Zwei Sonnenliegen mit Schirm am Meer (Foto: Colourbox)

Bundesregierung sichert Reisegutscheine ab

Gutschrift statt Geld

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Geld oder Gutschein? Wenn eine Pauschalreise wegen der Corona-Pandemie ausfällt, haben Kunden die Wahl. Die Bundesregierung macht die Annahme von Gutscheinen jetzt attraktiver.

Es ist ein Kompromiss, der allen Seiten gerecht werden soll: Die Bundesregierung übernimmt die Haftung für Reisegutscheine, die wegen der Corona-Pandemie ausgestellt wurden. Vorausgegangen war ein Streit darüber, ob Kunden dazu verpflichtet werden sollen, Gutscheine anzunehmen. Die Reisebranche hatte sich eine verpflichtende Gutscheinregelung gewünscht, die sie von der Pflicht befreit hätte, den Kunden die Anzahlungen für stornierte Reisen zurückzuerstatten. Die Bundesregierung war bereit dazu, das Vorhaben scheiterte jedoch am Widerstand der EU-Kommission. Nun werden Gutscheine auf freiwilliger Basis eingeführt, für die dann der Bund geradesteht.

Welches Risiko übernimmt der Bund?

Sich auf einen Gutschein einzulassen, war für Kunden bislang riskant: Denn falls der Reiseveranstalter Insolvenz anmelden muss, wäre die Anzahlung unter Umständen verloren gewesen. Zwar sind Pauschalreisen grundsätzlich durch den Reisesicherungsschein gegen eine Insolvenz des Reiseveranstalters versichert. Es ist jedoch unklar, ob auch Gutscheine durch einen solchen Reisesicherungsschein gedeckt sind. Aus diesem Grund hatten zunächst Verbraucherschützer davor gewarnt, Gutscheine zu akzeptieren. Diese Sorge sollte nun aber ausgeräumt sein. Denn das Insolvenzrisiko übernimmt jetzt der Bund: Sollte ein Veranstalter also pleite gehen, bekommen die Kunden ihr Geld in jedem Fall vom Staat zurück.

Reisegutschein statt Rückerstattung von Geld durch Reiseveranstalter (Foto: Colourbox)
Kunden haben die Wahl zwischen einer Rückerstattung und einem Gutschein.

Welche Gutscheine sind abgesichert?

Die Garantie des Bundes gilt für alle Reisen, die vor dem 8. März 2020 gebucht und wegen der Pandemie abgesagt wurden. Kunden haben dann die Wahl, ob sie sich den Reisepreis zurückerstatten lassen möchten oder einen Gutschein akzeptieren. Die Gutscheine sind bis Ende 2021 gültig. Wenn sie bis dahin nicht eingelöst wurden, muss der Wert automatisch innerhalb von zwei Wochen zurückerstattet werden. Die Garantie des Bundes gilt auch für Gutscheine, die bereits ausgestellt wurden: Sofern die Voraussetzungen erfüllt sind, können sich Kunden an ihren Reiseveranstalter wenden und verlangen, dass der bisherige Gutschein angepasst oder umgetauscht wird.

Wie bekommen die Kunden ihr Geld zurück?

Sollte der Reiseveranstalter zahlungsunfähig werden, sind die Kundengelder abgesichert. Erster Ansprechpartner ist die Versicherung des Reiseveranstalters, hier können die Kunden ihre Ansprüche anmelden. Sollte die Deckungssumme von 110 Millionen Euro nicht ausreichen, übernimmt der Bund den Rest. Hierfür muss ein separater Antrag gestellt werden, federführend für die Abwicklung ist das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz.

Für welche Summe muss der Steuerzahler geradestehen?

Kunden und Mitarbeiter am Schalter von Thomas Cook (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Clara Margais/dpa)
Die Thomas-Cook-Insolvenz kostet den Steuerzahler gut 260 Millionen Euro. picture alliance/Clara Margais/dpa

Die Insolvenz des Reiseveranstalters Thomas Cook hat es verdeutlicht: Wenn ein großer Veranstalter zahlungsunfäig wird, reicht die Pflichtversicherung von 110 Millionen Euro nicht aus. Insgesamt lag der Schaden der Thomas-Cook-Insolvenz bei 287 Millionen Euro. Von der Versicherung bekamen die Kunden deshalb nur einen Teil ihrer Anzahlung zurück, gerade einmal 17,5 Prozent. Für den Rest sprang der Bund in die Bresche. Inklusive Rechtsberatung und Zahlungsabwicklung kostete das den Steuerzahler 263 Millionen Euro.

Rückerstattungen in Milliardenhöhe fällig

In der Corona-Krise ist das Gesamtrisiko noch deutlich höher: Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands beträgt das Rückerstattungsvolumen 6,9 Milliarden Euro. Ende Mai war bereits eine Milliarde ausgezahlt, der Rest stand noch aus. Rein theoretisch haftet der Bund somit für knapp sechs Milliarden Euro. Diese Summe würde aber nur fällig, wenn sämtliche Reiseveranstalter innerhalb der nächsten Wochen pleite gehen.

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