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Ständig eine verstopfte Nase, Probleme mit den Nebenhöhlen, schlechter Schlaf – häufig steckt eine Hausstaubmilbenallergie dahinter. Was kann man dagegen tun?

Von Mittelohrproblemen bei kleinen Kindern bis zu chronischen Nebenhöhlenentzündungen bei Erwachsenen, von Ohrenschmerzen im Flugzeug, bis zu verklebten Augen und verstopfter Nase nach dem Aufwachen – all das kann ein Hinweis auf eine mögliche Hausstauballergie – oder Hausstaubmilbenallergie – sein.

Auch wenn man plötzlich den Krabbensalat nicht mehr verträgt, könnte die Allergie dahinter stecken. Denn auch bei der Hausstauballergie kann es zu Kreuzallergien bei Nahrungsmitteln kommen.

Bakterien, Pilzsporen, Hautschüppchen – Milben

Was genau im Hausstaub ist der Auslöser all dieser Probleme? Jede Wohnung hat ihr individuelles Staub-Gemisch aus Textilfasern, Nahrungsmittelresten, Bakterien, Pilzsporen, menschlichen und tierischen Hautschuppen und winzigen spinnenartigen Tierchen: den sogenannten Hausstaubmilben. Bestimmte Eiweiße aus ihrem Kot und Panzer lösen die allergischen Symptome aus. Medizinisch korrekt muss es daher Hausstaubmilbenallergie heißen.

Was können Allergiker gegen Hausstaubmilben tun?

Der Grund für eine Hausstauballergie ist nicht mangelnde Hygiene, sondern hauptsächlich Veranlagung. Diese haben immerhin 20 Prozent der Bevölkerung.

Frau mit Putzhandschuhen saugt Parkettboden vor Sofa (Foto: Colourbox)
Putzen hilft bedingt gegen Hausstaubmilben.

Hilft Putzen gegen Hausstaubmilben?

Übertriebenes Putzen mit viel Chemie hält Allergieexpertin Dr. Nicola Wagner von der Universitätsklinik Erlangen nicht für empfehlenswert. Sobald wir einen Tag in unserem Bett schlafen, sind die Milben nämlich wieder da, so die Expertin. Eigentlich sind die winzigen Lebewesen harmlos. Allergikern schaden sie jedoch, wenn sie sich zu stark vermehren. Man sollte also durchaus versuchen, ihre Zahl zu reduzieren - zum Beispiel durch häufiges Staubsaugen.

Für Allergiker ist wichtig, sich dort vor den Milben zu schützen, wo diese die besten Lebensbedingungen vorfinden und wo es reichlich menschliche Hautschuppen zu fressen gibt: im Bett, denn dort ist es warm und feucht.

Täglich Bettzeug lüften

Bettdecke, Kissen und Matratze sollten gut gelüftet werden und zwar getrennt voneinander. So kann die Feuchtigkeit verdunsten. Am besten die Bettwäsche für ein paar Minuten aus dem Fenster hängen.

Matratzen sollten außerdem spätestens alle zehn Jahre getauscht werden.

Allergiker-Bettwäsche

Spezielle Allergiker-Bettwäsche hat so dichtes Gewebe, dass kleine Partikel nicht hindurchpassen. Einmal die Woche wird das Bettzeug bei 60 Grad mindestens eine Stunde gewaschen.

Spezifische Immuntherapie: Spritzen oder Tabletten?

Eine Methode, die Hausstauballergikern hilft,ist die sogenannte Hyposensibilisierung oder spezifische Immuntherapie. Bisher bedeutete das alle vier bis sechs Wochen eine Spritze mit Milbenextrakt, um den Körper wieder an das Allergen zu gewöhnen.

Diese Therapie hat um so höhere Erfolgschancen, je früher sie begonnen wird – also möglichst bald, nachdem die Allergie entwickelt wurde. Seit kurzem gibt es die Therapie auch in Tablettenform. Die muss man allerdings jeden Tag nehmen.

Die Nebenwirkungen sind meist überschaubar. Bei vielen treten nur leichte lokale allergische Reaktionen auf, etwa ein leichtes Jucken im Mund oder im Hals. Im Laufe der Therapie können diese Symptome auch wieder verschwinden.

Die erste Tablette muss, unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden, um die Veträglichkeit zu testen.

Nebenwirkungen der Tabletten

Als seltene Nebenwirkung der Hyposensibilisierung in Tablettenform wurde eine sogenannte „Eosinophile Ösophagitis“, beschrieben. Das ist eine Entzündung der Speiseröhre. Bei Symptomen wie Brennen im Hals oder einem „Kloßgefühl“ sollten die Patienten ihren Arzt konsultieren.

Die Wirksamkeit der Tablettentherapie ist, ebenso wie bei den Spritzen, sehr gut. Allerdings scheint es den Patienten schwerer zu fallen, die Therapie zuhause auch konsequent drei Jahre lang durchzuhalten. So lange sollte man nämlich dabeibleiben, um den Erfolg für etwa sechs bis zehn Jahre zu festigen – manche Studien empfehlen sogar vier Jahre.

Ein zusätzlicher Vorteil der Hyposensibilisierung: Sie schützt vor Asthma. Durch die ständige Allergen-Exposition besteht bei Hausstauballergikern ein nicht zu unterschätzendes Risiko eines sogenannten „Etagenwechsels“ der Allergie, das heißt, es kann sich ein Asthma entwickeln. Dieses Risiko kann durch die spezifische Immuntherapie wesentlich gemindert werden.

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