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Der Preis für die Feinunze Gold ist erstmals über 2.000 Dollar gestiegen. Die Verunsicherung über die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zeigt sich. Wir erklären die Risiken beim Gold.

Eine Feinunze Gold - das sind 31,1 Gramm - hat einen neuen Preis-Rekord erreicht. Händler führen den Preissprung auf die Spekulationen über ein neues Konjunkturpaket in den USA zurück. Den Hauptgrund für den Goldrausch sehen viele jedoch in der anhaltenden Verunsicherung über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Wichtig für Anleger: Die Geldmenge steigt enorm

Gold ist gefragt wie nie - international und auch in Deutschland. Markus Krall vom Degussa Goldhandel in Frankfurt sagt, das liege vor allem an der Geldpolitik der Notenbanken in Amerika und der EU. Sowohl die FED als auch die EZB druckten Geld „als gäbe es kein Morgen“ - mit einer Geschwindigkeit innerhalb von Wochen und Monaten wie nie, auch nicht in der Finanzkrise.

„Wenn die Geldmenge steigt, setzt die Inflationsangst ein.“

Markus Krall, Degussa Goldhandel in Frankfurt

Jetzt Gold kaufen wird teuer

Viele Menschen sind unsicher, wie sie sich am besten finanziell absichern können und denken dabei an Gold. Trotzdem rät Zaidi Sulilatu vom Verbraucherportal „Finanztip“ davon ab, jetzt Gold zu kaufen. „Es ist meistens keine so gute Idee, so teuer einzukaufen, wie es überhaupt nur geht. Und zum Zweiten ist Gold keine wirklich solide Geldanlage in dem Sinne, als es eben keine laufenden Erträge abwirft. Wenn ich jetzt Vermögensaufbau betreiben möchte, zum Beispiel für meine Altersvorsorge, sind andere Dinge wie beispielsweise weltweit gestreute Aktien eine bessere Idee.“

Die Finanzplanung ist also wichtig in dieser Reihenfolge:

  • Notgroschen für die unerwartet kaputte Waschmaschine
  • ein Polster für eine neue Couch in fünf Jahren
  • und Geld, um den Lebensstandard im Alter halten zu können

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Gold in der Geldanlage nur als kleiner Anteil

Wer Angst hat, dass unser gesamtes Finanzsystem zusammenbrechen könnte, für den kann zusätzlich Gold in Form von Münzen und Barren eine Option sein. Experten raten allerdings, nicht mehr als zehn Prozent des Gesamtvermögens in Gold zu lagern.

Zaidi Sulilatu vom Verbraucherportal „Finanztip“ sagt: „Diese Absicherung sollte für den Krisenfall auch reichen. Die Überlegung ist, wenn es wirklich zu einer katastrophalen Krise kommt, werden meine zehn Prozent Vermögen in Gold wahrscheinlich ein Vielfaches wert sein.“

Gold kann auch in der Krise an Wert verlieren

Markus Krall vom Degussa Goldhandel in Frankfurt sagt, Gold habe sich seit 5.000 Jahren bewährt. Einen Teil des Vermögens zu vergolden, sei aber auch nicht ohne Risiko. „Wenn die Aktienmärkte, die sich eindeutig in einer Blase befinden, wieder kollabieren, besteht auch für Gold eine gewisse Gefahr. Und zwar deswegen, weil dann Investoren, die in den Aktienmärkten viel verlieren, Gold verkaufen müssen.“

Dann werden auch die Barren und Münzen wieder weniger wert sein. Gold haben oder nicht haben - es ist eine Glaubens- und Vertrauensfrage.

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