In einem Konferenzraum sitzen Beschäftigte eines Unternehmens. In der Mitte steht eine Frau, die ihren Kollegen etwas zeigt. (Foto: Colourbox)

Gleichberechtigung

Darum brauchen wir den Internationalen Frauentag

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Oft heißt es, unsere Gesellschaft mache keine Unterschiede zwischen Frauen und Männern mehr. Diese Fakten zeigen, wie weit wir von echter Gleichberechtigung entfernt sind.

Den Weltfrauentag gibt es seit über 100 Jahren. Die einen feiern ihn, die anderen finden ihn unnötig. Aber unsere Recherche weist nach: Es gibt noch viele Baustellen zwischen den Geschlechtern, die zu wenig beachtet werden.

Vor dem Gesetz sind Frauen und Männer gleich

In unserer Verfassung steht, Frauen und Männer seien gleichberechtigt. Im zweiten Absatz von Artikel 3 des Grundgesetzes heißt es:

"Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin."

Soweit die Theorie. Doch in der Praxis gibt es noch immer gravierende Unterschiede zwischen Frauen und Männern, zum Beispiel in der Arbeitswelt.

Der „Gender Pay Gap“ ist noch immer zu groß

Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Amts der Europäischen Union (Eurostat), liegt der Lohnunterscheid zwischen Männern und Frauen, der sogenannte "Gender Pay Gap", im EU-Durchschnitt bei 14,8 Prozent. Dabei steht Deutschland mit knapp 21 Prozent nach Estland mit 22,7 Prozent am schlechtesten da. Erkennbar ist auch, dass sich über die Jahre relativ wenig bewegt. Der Gesamtdurchschnitt der EU ist zwischen 2010 und 2018 um gerade einmal einen Prozentpunkt gesunken. Da ist also noch viel zu tun.

Bei der Bildung sind Frauen und Männer fast gleichauf

Den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts zufolge, verdient eine Frau demnach durchschnittlich 17,09 Euro pro Stunde. Ein Mann verdient 21,60 Euro. Ein geringerer Verdienst hat natürlich auch Auswirkungen auf die Rente. Wie in der Grafik zu sehen ist, haben Frauen im Alter nur etwa halb so viel Geld zur Verfügung wie Männer.

Statistik über Frauen in Deutschland. Die Unterschiede zwischen Frauen und Männer sind groß, vor allem beim Gehalt und der Absicherung im Alter. (Foto: Pressestelle, WSI-GenderDatenPortal 2018)
Junge Frauen sind mittlerweile besser qualifiziert als gleichaltrige Männer. Im Erwerbsleben und bei der Rente gibt es dagegen Nachholbedarf bei der Gleichstellung. (Quelle: WSI) Pressestelle WSI-GenderDatenPortal 2018

Lohn-Unterschiede zwischen Frauen und Männer haben diverse Gründe

Das wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hat dazu jüngst eine Studie veröffentlicht. Dort geht es unter anderem um Bildung, Verdienst und letztlich auch um die verfügbaren finanziellen Mittel im Alter.

Demnach hatten zuletzt jeweils 38 Prozent der Frauen und Männer Abitur oder Fachhochschulreife. Frauen haben häufiger einen Realschulabschluss, Männer dagegen haben häufiger einen Hauptschulabschluss.

Laut WSI gibt es Unterschiede bei der Erwerbstätigkeit. Zuletzt seien 80 Prozent der Männer erwerbstätig gewesen. Bei den Frauen waren es 72 Prozent. Die Situation hat sich in den vergangenen 30 Jahren gebessert: 1991 hatte die Erwerbstätigkeitsquote der Frauen bei lediglich 57 Prozent gelegen.

Aber auch, wenn nach den Zahlen des WSI heute fast genauso viele Frauen wie Männer erwerbstätig sind: Die Statistik erfasst nur die allgemein Erwerbstätigen, also auch die Mini-Jobber und Teilzeitbeschäftigte.

Bei der Vollzeitbeschäftigung sprechen die Zahlen eine andere Sprache. So gibt das "European Institute for Gender Equality" an, dass gerade einmal 41,8 Prozent der Frauen in Deutschland in Vollzeit arbeiten. Bei den Männern sind es 60 Prozent. Damit liegt Deutschland in etwa im EU-Durchschnitt. Länder wie Schweden sind Deutschland aber weit voraus. Als Spitzenreiter in der EU haben in Schweden 58,5 Prozent der Frauen und 66,4 Prozent der Männer einen Vollzeit-Job.

Teilzeit heißt auch weniger Rente

Die Tatsache, dass in Deutschland viermal so viele Frauen in Teilzeit arbeiten als Männer, führt zwangsläufig auch zu den im Durchschnitt niedrigeren Löhnen. Hinzu kommen Faktoren wie unbezahlte Arbeit, also die Pflege von Angehörigen oder die Kindererziehung. Dort sind die Frauen in Deutschland Vorreiter. Nach Angaben des WSI verbringen Frauen 45 Prozent ihres Arbeitslebens mit unbezahlter Arbeit. Bei den Männern sind es nur 28 Prozent.

Wenig überraschend ist deshalb auch, dass 62 Prozent aller Mini-Jobber Frauen sind und etwa ein Viertel der Frauen im Monat weniger als 2.000 Euro Brutto verdienen.

Auch bei der Berufswahl macht sich die gesellschaftliche Dominanz der Männer bemerkbar. So wählen Frauen häufiger schlechter bezahlte Berufe — wie beispielsweise in der Pflege oder im Gesundheitsbereich. Also Berufe, die im Volksmund auch als „typische Frauenberufe“ bezeichnet werden.

Schlecht bezahlte Jobs haben wie oben beschrieben zur Folge, dass auch die gesetzliche Rente schlechter ausfällt und insgesamt weniger Geld in eine private Altersvorsorge investiert werden kann.

Eine 83-jährige Frau hält verschiedene Euromünzen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/picture alliance / dpa)
Die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern beträgt aktuell 53 Prozent (2015). Zwischen 1992 und 2015 hat sich die geschlechterbezogene Rentenlücke verringert – von 69 auf 53 Prozent. (Quelle: WSI) picture alliance/picture alliance / dpa

Frauen in Führungspositionen

Doch nicht nur bei den Löhnen oder bei der Rente stehen Frauen schlechter da als Männer. Den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts zufolge ist nur etwa jede dritte Führungskraft eine Frau. Dazu zählt die Geschäftsführung kleinerer Unternehmen, die Bereichsleitung großer Unternehmen sowie leitende Positionen im Verwaltungsdienst.

Bundesfrauenministerin Franziska Giffey will gemeinsam mit Bundesjustizministerin Christine Lambrecht eine neue gesetzliche Frauenquote für staatliche Unternehmen einführen. Künftig sollen demnach die Vorstandsetagen zur Hälfte aus Frauen bestehen.

Zu den staatlichen Unternehmen gehören beispielsweise die Deutsche Bahn oder die Bundesdruckerei. Bei der Deutschen Bahn sind aktuell nur zwei von sieben Aufsichtsratsmitgliedern weiblich. Kritiker sagen jedoch, dass eine Quote, vor allem in privatwirtschaftlichen Unternehmen einen zu großen Einschnitt in der Entscheidungsfreiheit zur Folge hätte.

Doch Befürworter beharren auf eine gesetzliche Frauenquote, weil sich die Unternehmen sonst zu nachlässig um die Gleichstellung der Geschlechter kümmern würden. Das wird vor allem in den noch höheren Chefetagen deutlich. Nur 9,2 Prozent der Vorstandsmitglieder von börsennotierten Unternehmen in Deutschland sind Frauen. Das hat die Unternehmensberatung „EY“ in ihrem "Mixed Leadership-Barometer" im Januar 2020 veröffentlicht.

An einem Tisch sitzen 3 Männer und eine Frau. Sie halten unterlagen in der Hand und wirken sehr beschäftigt. (Foto: Colourbox)
In DAX-Unternehmen ist der Frauenanteil mit 14,7 Prozent am höchsten. In SDAX-Unternehmen mit 5,6 Prozent am niedrigsten (Quelle: EY Mixed Leadership-Barometer Januar 2020)

All das bezieht sich jedoch ausschließlich auf die Arbeitswelt. Doch die Frau ist nicht nur dort, sondern auch in vielen anderen Bereichen unterrepräsentiert, wie zum Beispiel in der Politik. Von den aktuell 709 Abgeordneten sind gerade einmal 221 weiblich. Damit liegt der Frauenanteil bei 31,2 Prozent, und ist im Vergleich zum vergangenen Bundestag sogar rückläufig.

Fazit: Es ist wichtig, dass wir jedes Jahr aufs Neue an die Rechte und die Gleichberechtigung der Frauen denken, es aber nicht nur bei dem einen Tag belassen. Denn so lange kein Umdenken in der Gesellschaft stattfindet, ist es wichtig, dass es Tage wie den Internationalen Frauentag gibt.

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