimhäute gereizt sind und sich hier leichter Bakterien und Viren festsetzen können. "Die Beschäftigung des Körpers mit den Allergenen kann die Abwehr schwächen, so ist man anfälliger für Infekte. Und es kann auch umgekehrt sein: Ist man durch einen Infekt geschwächt, ist man anfälliger für die Entstehung und das Voranschreiten von Allergien", erklärt Professor Frank Riedel, Facharzt für HNO-Heilkunde.

Was kann bei Heuschnupfen helfen?

Gegen Heuschnupfen kann eine spezifische Immuntherapie oder auch Hyposensibilisierung helfen. Dabei werden die Allergene - also die Substanzen auf die der jeweilige Patient allergisch reagiert - zunächst wöchentlich gespritzt bis die maximal verträgliche Dosis erreicht ist. Die bekommt der Patient dann monatlich per Spritze, meist drei Jahre lang. Den größten Effekt hat die Therapie beim Allergologen, wenn man bereits in den ersten Jahren nach Beginn der Symptome beginnt - unabhängig vom Alter. Denn die Allergie kann irgendwann im Leben auftreten.

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Macht Kortison anfälliger für eine Corona-Infektion?

Bei dieser Frage muss man zwischen der Einnahme von Kortison-Tabletten und lokal wirkenden Kortison-Medikamenten, wie Nasen- oder Asthmasprays, unterscheiden. Wer sein Immunsystem nicht zu sehr schwächen und somit einer Infektion vorbeugen möchte, sollte mit dem Arzt über ein Weglassen der Kortisontabletten sprechen. Es ist sogar möglich, dauerhaft auf neue Therapien mit biotechnologisch hergestellten Medikamenten auszuweichen. Hierbei seien langfristig weniger Nebenwirkungen als bei hochdosierten Kortisontabletten zu erwarten, wie Professor Roland Buhl, Lungen- und Asthmaexperte der Uniklinik Mainz, erklärt.

Als unbedenklich gelten hingegen lokale Kortison-Medikamente wie Sprays zum Inhalieren. Sie enthalten laut Buhl nur minimale Mengen Kortison. Gut eingestellte Asthmatiker sind grundsätzlich nicht stärker durch das Coronavirus gefährdet als andere Menschen.

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