Knirscher aufgepasst

Der Kiefer als Ursache von Schmerzen: CMD erkennen und behandeln

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Britta Thein
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Nach dem Aufwachen schmerzt es von Kiefer bis Nacken? Eine Funktionsstörung des Kiefergelenks, auch craniomandibuläre Dysfunktion, könnte der Grund sein. Das hilft gegen den Schmerz.

Was ist eine craniomandibuläre Dysfunktion?

Mit einer craniomandibulären Dysfunktion (CMD) sind grundsätzlich Schmerzen rund um das Kiefergelenk und seine Muskulatur gemeint. Dabei können die Partien einzeln oder gemeinsam betroffen sein. Bei der Mehrheit der Patienten sind nur die Muskeln betroffen, bei wenigen nur die Gelenke.

Von Kopf- bis Rückenschmerzen: Die Symptome von CMD sind vielfältig

Laut Kieferspezialist Dr. Daniel Hellmann ist das klassische Symptom für eine behandlungsbedürftige CMD ein dumpf drückender Schmerz in der Kiefer-Gesichts-Region. Die Schmerzen treten in einer oder sogar in beiden Gesichtshälften auf. Im Endstadium haben Betroffene von CMD haben oft so starke Kieferschmerzen, dass sie weder richtig zubeißen noch ihren Mund weit öffnen können. Neben den Schmerzen im Kiefergelenk und der Kiefermuskulatur, die von Patienten häufig im Bereich des Ohrs verortet werden, können auch Kopf-, Zahn-, Nacken- und Rückenschmerzen als Folge der Kieferprobleme auftreten.

Das Phänomen des übertragenen Schmerzes

Auch ein diffuser Schmerz, häufig als rund um die Augen oder hinter den Augen wahrgenommen, kann die Folge einer Funktionsstörung des Kiefergelenks sein. Häufig bringen Betroffene solche Kopfschmerzen nicht direkt mit Kieferproblemen in Verbindung. Auch medizinische Fachleute tappen bei solch diffusen Schmerzen häufig eine Weile im Dunkeln. Die Leidenden waren deshalb oft schon bei mehreren Ärzten und sind verunsichert, wenn sie schlussendlich bei Kieferexperten wie Dr. Daniel Hellmann landen.

Stressbedingtes Zähneknirschen als Ursache von CMD

CMD kann diverse Ursachen haben. Häufig führt jedoch nächtliches Zähneknirschen, Bruxismus genannt, zu den Beschwerden. Denn wenn nachts die Zähne stark aufeinandergepresst werden, kann durch den Druck die Gelenkscheibe verrutschen. Dadurch werden dann Muskelschmerzen im Kiefer ausgelöst. Für das Knirschen und seine Folgen kann die Veranlagung eine Rolle spielen, Hormone, psychische Belastung, also ein hoher Mental Load, oder Stress. Auch das Geschlecht spielt eine Rolle: Viermal mehr Frauen leiden unter CMD als Männer.

Knirsche ich nachts mit den Zähnen?

Viele Menschen bemerken lange Zeit nicht, dass sie nachts mit den Kiefern malmen und mit den Zähnen knirschen. Diese Anzeichen zeigen Ihnen, dass sie nachts großen Druck mit ihrem Kiefer erzeugen:

  • Morgens spüren und sehen Sie Zahnabdrücke in den Wangen und am Rand der Zunge.
  • Der Druck verursacht Risse und kleine Absprengungen am Zahnschmelz, an der Zahnhartsubstanz, den Zahnhälsen und den Schneidekanten.
  • Die Zähne sind schmerzempfindlicher.
  • Die Kauflächen wirken glatter als früher.

Wenn Sie häufig unter diffusen Kopf- und Nackenschmerzen leiden, dann fragen Sie bei Ihrem nächsten Zahnarztbesuch nach, ob sich an Ihren Zähnen Anzeichen für das Knirschen zeigen.

CMD mit einer Schiene im Schlaf behandeln

Für viele Menschen ist sie Teil der Abendroutine geworden: Die Aufbisschiene für die Nacht. Wird sie regelmäßig getragen, kann sie die Kiefergelenke entlasten und die Muskulatur entspannen. Dr. Daniel Hellmann erklärt:

„[…] Die Schiene macht nichts anderes, als dass die Position des Kiefers auf der Schiene verändert wird. Dadurch kommt es dazu, dass sich völlig neue Funktionsmuster einstellen. Die Kiefergelenke stehen in einer anderen Position und die Muskeln müssen anders agieren, wenn das Kauorgan arbeitet.“

Physiotherapie als zusätzliche CMD-Behandlung

Neben einer Schiene wird Patienten oft auch eine spezielle Physiotherapie für den Kiefer verordnet. Um die Muskelspannung zu senken, werden dabei unter anderem die schmerzenden Stellen massiert. So sollen Verhärtungen gelöst und der Kiefer auf spezielle Übungen vorbereitet werden. In der Therapie bekommen die Patienten unauffällige Übungen für den Alltag gezeigt. Mit diesen können sie sich dann auch selbst helfen, wenn wieder Schmerzen auftreten. Das hat laut dem Physiotherapeuten Johannes Bessler auch einen positiven psychischen Effekt:

„Viele Patienten freuen sich, dass sie nicht nur passiv behandelt werden, sondern auch Übungen, Hausaufgaben, Werkzeuge an die Hand bekommen, mit denen sie sich selbst helfen können.“

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