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In Spülmaschinen-Tabs und -Pulvern steckt oft Benzotriazol. Das Gift ist schädlich für Wasserorganismen, reichert sich in Fischen an. Wir zeigen, welche Produkte es nicht enthalten.

Es ist giftig, völlig unsichtbar und in unserem Wasser: Benzotriazol (BTA). Die Chemikalie steckt in vielen Spülmaschinen-Reinigern. Und mit jedem Spülgang setzen wir sie dann frei. In Dreiviertel aller Haushalte werden Spülmaschinen-Tabs oder Pulver benutzt. Die Industrie verdient gut daran. Allein im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei knapp 800 Millionen Euro.

Was steckt in Geschirr-Reinigern eigentlich drin?

Mit der Liste der Inhaltsstoffe auf der Verpackung können Verbraucher meist wenig anfangen - Polycarboxylate, nichtionische Tenside, Phosphate, Polycarbonate, Enzyme und Duftstoffe. Ein Inhaltsstoff aber wird nicht auf diesen Verpackungen angegeben: Manche Geschirr-Reiniger enthalten Benzotriazol (BTA).

Auf einem Tisch stehen verschiedene Geschirrreinigerprodukte, im Hintergrund ist das Marktcheck-Logo zu sehen. (Foto: SWR)
Zahlreiche Geschirrreiniger enthalten das giftige Benzotriazol.

Hersteller: „Kein Risiko“ durch Benzotriazol

Benzotriazol (BTA) wird in Geschirr-Reinigern als Korrosionsschutzmittel eingesetzt. Es soll Silberbesteck vor Lochfraß schützen und unschöne Flecken verhindern. Auf Anfrage teilt uns der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) mit: „Nach Kenntnis des IKW stellt der Einsatz von Benzotriazol in Maschinengeschirrspülmitteln kein Risiko für die Umwelt oder die menschliche Gesundheit dar.“ Quelle: Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e. V.

Umweltexperten: Benzotriazol reichert sich in der Umwelt an

Doch viele Experten sehen das anders, so auch das Umweltbundesamt (UBA). Marcus Gast ist dort zuständig für „Wassergefährdende Stoffe“ und hat einige Studien zum Thema BTA ausgewertet. „Das Hauptproblem beim Benzotriazol ist, dass es persistent ist. Das heißt, er reichert sich immer mehr in der Umwelt an, und er ist giftig für Fische, für Krebstiere. Und so kann langfristig eine Gefahr für die Umwelt entstehen.“

Wie belastet sind unsere Gewässer bereits mit BTA?

Daran forscht Andreas Fath von der Hochschule Furtwangen bereits seit Jahren. 2014 durchschwimmt der Wissenschaftler den Rhein von der Quelle bis zur Mündung, eine Strecke von knapp tausend Flusskilometern. Der Chemieprofessor nimmt dabei immer wieder Wasserproben und lässt sie im Labor auf Industriechemikalien wie BTA untersuchen. Zum Ergebnis sagt Andreas Fath: „Benzotriazol war einer der Stoffe, die in der stärksten Konzentration gefunden wurden im Rhein - neben Süßstoffen natürlich, die wir freisetzen. Und mich hat überrascht, wenn ich das aufsummiere, dass es doch über 40 Tonnen sind, die in die Nordsee gelangen."

Dazu kommt: Benzotriazol haftet besonders gut an Oberflächen. Andreas Fath weiß: „Das tut er ja auch in der Spülmaschine, an den Metallwänden, an Besteck und schützt so vor Korrosion. Im Fluss bleibt es auch hängen, zum Beispiel an Schwebstoffen. Wir haben neuerdings eine andere Qualität an Schwebstoffen, wie Mikroplastik, in unseren Gewässern. Das ist beispielsweise Benzotriazol, was sich an einen Mikroplastikpartikel anlagert. Erst eins dann zwei, dann am Ende viele. Dann werden die aufgenommen von Wasserlebewesen, die wir am Ende des Tages als Meeresfrüchte zu uns nehmen.“

Einen Grenzwert für BTA in Flüssen und Seen gibt es nicht, nur einen Richtwert. Der liegt bei 100 Nanogramm Benzotriazol pro Liter Wasser. Bereits 2014 hat Andreas Fath in Kehl, Karlsruhe und Mannheim höhere Werte festgestellt.

Aktuelle Untersuchung von Wasserproben: Belastung unverändert hoch

Wie aber sieht es heute aus, sechs Jahre nach seinen ersten Messungen? Findet sich die gefährliche Chemikalie noch immer in unserem Wasser? Für Marktcheck nimmt der Wissenschaftler erneut Proben an den gleichen Stellen. Am Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe lassen wir sie untersuchen, um herausfinden, ob das Rhein-Wasser sauberer geworden ist.

Zu den Ergebnissen der Wasserproben erklärt Andreas Fath: „Man kann eigentlich sagen, dass die Werte von 2014 mit den aktuellen Werten vergleichbar sind und dass es keine signifikante Änderung gibt in der Konzentration. Trotz einiger weniger Kläranlagen, die eine vierte Behandlungsstufe installiert haben, wie in Lahr oder Mannheim, liegen wir immer noch bei den gleichen Werten, die immer noch den Richtwert überschreiten.“

Messung Benzotriazol: Im Labor stehen drei Wasserproben, die an unterschiedlichen Stellen im Rhein entnommen wurden. (Foto: SWR)
Auch sechs Jahre nach der ersten Messung übersteigen die Werte im Rhein den Richtwert für Benzotriazol.

Benzotriazol reichert sich in Wasserlebewesen an

Das Klärwerk in Mannheim: Auch hier ist man besorgt, dass durch Spülmaschinenreiniger immerzu neues BTA ins Abwasser und danach in Flüsse und Seen gelangt. Dort wird es von Wasserlebewesen wie Fischen aufgenommen und wirkt hormonell, wie Untersuchungen nachgewiesen haben.

Alexander Mauritz von der Stadtentwässerung Mannheim sagt: „Wir haben ein Fischmonitoring gemacht, wo wir nachweisen konnten, dass sich in männlichen Fischen weibliche Substanzen deutlich erhöht haben. Das würde, wenn man nichts macht, zu einer Verweiblichung von Fischen führen und eine Verweiblichung würde bedeuten, dass sich Fische nicht mehr vermehren können.“

Auch vierte Klärstufe kann nicht alle Giftstoffe herausfiltern

Deshalb setzt das Klärwerk seit ein paar Jahren auf Aktivkohle-Filter, derzeit modernste Klärtechnologie. Nach den sonst gängigen drei Reinigungsstufen folgt hier noch eine Behandlung mit Aktivkohle. Doch diese vierte Klärstufe haben nur wenige Anlagen. Und selbst diese teure Technik kann im Schnitt gerade mal gut 80 Prozent des Benzotriazols herausfiltern.

Unternehmen bleiben bei Benzotriazol

Trotz der wissenschaftlichen Erkenntnisse halten viele Hersteller am BTA in Geschirrspülreinigern fest. Wir fragen bei den Anbietern nach:

  • dm antwortet: „Das Weglassen dieses Stoffes würde die Formulierung und Leistung des Produkts negativ beeinflussen.“ Quelle: dm-drogerie markt GmbH + Co. KG.
  • Kaufland erläutert: „Dies betrifft nicht nur das Besteck und Geschirr, sondern auch die Innenwände und Metallteile der Spülmaschine.“ Quelle: Kaufland Stiftung & Co. KG
  • Rossmann schreibt uns: „Alternative Rohstoffe sind aktuell kaum verfügbar.“ Quelle: Dirk Rossmann GmbH

Reinigen Produkte ohne BTA schlechter und wird Silberbesteck dadurch angegriffen?

Stiftung Warentest hat kürzlich verschiedene Spülmaschinen-Tabs und -pulver unter die Lupe genommen. Ihr Ergebnis: Die Reinigungsleistung des Geschirrs ist bei einigen Produkten ohne Benzotriazol ebenfalls sehr gut. Und nach rund 10.000 Spülstunden wurden auch Silber-Oberflächen nicht beschädigt.

Auf einer grünen Platte liegen zwei Bestecksätze im Vergleich nebeneinander. (Foto: SWR)
Auf die Spülleistung hat Benzotriazol keinen großen Einfluss.

So lässt sich Benzotriazol vermeiden

Wichtig für Verbraucher: Deklariert werden muss BTA auf den Verpackungen nicht. Wer auf Produkte mit dem Stoff verzichten will, muss oft zuerst recherchieren. Marcus Gast vom Umweltbundesamt erklärt, wie das funktioniert: „Man geht auf die Internetseite der Hersteller. Sie haben die Verpflichtung, alle Inhaltsstoffe eines Wasch- und Reinigungsmittels aufzulisten und im Internet zu benennen. Das ist allerdings nur für den chemie-interessierten Laien ein Weg. Der einfache Weg ist, man verwendet Produkte mit dem 'Blauen Engel' oder dem 'EU-Ecolabel'. Bei denen ist der Einsatz von Benzotriazol automatisch verboten, und da kann man sicher sein, dass keins drin ist.“

So kann jeder Verbraucher beim Kauf mitentscheiden, wie viel Benzotriazol künftig in unser Wasser gelangt. Zum Zeitpunkt unserer Recherche waren zum Beispiel folgende drei Geschirrreiniger mit dem "Blauen Engel" ausgezeichnet: Denk-mit Geschirrreiniger-Tabs Nature, Somat All in One-Tabs Pro Nature und Domol Eco Geschirrreiniger-Tabs.

Auf einem Küchentisch stehen ökologische Geschirreiniger, die mit dem Siegel "Blauer Engel" ausgezeichnet sind. Im Hintergrund erkennt man eine Spülmaschine. (Foto: SWR)
Geschirrreiniger, die mit dem Siegel "Blauer Engel" ausgezeichnet sind, dürfen kein Benzotriazol enthalten.

Umweltfreundliche Maschinengeschirrspülmittel finden

Seit 2019 erfasst die Stiftung Warentest auch Benzotriazol in ihren Tests für Geschirrreiniger. Nur ein Hersteller war in drei Tests 2019 und 2020 sowohl umweltfreundlich - also ohne BTA - und hatte gleichzeitig gute Reinigungsergebnisse: die österreichischen Classic- und Multi-Tabs von „Claro“. Sie sind allerdings in Deutschland im Handel nur schwer erhältlich, aber im Internet bestellbar. Umweltfreundliche Produkte oder Markenhersteller mit guten Ergebnissen für die Umwelt schneiden bei Stiftung Warentest bei der Reinigungsleistung dagegen oft schlecht ab.

Die Hersteller ändern ihre Rezepturen immer wieder. Nach und nach verzichten manche auch auf Benzotriazol. Gerade hat Aldi gegenüber Marktcheck bestätigt, Benzotriazol in seinem Geschirrreiniger nicht mehr zu verwenden. Wenn Sie sich selbst aktuell über geprüfte, umweltfreundliche Maschinengeschirrspülmittel informieren möchten, werden Sie auf folgenden Internetseiten fündig:

Blauer Engel: Umweltfreundliches Maschinengeschirrspülmittel

EU-Ecolabel: Für Verbraucher - Produktwelten: Maschinengeschirrspülmittel (Ergebnisliste siehe unten)

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