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SWR-Wirtschaftsredakteurin Petra Thiele (Foto: Dirk Bannert)

Bienenwachstücher sind ein Trend in der Küche. Sie sind wiederverwendbar und ersetzen Plastik wie Frischhaltefolie. Aber: Wie hygienisch sind sie? Dazu gibt es neue Erkenntnisse.

Bei Bienenwachstüchern besteht laut Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung die Gefahr, dass ungewollt Substanzen in die damit verpackten Lebensmittel übergehen können. Die Tücher seien deshalb nur für wenige Lebensmittel geeignet. Auch die Verbraucherzentralen haben schon länger Bedenken gegen die Verwendung von Bienenwachstüchern.

"Es ist viel Sorgfalt nötig ist, um schadstoffarme Bienenwachstücher als Verpackung für Lebensmittel selbst herzustellen. Da deren Einsatzzweck zudem sehr begrenzt ist, raten wir eher dazu, Mehrwegdosen - zum Beispiel aus Edelstahl - zu verwenden oder zu verschenken."

Verbraucherzentrale NRW, Dezember 2019

Für Obst und Gemüse sind Bienenwachstücher geeignet

Die mit Bienenwachs beschichteten Tücher sollten nicht mit fettigen Lebensmitteln wie etwa Gebäck, Kuchen oder Wurst und Käse in Kontakt kommen, informiert das Bundesinstitut für Risikobewertung. Grund: Es könnten dadurch Wachsbestandteile in das Lebensmittel übergehen. Das ist kritisch, weil das Wachs möglicherweise durch Mineralöle oder Pestizide verunreinigt sein kann. Denn Bienen sammeln teilweise Pestizide mit ein, wenn Pflanzen damit belastet sind.

Für die Verwendung bei Obst und Gemüse sind Wachstücher dagegen geeignet, meinen die Experten von der Bundesbehörde. Doch auch dabei sehen sie ein Problem: Auch pflanzliche Lebensmittel können in seltenen Fällen mit Infektionserregern belastet sein - und Wachstücher lassen sich nur oberflächlich feucht abwischen.

Problem: Keimübertragung

Da Bienenwachstücher nicht bei hohen Temperaturen gereinigt werden können, ist es kaum möglich, sie vollständig von Keimen zu befreien. Aus diesem Grund sollten die Tücher insbesondere nicht in Kontakt mit rohem Fleisch oder Fisch kommen, da die Keime bei Wiederverwendung auf andere Lebensmittel übertragen werden können.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist außerdem darauf hin, dass auch auf pflanzlichen Lebensmitteln Infektionserreger vorhanden sein können. Dort seien sie allerdings wesentlich seltener. Das Übertragungsrisiko sei daher bei pflanzlichen Lebensmitteln geringer, allerdings nicht vollständig auszuschließen, betonen die Experten.

Problem: Jojobaöl

Hergestellt werden die im Handel erhältlichen Bienenwachstücher meistens aus Stofftüchern, Bienenwachs und Öl. Beim Öl wird nach den Angaben der Bundesbehörde oft Jojobaöl verwendet, um die Geschmeidigkeit der Tücher zu erhöhen und dafür zu sorgen, dass das Bienenwachs nicht brüchig wird. Beim Kontakt mit fettigen Lebensmitteln sei ein Übergang des Jojobaöls aus den Wachstüchern auf das Essen sehr wahrscheinlich. Das Problem: Jojobaöl zeigt in Tierversuchen immer wieder toxische Wirkungen in Darmzellen, so das Bundesinstitut für Risikobewertung.

Problem: Bunte Stoffe

Bienenwachstücher sind auch wegen ihrer hübschen bunten Muster in den letzten Jahren populär geworden. Genau dieses Plus kann aber auch ihr Minus sein.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung antwortet auf die Frage, worauf man beim Kauf oder Selbermachen von Bienenwachstüchern achten sollte, wie folgt: "Bei den verwendeten Stofftüchern sollte es sich um Textilien handeln, die für den Lebensmittelkontakt geeignet sind. Ansonsten könnten zum Beispiel bei gefärbten Textilien Bestandteile der Druckfarben auf das Lebensmittel übergehen. Besonders kritisch wäre hierbei beispielsweise ein Übergang von primären aromatischen Aminen, die zum Teil als krebserzeugend eingestuft sind."

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