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Wegen der Corona-Pandemie finden Pauschalreisen und Flüge nicht statt. Kunden sollen mit Gutscheinen abgespeist werden. Wer traut sich, 2020 noch Urlaub zu buchen?

EU-Kommissarin sagt Nein zu Flug-Zwangsgutscheinen

Die EU-Verkehrskommissarin Adina Vălean lehnt den Wunsch mehrerer EU-Länder ab, Passagiere mit Gutscheinen statt mit Geld für ausgefallene Flüge zu entschädigen. Schon vor einigen Wochen wurde aus Äußerungen Văleans deutlich, dass sie Gutscheine für keine befriedigende Lösung hält. Nun erklärte die EU-Kommissarin, es sei wichtig, an den EU-Verbraucherrechten festzuhalten. Fluggesellschaften müsse bei Liquiditätsproblemen auf andere Weise geholfen werden. Adina Vălean erklärte, sie habe viele Zuschriften von frustrierten Passagieren erhalten, „die zurecht eine mangelnde Rückerstattungspolitik der Fluggesellschaften anmahnen“.

Anfang April hatten mehrere Bundesminister die EU-Verkehrskommissarin aufgefordert, Zwangsgutscheine zu ermöglichen. Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios will die EU-Kommission nun Mitte Mai genauere Empfehlungen zum weiteren Vorgehen vorlegen.

EU-Verkehrskommissarin Adina Valean spricht auf einer Pressekonferenz zu COVID-19 im EU Emergency Response Coordination Centre. (Foto: Imago, imago 0097433579)
EU-Verkehrskommissarin Adina Vălean ist gegen Flug-Zwangsgutscheine. Imago imago 0097433579

EU-Justizkommissar gegen Zwangsgutscheine für Pauschalreisen

Zuvor hatte bereits EU-Justizkommissar Didier Reynders den deutschen Gutscheinplänen für Pauschalreisen eine klare Absage erteilt. Das deutsche Modell sah Gutscheine für ausgefallene Reisen vor. Erst wenn diese Reisen bis Ende 2021 nicht eingelöst worden wären, hätten Kunden Geld von ihrem Reiseanbieter verlangen können. Nach der EU-Pauschalreiserichtlinie hat der Kunde aber das Recht, sein Geld sofort nach Absage der Pauschalreise zurück zu bekommen, spätestens innerhalb von 14 Tagen. EU-Kommissar Reynders ist allerdings nicht dagegen, Kunden zur Annahme von Gutscheinen zu ermutigen.

„Die Mitgliedstaaten müssen sicherstellen, dass nationale Entscheidungen im Einklang mit dem EU-Recht stehen – und das lässt dem Verbraucher die Wahl zwischen Gutscheinen und der Rückerstattung der Kosten.“

Didier Reynders, EU-Kommissar für Justiz und Rechtsstaatlichkeit

SPD: Alle Steuerzahler sollen der Reisebranche einen Kredit gewähren

Der rechtspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Johannes Fechner plädiert nach dem doppelten Nein aus Brüssel für staatliche Hilfen, die "so aussehen, dass mit einem staatlich finanzierten Fonds Reisegelder zurückerstattet werden". Ein solcher Sicherungsfonds soll dann innerhalb einer bestimmten Frist von der betroffenen Reisebranche wieder aufgefüllt werden, damit die Kosten nicht am Steuerzahler hängen bleiben.

Wenn ich jetzt storniere, hilft mir die Reiserücktrittsversicherung?

Derzeit ist unklar, wie lange die weltweiten Reisewarnungen und Reisebeschränkungen noch gelten werden. Deshalb können auch Reiseveranstalter schlecht planen und müssen abwarten. In dieser Situation sollten Kunden von sich aus nicht stornieren. Es sei denn, es liegen private, persönliche Gründe vor, die einen Urlaub unmöglich machen - wie beispielsweise Krankheit, ein Unfall oder Arbeitslosigkeit. Dann kann auch unter Umständen eine Reiserücktrittsversicherung helfen. Die Versicherung übernimmt dann die Kosten. Ein ungutes Gefühl - wie etwa die Angst vor einer Ansteckung - gehört aber nicht zu den Gründen, bei denen eine Reiserücktrittversicherung greift.

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Wie riskant ist es, jetzt eine Reise im Herbst zu buchen?

Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg meint, wer jetzt eine Pauschalreise oder Unterkunft im Spätsommer oder Herbst 2020 buchen möchte, sollte auf jeden Fall mit dem Veranstalter genau absprechen, welche Stornierungsbedingungen dann gelten. Es müsse ganz klar sein, wer welche Kosten übernimmt, wenn die Reise aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden kann. Da derzeit die bislang eindeutigen gesetzlichen Regeln außer Kraft gesetzt werden sollen, haben Reisende erhebliche Probleme, ihr Geld zurückzubekommen.

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Kunden müssen Reisegutscheine nicht annehmen

Viele Unternehmen bieten statt Geld derzeit Gutscheine als Ausgleich für Pauschalreisen an. Solche Gutscheine sind aber keine sichere Alternative: Bei einer Pleite des Reiseveranstalters werden sie wertlos. Kunden sind auch nicht verpflichtet, sich mit einem Gutschein zufriedenzugeben. Reiseveranstalter berufen sich seit Wochen auf die Pläne der Bundesregierung, Gutscheine als gesetzliche Ersatzleistung für Reisen zuzulassen und erstatteten oft kein Geld zurück. Dafür müsste jedoch das geltende EU-Recht geändert werden und danach sieht es von Seiten der EU momentan nicht aus.

Was ist das Problem mit Gutscheinen für Pauschalreisen?

Verbraucherschützer Oliver Buttler sieht viele Probleme bei einer Gutschein-Lösung für Pauschalreisen. Härtefälle sollen zwar aus einer neuen Regelung ausgenommen werden, also ihr Geld zurückbekommen, aber es ist völlig unklar, wer als Härtefall gilt. Außerdem trägt der Kunde durch die Gutscheine das Insolvenzrisiko, und man weiß inzwischen aus der Praxis: Auch die Großen in der Reisebranche sind nicht vor einer Pleite sicher, wie etwa das Beispiel Thomas Cook gezeigt hat. Der Reisemarkt ist stark in Bewegung.

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Sind Gutscheine für Flugtickets okay?

Nein - auch bei Gutscheinen für Flugtickets besteht die Gefahr, dass der Kunde auf seinem Gutschein sitzen bleiben kann, denn auch größere Fluggesellschaften gehen Pleite. Die Flugverkehrsbranche verändert sich seit einigen Jahren rasant. Und mit einer solchen, weltweiten Krise wie der Corona-Pandemie hat kaum ein Unternehmen gerechnet.

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