Kostenvoranschlag, Mehraufwand, Rechnung

Ärger mit Handwerkern – worauf der Kunde achten sollte

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Streit um die Handwerkerrechnung, weil der Kostenvoranschlag weit überschritten wurde? Wie sich der Auftraggeber richtig verhält, und wer im Streitfall vermittelt.

Im vergangenen Jahr konnten viele Handwerksbetriebe ein Plus verzeichnen. Die Menschen verbringen coronabedingt mehr Zeit zuhause und investieren in ihr Heim. Doch wer sich zu Reparaturen, Umbaumaßnahmen oder einer Renovierung entscheidet, sollte einiges beachten.

Corona-Schutzmaßnahmen beim Handwerkerbesuch

Auch während des derzeit geltenden Lockdowns dürfen klassische Handwerksbetriebe arbeiten - allerdings unter Einhaltung der vorgeschriebenen Hygieneregeln. Das heißt, sie müssen auch am Einsatzort den Mindestabstand und die Maskenpflicht einhalten. Sollte es bei einigen Arbeiten nicht möglich sein, den Mindestabstand zu wahren, müssen weitere Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Die Personenbeschränkung greift am Arbeitsplatz nicht. Es dürfen also auch mehr als zwei Handwerker zusammenarbeiten.

Der Stundenzettel muss auch in der aktuellen Situation unterschrieben werden, jedoch unter Beachtung der Hygieneregeln. Man sollte also auf Masken, Abstand und Belüftung achten und zusätzlich die Hände waschen.

Haushaltsmitglieder in Quarantäne: Darauf sollte man achten

Handwerksbetriebe sollten sich vor Beginn der Arbeiten telefonisch erkundigen, ob in dem Haushalt eine Person in Quarantäne ist. Sollte dies der Fall sein, dürfen die Arbeiten nur mit einer besonderen Genehmigung des Gesundheitsamtes durchgeführt werden. Handwerker haben in einem solchen Fall aber auch die Möglichkeit, den Termin abzusagen.

Sollte der Handwerker im Vorhinein nicht explizit danach fragen, ob sich im Haushalt eine Person in Quarantäne befindet, dann sollte der Kunde den Betrieb darüber informieren.

Betrugsmasche: Kriminelle Handwerker drängen zu überflüssigen Reparaturen

Immer wieder kommt es vor, dass unseriöse Handwerker bei einem Hausbesitzer klingeln und Reparaturen für vermeintliche Schäden anbieten. Hier ist Vorsicht geboten, denn oft sind die angebotenen Leistungen gar nicht notwendig und zusätzlich völlig überteuert.

Bevor man sich dafür entscheidet, eine Reparatur durchführen zu lassen, sollte man deshalb das Angebot in Ruhe anschauen. Betrüger drängen oft auf einen schnellen Vertragsabschluss. Hier ist es wichtig, dass man sich nicht unter Druck setzten lässt. Außerdem ist es immer ratsam, eine Zweitmeinung einzuholen. Dadurch kann man sicher gehen, dass die Reparatur tatsächlich benötigt wird und die Kosten angemessen sind. Wer sich trotz allem unsicher ist, ob es sich um Betrüger handelt, kann sich an die Polizei wenden.

Weitere Infos, wie man kriminelle Handwerker enttarnt, finden Sie hier:

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Marktcheck SWR Fernsehen

Überhöhte Preise bei mangelnder Leistung

Doch nicht nur bei Handwerkern, die von Tür zu Tür ziehen, sollte man Sorgfalt walten lassen. Auch Angebote, die auf den ersten Blick professionell wirken, können ihre Tücken haben. Eine Marktcheck-Zuschauerin musste das am eigenen Leib erfahren. In der Tageszeitung fand sie den Flyer einer Steinreinigungsfirma. Da die Außenflächen ihres Einfamilienhauses eine Reinigung gut vertragen konnten, nahm sie Kontakt zu der Firma auf. Bei einem Besichtigungstermin nannte der Handwerker einen Preis von 8.000 Euro. Trotz des hohen Preises verwendeten die drei Handwerker keine professionellen Geräte, sondern arbeiteten mit Hochdruckreinigern aus dem Baumarkt. Richtig sauber wird das Haus damit nicht. Außerdem überredeten sie die Hausbesitzerin dazu, selbst bei den Arbeiten mitzuhelfen.

Doch der größte Schreck kam am Ende: Die Handwerker verlangten 13.500 Euro in bar. Die ältere Dame fühlte sich von den drei Männern bedrängt und zahlte. Im Nachhinein stellt sich heraus, dass schon die erste Summe von 8.000 Euro völlig überhöht war und ein seriöser Gebäudereiniger nicht mehr als 4.000 Euro verlangt hätte. Die Rentnerin wendet sich schließlich, wegen Wucher und Nötigung, an die Polizei.

Ein Werbeflyer eines Handwerkerbetriebs liegt einer Zeitung bei. (Foto: SWR)
Professionell gestaltete Flyer sind kein Garant für einen seriösen Betrieb. Auch Betrüger nutzen diese Werbemittel.

Ab wann gelten hohe Preise als Wucher?

Wucher wird als strafbare Überschneidung von Preisgrenzen definiert. Er liegt vor, wenn der marktübliche Preis um mehr als 100 Prozent überschritten wird. Außerdem muss nachgewiesen werden, dass sich der Verbraucher in einer Zwangslage befand und diese Schwäche ausgenutzt wurde. Diese Vermutung besteht vor allem bei Notdiensten, wie beispielsweise Schlüsseldiensten, häufig. Liegt keine Zwangslage vor, kann sich der Handwerker auf die Freiheit des Marktes berufen und eigenständig Preise festlegen.

Welche Rechte habe ich bei einer überzogenen Rechnung?

Bei der Berechnung des Preises gibt es trotz aller Freiheit auch Vorgaben, die Handwerker beachten müssen. Zum einen müssen sie beim Einkauf von Materialien darauf achten, keine überteuerte Ware zu beziehen. Zum anderen darf dem Kunden später maximal das Zwei- bis Dreifache der Materialkosten berechnet werden. Sollten die Handwerker bei der Arbeit unnötig viel Zeit benötigen, darf das nicht dem Kunden in Rechnung gestellt werden. Verbraucher müssen nur den Zeitaufwand zahlen, der auch tatsächlich für die Erledigung der Arbeit notwendig ist.

Wer kann im Streitfall schlichten?

Kommt es zu einem Streit zwischen Verbraucher und Handwerker, kann die Handwerkskammer weiterhelfen. Sie bietet eine Schlichtungsstelle und kann gegebenenfalls auch bei der Suche nach Sachverständigen helfen. Als unabhängige Instanz steht auch die Allgemeine Verbraucherschlichtungsstelle in Kehl zur Verfügung, außerdem können Verbraucherzentralen bei rechtlichen Fragen beraten.

Eine Frau und ein Handwerker schütteln sich die Hand. (Foto: Colourbox)
Kommt es zu Streit zwischen zwischen Kunden und Handwerkern, kann die Handwerkskammer bei einer Einigung helfen.

Können Handwerker auf Barzahlung bestehen?

Mussten Handwerker bereits Erfahrungen mit zahlungsunwilligen Kunden machen, verlangen sie in einigen Fällen die Zahlung in bar. Zwingen können sie Verbraucher jedoch nicht dazu, es sei denn, man hat sich ausdrücklich dazu verpflichtet. Dies ist aber nicht empfehlenswert, denn Barzahlung kann als Hinweis auf Steuerhinterziehung gewertet werden. Außerdem können bar gezahlte Rechnungen nicht von der Steuer abgesetzt werden. Um möglichen Bedenken der Handwerker entgegen zu kommen, kann eine Teilzahlung vereinbart werden. Dabei wird der Betrag nach und nach während der einzelnen Arbeitsschritte überwiesen.

Ist ein Kostenvoranschlag verbindlich?

Bei Reparatur- oder Umbaukosten handelt es sich oft um hohe Beträge. Deshalb wollen sich viele Verbraucher mit einem Kostenvoranschlag vor unliebsamen Überraschungen schützen. Doch Vorsicht: Ein Kostenvoranschlag ist nicht bindend. Er ist lediglich eine Schätzung der entstehenden Kosten. Es gibt aber die Möglichkeit, schon bei der Auftragserteilung den Kostenvoranschlag rechtsverbindlich zu vereinbaren. Geht der Betrieb darauf ein, wird dies als Festpreisvereinbarung bezeichnet.

Eine Person sitzt am Schreibtsich und berechnet etwas mit Hilfe eines Taschenrechners. (Foto: Colourbox)
Ein Kostenvoranschlag ist nicht verbindlich und darf überschritten werden.

Was passiert, wenn der Kostenvoranschlag überschritten wird?

Bei einem Kostenvoranschlag dürfen die tatsächlichen Kosten den Voranschlag übersteigen, jedoch muss der Verbraucher gemäß §650 Abs.2 BGB unverzüglich informiert werden, wenn der Preis „wesentlich überschritten“ wird. Ab wann diese wesentliche Überschreitung eintritt, ist allerdings nirgendwo festgeschrieben. Als grober Anhaltspunkt gelten 10 bis 20 Prozent der ursprünglichen Kosten. Da sich die zusätzlichen Kosten je nach Gesamtsumme stark unterscheiden, kommt es immer auf den Einzelfall an. Ob zehn Prozent von 1.000 Euro oder 100.000 Euro zusätzlich anfallen, macht einen gewaltigen Unterschied, weshalb es keine pauschale Grenze gibt. Gilt die Überschreitung des Kostenvoranschlags als unwesentlich, muss der Verbraucher zahlen.

Werden die Kosten wesentlich überschritten und der Kunde ist darüber informiert, kann er sich dazu bereit erklären, die anfallenden Kosten zu tragen. Daneben besteht auch die Möglichkeit, den Werkvertrag außerordentlich zu kündigen und nur die bereits erbrachten Leistungen zu zahlen. Informiert der Betrieb den Kunden zu spät über die höheren Kosten, wären die Mehrkosten vermeidbar gewesen oder ist der Kostenvoranschlag von Anfang an erkennbar zu niedrig kalkuliert, ist der Betrieb schadenersatzpflichtig. Allerdings muss der Kunde den Fehler der Firma beweisen, was in der Praxis meist sehr schwierig ist.

Darf ein Kostenvoranschlag in Rechnung gestellt werden?

Im Zweifel ist ein Kostenvoranschlag nicht kostenpflichtig, jedoch können explizit andere Vereinbarungen getroffen werden. Dazu ist es aber nicht ausreichend, in den AGB darauf zu verweisen, da dies von Gerichten als unzumutbare Benachteiligungen des Kunden gewertet wird. Eine Ausnahme bilden Branchen, in denen eine Vergütung des Kostenvoranschlags üblich ist, wie etwa die Reparaturen von Elektrogeräten oder Fahrzeugen.

Welche Rechte habe ich bei einem Pauschalpreis?

Wer einen Pauschalpreis vereinbart, ist abgesichert und muss nur die vereinbarte Summe zahlen. Allerdings nur, solange darin alle erbrachten Leistungen aufgelistet und enthalten sind. Zusätzliche Arbeiten dürfen Handwerker extra berechnen.

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