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Die Modekette H&M will Personal abbauen. Beschäftigte sagen: Vor allem Mütter von kleinen Kindern, Langzeitkranke und Menschen mit Behinderung stehen auf der Abschussliste.

Der Modekonzern H&M sortiert aus - aber nicht Klamotten, sondern Beschäftigte: 800 Mitarbeiter*innen will der schwedische Konzern deutschlandweit loswerden. In Baden-Württemberg sind zum Beispiel Niederlassungen in Stuttgart, Ludwigsburg und Sindelfingen betroffen. H&M hat ein Freiwilligenprogramm auf die Beine gestellt, über das Beschäftigte das Unternehmen auf eigene Initiative verlassen können.

Kündigung auf eigenen Wunsch

Mit dem Programm will H&M laut eigener Aussage betriebsbedingten Kündigungen vorauskommen. Offenbar ist der dahinterstehende Prozess aber nicht ergebnisoffen. Der Gewerkschaft Verdi zufolge will H&M vor allem Personal einsparen, das vor 16 Uhr arbeitet, und hat auf diese Weise bestimmte Zielgruppen unter den Beschäftigten im Blick, wie Giovanna Heldmayer von Verdi erklärt:

"Dieses Freiwilligenprogramm richtet sich ganz speziell an Mütter, die nicht abends oder an Samstagen arbeiten können. Außerdem richtet es sich an Menschen mit Behinderung, an Ältere und insbesondere an Langzeit-Kranke."

Giovanna Heldmayer, Verdi-Bezirk Stuttgart

Verdi: H&M-Beschäftigte mit Kindern werden unter Druck gesetzt

Anna Weber, die eigentlich anders heißt, ist Verkäuferin bei H&M und Mutter einer Tochter. Derzeit befindet sie sich in Elternzeit. Vor einigen Wochen hat sie ein Anruf ihrer Chefin erreicht. Sie klärt sie über die Details des Freiwilligenprogramms auf. Anna Weber ist schockiert: "Ich habe meiner Chefin gesagt: 'Das trifft ja uns Mamis.' Wir werden ja total benachteiligt."

Sofort sei ihr klar gewesen, dass bei den Morgenstunden gespart werden soll, den Mami-Stunden. Für Anna Weber ein Riesenproblem:

"Ich kann nicht anders arbeiten. Ich kann meine Tochter nicht von morgens bis abends in den Kindergarten stecken und danach zur Oma, so dass ich bis halb neun arbeiten kann."

Anna Weber, Verkäuferin bei H&M

Solche Anrufe sind offenbar derzeit bei H&M keine Seltenheit. Laut Verdi macht das Unternehmen gezielt Druck auf Beschäftigte, die Kinder haben, älter oder krank sind. Das Ziel: Sie sollen sich freiwillig für die Arbeitslosigkeit entscheiden.

H&M: Wollen betriebsbedingten Kündigungen zuvorkommen

Dass H&M Eltern und Kranke auf der Abschussliste hat, weist das Unternehmen zurück. Der Personalabbau sei vielmehr daran geknüpft, in welchen Stellenprofilen oder Arbeitszeiten seit Jahren weniger Arbeit anfällt, so H&M in einer schriftlichen Stellungnahme.

"Das Freiwilligenprogramm dient der Vermeidung von betriebsbedingten Kündigungen. Sollten über dieses Angebot nicht ausreichend Kolleg*innen erreicht werden, ist die betriebsbedingte Kündigung der nächste Schritt."

H&M Unternehmenskommunikation

Beschäftigte, die in Elternzeit sind oder langfristig krank, seien von solchen Kündigungen allerdings ausgeschlossen, beteuert man bei H&M. Anna Weber beruhigt das nicht. In ein paar Monaten wollte sie wieder anfangen zu arbeiten. Erstmal nur für ein paar Stunden, während ihre Tochter im Kindergarten ist. Jetzt ist sie verunsichert:

"Ich habe Angst, dass man mir sagt: So, du kommst aus der Elternzeit zurück, dein Kündigungsschutz gilt nicht mehr. Und dann sagen sie: Deine aktuelle Arbeitszeit passt nicht."

Anna Weber, Beschäftigte bei H&M

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