Krebsgefahr des Bayer-Unkrautvernichters Hat Glyphosat eine Zukunft?

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Der glyphosathaltige Unkrautvernichter Roundup gilt als bei einem Dauer-Einsatz krebserregend für Bauern. Warum wird er weiterhin so massiv auf Felder gesprüht?

Ein amerikanischer Farmer hatte 25 Jahre lang den glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup der heutigen Bayer-Tocher Monsanto verwendet. Nach einer Lymphdrüsenkrebserkrankung verklagte er Monsanto auf Schadenersatz. Ein Gericht in San Francisco urteilte, dass Roundup seine Krebserkrankung mitverschuldet hat.

Fragen an Werner Eckert, SWR-Umweltredaktion

Eine Demonstration gegen deas Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat (Foto: Imago, imago/Steinach)
Auch in Deutschland halten Umweltschüzter Glyphosat für gefährlich. Imago imago/Steinach

Was bedeutet das Urteil jetzt für die Zukunft von Roundup und anderen Glyphosat-Mitteln?

Es bedeutet, dass die Hersteller dieser Mittel unter einem erheblichen Risiko leben. Es können Milliardenschwere Schadenersatz-Forderungen auf sie zukommen. Die Bayer-Aktie hat seit der Fusion mit Monsanto um ein Drittel an Wert verloren. Das Urteil von San Francisco ist allerdings nicht final – es ist eine Zwischenentscheidung. Aber der Fall von Edwin Hardeman ist ein sogenannter Bellwether Case – übersetzt ein „Leithammel-Fall“. Er gibt die Richtung vor, an dem sich 11.000 andere Fälle orientieren werden. Das macht dieses Urteil so wichtig und riskant für Bayer.

Das Werk der Bayer AG im Chemiepark in Leverkusen, fotografiert von Köln-Merkenich (Nordrhein-Westfalen) aus. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Oliver Berg/dpa)
Bayer hat die Übernahme von Monsanto bislang mehr geschadet als genutzt. picture alliance/Oliver Berg/dpa

Das Gericht in San Francisco ist überzeugt, dass Glyphosat dazu beiträgt, dass Menschen Krebs bekommen. Ist das überhaupt zweifelsfrei nachgewiesen?

Nein, das ist nicht nachgewiesen. Die Gerichtsentscheidung ist auch keine wissenschaftliche Analyse, sondern da hat eine Jury - also ein Geschworenengericht mit Laien – ein Urteil gefällt. Es ist aber gar nicht so strittig in der Wissenschaft, dass Glyphosat bei Anwendern, die das selbst über Jahre eingesetzt haben – also nicht für Verbraucher sondern für Anwender – ein Problem darstellen kann. Es gibt ernstzunehmende Hinweise darauf, dass dieser spezielle Krebs, ein Lymphdrüsenkrebs, tatsächlich durch Glyphosat entstehen könnte. Insofern ist dieses aktuelle Gerichtsurteil nicht so überraschend. Es sagt aber nichts darüber aus, ob Glyphosat für den Verbraucher ein Problem darstellt. Damit meine ich den Endverbraucher, der Kartoffeln und Getreide-Produkte verspeist, die mit Glyphosat behandelt worden sind.

Falls Glyphosat Krebs auslöst bei Anwendern – also bei Farmern, die tagelang in diesen Chemiewolken rumlaufen. Dann müssten Bauern doch im eigenen Interesse das Zeug im Kanister lassen. Warum sind so viele Bauern immer noch für Glyphosat?

Also zum einen wissen wir alle, dass wir dazu neigen zu sagen: Ich lebe doch noch – also kann es nicht gefährlich sein. Das ist ein Muster, das viele Raucher an den Tag legen – und das ist exakt das gleiche Muster bei den Bauern. Zweitens hat Glyphosat aus Sicht der modernen Großlandwirtschaft viele Vorteile, zum Beispiel spart es Arbeitszeit ein. Alles was man sonst tun könnte, erfordert mehr Zeit. Mit Glyphosat haben Bauern die Möglichkeit ihre Betriebe zu vergrößern, effizient zu arbeiten. Das sind einfach Dinge, die für Landwirte eine immense Bedeutung haben.

Felder werden in Lauffen bewässert. (Foto: SWR)
Bauern setzen bei ihrer Arbeit auf effiziente Mittel und Methoden, um Zeit zu sparen.

Gibt es denn kein anderes Mittel mit dem sich Glyphosat ersetzen ließe?

Es gibt Strategien, mit denen man Glyphosat ersetzen könnte. Aber ohne weiteres können Bauern ein solches Totalherbizid, das so wirksam ist wie Glyphosat nicht ersetzen – vor allen Dingen nicht in den USA. Man muss sich vor Augen halten: Bei uns sind gentechnisch veränderte Sorten nicht im Anbau. Die wahre Effizienz kommt bei Glyphosat aber zum Ausdruck, wenn man parallel dazu gentechnisch veränderte Sorten anbaut, die mit Glyphosat im Dauer-Einsatz behandelt werden. In den USA, in Brasilien und in einigen anderen Ländern wird in immensem Umfang Glyphosat eingesetzt. Da spielt das Totalherbizid eine wesentlich größere Rolle als bei uns.

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