Altersvorsorge für jüngere und ältere Sparer

Niedrige Zinsen und Inflation - welche Geldanlage lohnt sich trotzdem?

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Niedrigzinsen und hohe Inflation fressen Sparguthaben langsam auf. Wie gut beraten Banken ihre Kunden in dieser Situation für die Altersvorsorge? Wo kann man sein Geld gewinnbringend anlegen?

Inhalt:

Altersvorsorge: Was bringt Beratung bei Volksbank, Sparkasse und Postbank?
Warum private Rentenversicherungen für jüngere Sparer nicht geeignet sind
Wie können Jüngere Geld für Ihre Altersvorsorge besser anlegen?
Wie finde ich mich im ETF-Dschungel zurecht?
Aktien und ETFs - die Risiken
Nur wenige Jahre bis zur Rente: Wie kann ich erfolgreich investieren?

Wer momentan Geld für später anlegen möchte, hat es nicht leicht. Das Ersparte wird durch die steigende Teuerungsrate immer weniger wert. Schon länger ein Problem bei der Investition in die Zukunft sind die niedrigen Zinsen. Wie gut Banken und Sparkassen ihre Kunden in dieser Situation beraten, hat Marktcheck in mehreren Stichproben getestet. Welche Möglichkeiten es gibt, trotz allem gewinnbringend vorzusorgen, dafür gibt es Tipps von Marktcheck-Finanzexpertin Barbara Sternberger-Frey. 

Altersvorsorge: Was bringt Beratung bei Volksbank, Sparkasse und Postbank?

Unser Reporter will mit einer größeren Einmalanlage für seine Rente in 30 Jahren vorsorgen. In Stichproben bei mehreren Banken werden ihm ausschließlich private Rentenversicherungen empfohlen. Mal trägt er das alleinige Anlagerisiko, mal übernimmt der Versicherer einen Teil davon. Die Kosten sind, auf die Laufzeit gerechnet, in jedem Fall viel zu hoch. Auf die individuelle Situation des Kunden wird kaum eingegangen. Auch bei der Ermittlung der Versorgungslücke wird oft abenteuerlich gerechnet.  

Als Laie ist es fast nicht zu schaffen, bei den komplizierten Anlageprodukten der Filialbanken durchzublicken. Ohne tiefgreifende Produktkenntnisse und zusätzliche Rechner haben Bankkundinnen und Bankkunden keine Chance zu verstehen, was für ein Produkt Ihnen angeboten wird, welche Kosten drinstecken, welche Chancen und Risiken.

„Das Ergebnis unseres Tests finde ich erschreckend. Anhand der Unterlagen hat der Kunde so gut wie keine Chance, die Produkte wirklich zu verstehen, die Chancen und Risiken sowie die Kosten zu erkennen und zu prüfen, ob sich die Kaufempfehlung für ihn wirklich lohnt“, sagt die Marktcheck-Finanzexpertin Barbara Sternberger-Frey. „Ich würde jedem Verbraucher daher raten, nach einem solchen Gespräch mit den Produktunterlagen zu einer Verbraucherzentrale zu gehen und sich die Produkte  dort erläutern  zu lassen, ob prüfen zu lassen, ob es im individuellen Fall wirklich passt.“

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Warum private Rentenversicherungen für jüngere Sparer nicht geeignet sind

Fondsgebundene Renteversicherungen sind generell sehr teuer, weil einerseits der Versicherer, andererseits aber auch die Fondsgesellschaft daran verdienen will. Doch auch bei klassischen Rentenversicherungen summiert sich die Summe aus Abschluss und Verwaltungskosten sowie Biometriekosten, die dadurch entstehen, weil für den Rentenbezug große Puffer im Hinblick auf die Lebenserwartung eingerechnet sind. Vor allem für jüngere Sparer lohnt das meist nicht. Anbieter von privaten Rentenversicherungen argumentieren zudem oft, ein Versicherungsprodukt wäre steuergünstiger. Das stimmt teilweise, hängt aber auch davon ab, ob der Vertrag wirklich bis Rentenbeginn durchgehalten wird und welche Auszahlvariante der Sparer wählt. Unterm Strich gibt es vielleicht einen  Steuervorteil beim Ansparen, das gleicht die hohe Kostenbelastung der Verträge aber selten aus.

Fazit: Fondspolicen und private Rentenversicherungen sind wenig sinnvoll für einen Vorsorgesparer, der noch 30 Jahre Zeit hat bis zur Rente und mit  der gesetzlichen und einer betrieblichen Rente schon eine gut Versorgungsbasis hat.

Hinzu kommt: Unter der neuen Bundesregierung soll der Sparerpauschbetrag angehoben werden. Der Staat will also Bürgerinnen und Bürger bei der privaten Vorsorge künftig stärker unterstützen.

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Wie können Jüngere Geld für Ihre Altersvorsorge besser anlegen?

Wer neben der gesetzlichen Rente und vielleicht einer betrieblichen Rente noch etwas tun will, um die Rentenlücke zu schließen, kann zum Beispiel mit einem monatlichen Sparplan kostengünstig in breit gestreute Aktien-ETFs Geld anlegen. Das bieten die Banken in der Regel aber nicht an, weil sie daran nichts verdienen. Auf diesem Weg wird bis zum Renteneintritt erstmal Geld angespart. Es reicht, sich später mit 67 Jahren einen Anbieter zu suchen, der das angesparte Kapital dann verrentet, also daraus eine monatliche Rente auszahlt.

Wer bereit ist, etwas Zeit und Mühe zu investieren, kann sich auch seinen persönlichen Entnahmeplan für das Alter zusammenstellen. Da gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. Bei der so genannten Etappenstrategie wird zum Beispiel ein Drittel vom Angesparten in einen Auszahlplan für 10 Jahre umgeschichtet, der dann die Rente ergänzt. Der Rest vom Kapital bleibt in den Fonds. Bei einer Nettorendite von 4 Prozent pro Jahr ist das aufgebrauchte Kapital nach 10 Jahren dann durch Erträge wieder aufgefüllt – und die nächste Etappe mit Auszahlplan und Restkapital an der Börse kann beginnen. So reicht das Geld noch für die Enkel und Urenkel.

Es gibt unzählige ETFs: Wie finde ich mich im ETF-Dschungel zurecht?

ETF steht für Exchange Traded Funds, auf Deutsch: Börsengehandelter Indexfonds. Ein klassischer ETF bildet einen bereits bestehenden Aktienindex nach.

Grundsätzlich gilt: Empfehlenswert für einen Altervorsorgesparplan sind nur ETFs auf gängige, marktbreite Börsenindizes, die auch bekannt sind - und nicht auf unbekannte, von den Anbietern selbst zusammengestellte Indizes. Als Basisanlage für einen solchen langfristigen Sparplan eignen sich vor allem ETFs auf den MSCI World. Das ist ein Index, der die nach Börsenwert weltweit größten Unternehmen der Industriestaaten der Welt bündelt. Damit wird das Risiko breit gestreut.

Darüber hinaus können sich Sparende überlegen, ob zum Beispiel noch ein ETF dazukommen sollte, der auch Entwicklungsländer oder Rohstoffe enthält, je nach persönlichem Schwerpunkt kann man auch schauen, ob dabei das Thema Nachhaltigkeit/Klimaschutz berücksichtigt werden soll.

Wonach wähle ich einen ETF aus?

Auch bei ETFs gibt es aber Unterschiede bei den Kosten: Auswahlkriterium sind daher unter anderem fondsinterne Gebühren, An- und Verkaufskosten und natürlich auch die  Depotgebühren. Wichtig sind auch die Handelbarkeit und Liquidität. ETFs, die auch institutionelle Anleger kaufen, sind meist liquide und kostengünstig.

Wer eine ETF-Anlage wählt, muss sich allerdings entweder selbst schlau machen durch Recherche oder sich bei der Verbraucherzentrale beraten lassen. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg beispielsweise bietet unkompliziert sogar Onlineseminare auf ihrer Internetseite dazu an.

Auch beim unabhängigen Verbraucherportal Finanztip oder bei der Zeitschrift Finanztest gibt es umfangreiche Informationen zum Thema ETFs und Fondsparpläne.

Aktien und ETFs - die Risiken: Ist mein Geld bis zum Renteneintritt sicher?

Generell sollten Verbraucherinnen und Verbraucher nie alle Ersparnisse in Aktien stecken. Man benötigt immer einen Renditebaustein und einen Sicherheitsbaustein. Als Sicherheitsbaustein kann man sein Geld in Staatsanleihen oder auf ein Tagesgeldkonto legen. Das ist sicher, bringt aber wenig Rendite.

Als zweites entscheidet man über den Renditebaustein – das könnten zum Beispiel Aktien-ETFs oder auch kostengünstige aktiv gemanagte Aktienfonds sein. Eine solche Anlage unterliegt zwar zeitweilig auch hohen Schwankungen, doch je länger die Anlagedauer desto mehr nivellieren sich die Risiken. Wer 30 Jahre lang breit gestreut in Aktien investiert, für den ist ein Verlust am Ende so gut wie ausgeschlossen – wie die Wissenschaft belegt. Wie die Sparer ihr Geld auf diese beiden Bausteine aufteilen - 50:50 gewichtet oder in einem anderen Verhältnis - das hängt von der persönlichen Risikotoleranz ab.

Nur wenige Jahre bis zur Rente: Wie kann ich erfolgreich investieren?

Anleger über 50 Jahre sollten prüfen, ob es sich nicht lohnt, die gesetzliche Rente aufzustocken. Das geht für gesetzlich Pflichtversicherte üblicherweise nicht. Denn man darf nicht zusätzlich in die Rentenkasse einzahlen. Seit Mitte 2017 bietet die gesetzliche Rentenversicherung - die Deutsche Rentenversicherung (DRV) – aber eine Lösung an, die genau diesen Effekt bringen kann. Denn wer der DRV mitteilt, er plane, eventuell vorzeitig in Rente zu gehen, kann die damit verbundenen Rentenabschläge zurückzukaufen, also Rentenpunkte mit Geld zu kaufen. Wie viel das im Einzelfall kostet, rechnet die DRV auf entsprechenden Antrag hin aus. Anschließend haben die Antragssteller drei Monate Zeit, zu überlegen, ob sie das Angebot annehmen.

Das Geld kann wahlweise in einer Summe oder in mehreren Raten an die DRV überwiesen werden. Letzteres hat zusätzlich noch den Steuervorteil, dass die Beiträge als Vorsorgeaufwand jährlich bei der Steuer abgesetzt werden können. Vorzeitig in Rente gehen muss man trotzdem nicht.  Wer bis zum regulären Rentenbeginn weiter arbeitet, für den  bessert sich durch die Einzahlungen die Rente auf.

Diese Form der Vorsorge ist für Ältere momentan, von der Rendite her betrachtet, die attraktivste Form der Altersvorsorge.

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