Infektion durch Rötelmaus

Neue Welle: Große Hantavirus-Gefahr im Südwesten

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Das Hantavirus springt von Rötelmäusen auf den Menschen über - durch die Luft. Dieses Jahr ist die Infektionsgefahr besonders hoch. Marktcheck zeigt die Symptome und wie man sich schützen kann.

Hantaviren treten vor allem in Baden-Württemberg auf und dort am häufigsten in Regionen mit viel Buchenwald. Hier fühlt sich die Rötelmaus wohl, die das Hantavirus überträgt. In Rheinland-Pfalz und dem Saarland hingegen gibt es nur wenige Fälle. Sogenannte Mastjahre mit vielen Bucheckern bieten den Nagern reichlich Nahrung und gute Fortpflanzungsbedingungen. 2020 war ein solches Mastjahr. Deshalb gibt es jetzt besonders viele Rötelmäuse und besonders viele Hanta-Infektionen.

Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg verzeichnete bis 21. Juni bereits 948 Infektionen - jetzt schon mehr als im gesamten Hantavirus-Jahr 2019, wo es ebenfalls viele Erkrankungen gab.

Hantavirus wird durch Rötelmäuse übertragen

Für Deutschland relevante Wirtstiere sind vorwiegend die Rötelmaus (Myodes glareolus) und die Brandmaus (Apodemus agrarius). In jüngster Zeit wurden neue Hantaviren auch in bisher unbekannten Reservoirwirten wie Spitzmäusen, Maulwürfen, Fledermäusen und einer Heimratte nachgewiesen.

Rötelmäuse sind kleiner als Hausmäuse, haben ein fuchsrotes Fell, einen grauen oder weißen Bauch und längere, schwarze Haare am Schwanz. Die auch Waldwühlmäuse genannten Nager leben vor allem in Wäldern mit Buchen und Eichen. In Jahren, in denen die Buchen besonders viele Bucheckern tragen, können sich die Mäuse besonders stark vermehren. Nach üppigen Buchenjahren gibt es oftmals einen Anstieg der Hantavirus-Infektionen. Baden-Württemberg bietet mit seinen Wäldern also einen idealen Lebensraum für die Mäuse. Sie tragen offenbar auch besonders häufig das Virus in sich.

Eine Rötelmaus und Hantaviren unter dem Mikroskop. (Foto: dpa Bildfunk, SWR, picture alliance / Lehtikuva Kimmo Taskinen/dpa, Collage: SWR)
Der Hanta-Virus steckt im Kot der Rötelmäuse. picture alliance / Lehtikuva Kimmo Taskinen/dpa, Collage: SWR

Ist eine Population erst einmal durchseucht, dann hält sich das Virus dort. Auch deshalb kommt es zu steigenden Fallzahlen. Es handelt sich in der Regel immer wieder um die gleichen Landkreise.

Infektionsgefahr im Haus, im Garten, im Wald und durch Haustiere

Hantaviren werden mit dem Kot, Speichel und Urin der Rötelmäuse ausgeschieden. Mit der Zeit zerfällt der Kot zu Staub. Dieser ist ganz leicht - schnelle Schritte durch das Laub im Garten, im Wald oder auch ein Fahrradreifen genügen, um ihn aufzuwirbeln. Auch beim Zelten oder etwa beim Geocaching kann man sich über den Staub anstecken, bei Reinigungsarbeiten im Keller, auf dem Speicher und in Schuppen - oder wenn die Hauskatze tote Mäuse in die Wohnung bringt. Eine Infektion ist auch durch Viren etwa auf Heidelbeeren oder Waldpilzen möglich.

Über Aerosole gelangen die Hantaviren in die Lunge und ins Blut. Dann dauert es rund zwei Wochen, bis die Krankheit ausbricht: Meist beginnt sie mit Grippesymptomen, oft verbunden mit starkem Kopfschmerz.

Wie verläuft die Krankheit?

Eine Infektion mit dem Hantavirus kann schwere grippeähnliche Symptome auslösen, etwa tagelanges hohes Fieber und Kopf-, Bauch- und Gliederschmerzen. In der späteren Phase der Erkrankung kommt es oft zu Nierenproblemen. Das alles ist in der Regel gut behandelbar, indem man die Symptome lindert. Ein Medikament oder eine Impfung gegen die Krankheit gibt es allerdings nicht.

„Das Virus kann einhergehen mit Fieber, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit. Patienten klagen über Kopfschmerzen - ganz klassisch retrobulbär, sprich hinter den Augen - über Flankenschmerzen, diffus, mit Bauchschmerzen. Manche haben Sehstörungen. Das ist relativ breit das Ganze. Die Gefahr besteht darin, dass es zu akutem Nierenversagen kommen, was bis hin zu einer Dialyse führen kann.“

Am häufigsten erkranken Männer. Kinder scheinen weniger anfällig zu reagieren. Bei ihnen kann eine Infektion sogar völlig unbemerkt verlaufen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet nicht statt. Spätfolgen gibt es bei Hanta-Infektionen normalerweise nicht, sofern eine zu große Schädigung der Niere verhindert wird. Wer erkrankt war, ist für eine gewisse Zeit immun. Wie lange die Immunisierung anhält, ist noch nicht erforscht.

So können Sie sich vor Hantaviren schützen

Das Robert-Koch-Institut, RKI, gibt Tipps, wie Sie eine Infektion mit dem Hanta-Virus vermeiden können:

  • Lagern Sie Lebensmittel für Nager unzugänglich, um sie nicht anzulocken. Hilfreich sind dicht schließende Schränke, Metall- oder Plastikbehälter.
  • Lassen Sie weder Wasser noch Futter für Ihre Haustiere über Nacht offenstehen.
  • Verwahren Sie auch Ihren Abfall so, dass Nagetiere nicht drankommen.
  • Entsorgen Sie keine Essensreste und tierischen Abfälle auf dem Hauskompost.
  • Finden Sie beim Aufräumen von Garagen oder Schuppen Mäusekot oder -nester, sollten Sie beim Entfernen Mundschutz und Handschuhe tragen.
  • Reinigen Sie alle betroffenen Flächen gründlich und vor allem nass mit einem handelsüblichen Haushaltsreiniger. So minimieren Sie die Staubentwicklung.
In Handschuhen steckende Hände halten eine Maus (Foto: Imago, imagi/ZUMA Press)
Infizierte Mäuse nur mit Handschuhen anfassen! Imago imagi/ZUMA Press

Für die Beseitigung von toten Mäusen, Mäuseausscheidungen und die abschließende Säuberung empfiehlt das RKI:

  • Tragen Sie Gummihandschuhe und einen eng anliegenden Mundnasenschutz. Empfohlen wird eine Atemschutzmaske (FFP3).
  • Lüften Sie vor Beginn der Reinigung gut durch, indem Sie alle Fenster und Türen für mindestens 30 Minuten öffnen.
  • Vermeiden Sie es, Staub aufzuwirbeln.
  • Benutzen Sie keinen Staubsauger, weil Viren über die Abluft abgegeben werden könnten.
  • Besprühen Sie Mäuse, belegte Fallen und Mäuseausscheidungen zunächst gründlich mit einem handelsüblichen Reinigungsmittel. Auch so verhindern Sie, dass virusbeladener Staub aufgewirbelt wird.
  • Geben Sie tote Mäuse in eine Plastiktüte, verschließen und entsorgen Sie diese mit dem Hausmüll.
  • Reinigen Sie alle betroffenen Böden, Arbeits- und Oberflächen sowie benutzte Mausefallen gründlich.
  • Duschen Sie Körper und Haare gleich nach den Reinigungsarbeiten.
  • Waschen Sie die bei der Reinigung getragene Kleidung.
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