Hautkrebs (Foto: dpa Bildfunk, Karl-Josef Hildenbrand)

Gut für Patienten, Verlustgeschäft für Ärzte?

Hautkrebs-Screening per Auflicht-Mikroskop

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Mit dem Auflichtmikroskop lässt sich Hautkrebs wesentlich besser erkennen. Seit Kurzem ist die Untersuchung Kassenleistung. Dennoch bieten viele Praxen sie nicht an. Warum?

2008 wurde das Hautkrebs-Screening als Kassenleistung eingeführt. Seitdem gibt es immer wieder Streit zwischen Hautärzten und gesetzlichen Krankenkassen, inwieweit man für diese Untersuchung ein sogenanntes Auflichtmikroskop verwenden dürfe oder ob dies eine Privatleistung der Patientinnen und Patienten sei.

Auflichtmikroskop ist jetzt Kassenleistung

Nun ist der Streit geklärt: seit April 2020 ist die Untersuchung mit dem Auflichtmikroskop Kassenleistung.

Vorher war in der Kassenleistung nur inbegriffen, dass der Arzt den Körper des Patienten mit dem bloßen Auge untersuchte. Viele Hautärzte beurteilten diese Methode als ungenügend: „Die Auflichtmikroskopie ist das entscheidende Instrument, um eine qualitativ sinnvolle Hautkrebsvorsorge zu machen", sagt Dr. Jens Tesmann, Hautarzt in Stuttgart.

Der ganze Körper sollte untersucht werden

Das Auflichtmikroskop ist eine spezielle Lupe mit Licht, die mit 10-facher Vergrößerung einen Blick in tiefere Hautschichten ermöglicht.

Bei dem Screening sollte der Körper vom Scheitel bis zur Fußsohle untersucht werden. Denn gerade der gefährliche schwarze Hautkrebs kann auch an Stellen auftreten, die gar nicht der Sonne ausgesetzt sind. Deshalb inspiziert der Arzt auch den Gesäß- und Genitalbereich.

Verlustgeschäft für Hautärzte

Das Problem: Die Untersuchung per Auflichtmikroskop kann sehr lange dauern und ist für viele Praxen zum Verlustgeschäft geworden. Hautarzt Tesmann: „Wir konnten für die Untersuchung mit Auflichtmikroskop früher 16,50 Euro in Rechnung stellen – das ist auch bei den Privatpatienten derselbe Betrag. Jetzt kriegen wir von der Krankenkasse 4,30 Euro.“

Pro Jahr entstünde für seine Praxis dadurch ein Verlust etwa 40.000 Euro, so Tesmann.

Als Patient auf Nutzung von Auflichtmikroskop bestehen

Einige Praxen bieten die Untersuchung per Auflichtmikroskop für Kassenpatienten daher nicht an – die Nutzung ist für die Ärzte freiwillig. Als Patient sollte man jedoch auf diese Technik bestehen, da sie die Untersuchung wesentlich verbessert. Zur Not kann es sinnvoll sein, den Arzt zu wechseln.

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