Mann hält sich die Hand ans Ohr (Foto: SWR, Colourbox - Stocky Images/Colourbox)

Knochenbrüche vermeiden

Stürze verhindern – gutes Sehen und Hören sind entscheidend

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AUTOR/IN
Corinna Klee

Schon ab 50 Jahren steigt das Risiko, vermehrt zu stürzen, deutlich an. Neben der allgemeinen Fitness ist es daher auch wichtig, die Seh- und Hörleistung regelmäßig zu testen.

Probleme beim Sehen und Hören können die Balance stark beeinträchtigen, Stürze dann schwere und langwierige Knochenbrüche zur Folge haben. Ob in der eigenen Wohnung, unterwegs oder bei den Beschäftigungen in der Freizeit – ein Unfall ist schnell passiert. Schon eine schlecht beleuchtete Treppe kann zum Verhängnis werden. In unserem Fallbeispiel waren bei der Patientin nach ihrem Sturz beide Handgelenke gebrochen.

Knochenbruch mit komplizierter Operation

Professor Ulrich Liener, Unfallchirurg am Marienhospital Stuttgart, erklärt, eine Operation sei bei einem gebrochenen Handgelenk nicht unbedingt notwendig - anders bei Frakturen an beiden Unterarmen. "Wenn eine bilaterale Verletzung vorliegt, dann entscheidet man sich eher zur Operation."

Bei der Operation wurden in diesem Fall spezielle Titan-Implantate eingesetzt, um die Brüche wieder korrekt auszurichten und zu stabilisieren. So kann die Patientin ihre Hände wenigstens vorsichtig benutzen. Schwer heben oder anstrengende Hausarbeiten sind aber verboten. Erst, wenn die Fäden gezogen werden, darf sie ihre Hände wieder voll belasten. Laut ihres Arztes wird der Sturz folgenlos ausheilen.

Gutes Sehen – der erste Schutz, um Stürze zu vermeiden

Bereits ab dem 50. Lebensjahr nimmt die Fähigkeit für Balance, Ausdauer, Muskelkraft und Beweglichkeit ab. Das Risiko zu stürzen, steigt. Auch das Sehen lässt im Alter mehr und mehr nach. Sind die Augen schlechter geworden oder wird die Stärke nicht regelmäßig überprüft und angepasst, lauern plötzlich überall Stolperfallen wie Teppichkanten, Stromkabel oder Stufen.

Professor Liener fragt seine Patienten daher auch nach dem letzten Besuch beim Augenarzt. Er weiß, dass beispielsweise der Beginn beim grauen Star und die Veränderungen beim Sehen selbst kaum festgestellt werden können. "Aber sie führen schon zu einer Sehverschlechterung und können dann zu einer Erhöhung der Sturzneigung führen."

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Gutes Hören – wichtig für eine gute Balance und Wahrnehmung

Fast noch wichtiger als das gute Sehen ist das gute Hören. Auch hier weiß Professor Liener, mit welchen Folgen zu rechnen ist. "Nur etwa 20 Prozent der Menschen, die eigentlich ein Hörgerät bräuchten, tragen tatsächlich eins. Und bei der Hörminderung ist es so, dass bereits in der Frühphase der Hörminderung eine Verschlechterung der Balance und eine Beeinträchtigung der Feinmotorik auftritt, und dass die Patienten bereits in der Frühphase dadurch deutlich sturzgefährdet sind."

Der Gleichgewichtssinn braucht ein gesundes Ohr

Im Ohr ist der Gleichgewichtssinn eng mit dem Hörsinn verbunden. Ist das Innenohr erkrankt, können gleichzeitig der Hör- und der Gleichgewichtssinn betroffen sein. Eine häufige Folge ist Schwindel - man gerät leichter aus dem Tritt und stürzt schneller.

Weitere Studien haben zudem gezeigt, dass Schwerhörigkeit im Alter einer der Risikofaktoren für das Entstehen einer Demenz ist. Möglicherweise, weil durch die starke Konzentration auf das Hören andere Hirnfunktionen vernachlässigt werden. An Demenz Erkrankte wiederum haben ein 20 Mal höheres Sturzrisiko.

Hör- und Sehtest beim Profi

Gutes Sehen und Hören kann Stürze verhindern – das belegen aktuelle wissenschaftliche Studien. Um festzustellen, wie gut das Hörvermögen ist, hilft ein Hörtest. Beim Ohrenarzt oder beim Hörgeräteakustiker werden die Testpersonen mit einem Kopfhörer und einem Drücker in der Hand ausgestattet. Die Patientin oder der Patient sollen möglichst schnell drücken, sobald sie oder er im Test einen leisen Ton hören können.

Für Viele ist das der erste Hörtest. Auch wenn sie zuvor bereits gemerkt haben, dass sie den Fernseher lauter stellen oder am Telefon nochmal nachfragen müssen. Werden etwa die hohen Töne nicht mehr so gut gehört wie die tiefen Töne, spricht der Ohrenarzt mit den Betroffenen über ein Hörgerät – nur damit lässt sich eine Hörminderung ausgleichen.

Je früher der Einstieg auf ein Hörgerät gelingt, umso besser, sagen Experten. Weil dann die Umstellung oder die Gewöhnung an das Hören mit einem Hörgerät deutlich leichter ist. Es braucht seine Zeit, bis sich Betroffene an die Nutzung des Geräts in unterschiedlichen Hörsituationen gewöhnt haben.

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Hör- und Sehtest online selbst machen

Wer noch nie einen Hörtest gemacht hat oder die Testsituation vor dem Arztbesuch erstmal ausprobieren möchte, für den hat Professor Liener einen Tipp: Verschiedene Internetseiten bieten erste Anhaltspunkte für die Kontrolle des guten Hörens. Auch Sehtests gibt es online.

So geht es bei einem der Hörtests etwa darum - trotz Musik im Konzertsaal – das gesprochene Wort zu verstehen. Professor Liener erklärt: "Da sehen Sie schon, was das eigentlich für eine kognitive Leistung ist das Hören. Man muss praktisch die Sprache von den Hintergrundgeräuschen trennen. Das zeigt eben, dass es nicht nur das Ohr allein ist, sondern eben auch das Gehirn."

Sobald sie diese Problematik erkennen, denken viele Patienten tatsächlich über ein Hörgerät nach - um Stürze und deren mögliche, weitreichende Folgen für die Gesundheit künftig zu vermeiden.

Tipp: Hier einige Internetseiten mit Seh- und Hörtests

Online Sehtest Kuratorium Gutes Sehen e.V.

Der Online Sehtest der Innungs-Augenoptiker

Zeiss Online-Seh-Check

Online Hörtest Verbund der Hörakustiker

Online Hörtest von Amplifon

Online Hörtest von Kind

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Corinna Klee