Blaubeeren im Detail gezeigt. (Foto: Unsplash/Melissa Belanger)

Blaubeer-Boom

Welche Folgen hat der Heidelbeer-Import aus dem Ausland?

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Die Nachfrage nach Heidelbeeren ist hoch wie nie. Die Folge: Billigimporte aus Peru, Marokko und Co. Was bedeutet das für Verbraucher und Erzeuger in Deutschland? 

Ob hippe Granola-Bowl mit Beeren-Topping oder der Sekt mit den kleinen blauen Beeren – Heidelbeeren haben in den letzten Jahren einen echten Boom erfahren.

Doch während Heidelbeeren, oder auch Blaubeeren, aus deutschem Anbau nur im späten Frühling und Sommer Saison haben, gibt es im Supermarkt ganzjährig günstige Beeren zu kaufen. Sie stammen beispielsweise aus Chile, Peru oder Marokko.

Preisdruck macht deutschen Herstellern zu schaffen

Deutsche Erzeuger von Heidelbeeren geraten durch billige Importe zunehmend unter Preisdruck. Seit rund 20 Jahren baut beispielsweise Obstbauer Franz Josef Müller unter anderem Heidelbeeren unter Folien in Oberkirch im Schwarzwald an. Der Tunnelanbau hilft einerseits dabei, dass die Früchte früher reif werden. Anderseits kann der Landwirt den Pestizideinsatz so minimieren.

Aber die immer günstigeren Preise der Import-Beeren machen deutschen Anbietern zu schaffen. Trotz steigender Nachfrage haben die Landwirte Probleme, ihre Ware loszuwerden. Denn: Heidelbeerernte ist Handarbeit und die Löhne für die Erntehelfer steigen. Im Ausland wird kostengünstiger produziert, weil die Löhne sehr viel niedriger sind – entsprechend günstiger ist der Einkaufspreis für den Lebensmittelhandel. Der nimmt oftmals lieber die Importware.

„Die meisten Konkurrenten kommen aus Spanien, Portugal, Peru. Und Peru, da haben wir einen Mindestlohn von sogar nur ein Euro. Da haben wir natürlich ein Problem, so können wir nicht produzieren."

Wie ist die Ökobilanz von Blaubeeren aus dem Ausland?

In Südamerika werden die Blaubeeren häufig in kargen, trockenen Regionen angebaut. Das bringt zwar Geld in die Regionen, bleibt aber nicht ohne Folgen für die Natur: Nicht selten müssen Schmelzwasserflüsse für den Anbau umgeleitet und Staudämme gebaut werden.

Dazu kommt noch der Transport nach Europa: Mindestens drei Wochen dauert die bis zu 13.000 Kilometer lange Schiffsreise von Chile oder Peru nach Deutschland.

Hohe erlaubte Grenzwerte für Importware bei chemischer Behandlung

Ein weiterer Faktor sind hohe, erlaubte Grenzwerte beim Pestizideinsatz. Viele Import-Beeren werden mit Pilzgiften behandelt, da trotz der Kühlung auf dem Weg nach Deutschland die Schimmelgefahr groß ist. Hinzukommen können weitere Behandlungen mit Insektiziden.

Heidelbeeren am Strauch. (Foto: Unsplash/Alex Ushakoff)
Heidelbeeren erfreuen sich immer größerer Beliebtheit in Deutschland. Unsplash/Alex Ushakoff

Bei der Marktcheck-Stichprobe lagen die untersuchten Blaubeeren aus dem Ausland alle unter dem Grenzwert. Diese in der EU zugelassenen Höchstmengen sind allerdings hoch angesetzt. „Das ist so, als wenn man das Tempolimit generell auf 200 anheben würde. Und es würde niemand mehr geblitzt werden“, erklärt Pestizidexperte Lars Neumeister.

Allerdings erkennt der Experte auch an: Es tut sich etwas am Markt. Innerhalb der letzten zehn Jahre sei der Einsatz vor allem von problematischen chemischen Mitteln zurückgegangen – das ist auch an Importware zu beobachten. Am besten haben bei den Marktcheck-Laboruntersuchungen die Bio-Heidelbeeren abgeschnitten, hier konnten gar keine Pestizide nachgewiesen werden.

Bisher ungelöst ist das Preisproblem für deutsche Landwirte. Laut Bauer Müller könnte es irgendwann nur noch wenige Heidelbeerbauern hierzulande geben. Diese Entwicklung bei den Blaubeeren stützt eine Statistik vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Bei Heidelbeeren ist der Selbstversorgungsgrad im letzten Jahr um drei Prozent zurückgegangen. Und dieser war bereits niedrig – von 15 Prozent (2019/2020) auf 12 Prozent (2020/2021).

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