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Immer mehr Branchen springen auf den Zug auf, bieten Adventskalender etwa mit Kosmetik oder Alkohol für Erwachsene an. Was bekommt man für sein Geld? Wir öffnen die Türchen jetzt schon.

Ob Pralinen, Tee oder Pflegeprodukte: Fertig befüllte Adventskalender locken mit bunten Verpackungen und werden oft als Sparangebote beworben. Können Verbraucher beim Kauf eines Kalenders tatsächlich sparen? Und wie viel Verpackungsmüll fällt an?

Verkaufsförderung mit Adventskalendern

Betrachtet man das Angebot an fertigen Kalendern, fällt auf, dass es in diesem Jahr eine beachtliche Anzahl an Produkten exklusiv für Männer gibt. Was verbirgt sich dahinter? Handelsexperte Andreas Kaapke von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg weiß was dahintersteckt: „Männer sind insgesamt ein unausgeschöpftes Potential. Sie gehen im Schnitt nicht ganz so gerne einkaufen wie Frauen. Über das Vehikel Adventskalender bringt man Männer an Produkte heran. Das wirkt wie eine indirekte Verkaufsförderungsmaßnahme. Der Mann erlebt etwas Positives, speichert das ab und man hat später vielleicht die Chance, dass er es regulär kauft.“

Warenwert im Adventskalender höher als Verkaufspreis?

Um diesen Effekt zu nutzen, lassen sich die Unternehmen einiges einfallen. Können Verbraucher davon profitieren? Für unseren Test untersuchen wir den Adventskalender „Für ihn“ von L’Oreal. Der Hersteller gibt an, dass darin Produkte mit einem Wert von mehr als 300 Euro enthalten sind. Der Kalender selbst kostet nur 75 Euro. Sollte die Werbung Recht haben, würde sich der Kalender durchaus lohnen.

Marktcheck rechnet nach: Nimmt man die Verkaufspreise der enthaltenen Produkte als Berechnungsgrundlage, kommt man auf einen Warenwert von rund 200 Euro. Im Vergleich zu den angepriesenen 300 Euro ist der Wert deutlich niedriger. Wir fragen nach. Schriftlich antwortet Kalenderhersteller LÒreal: „Grundsätzlich basiert der auf dem Kalender angegebene Wert auf unseren unverbindlichen Preisempfehlungen und ist eine Mischkalkulation aus höherpreisigen und preiswerteren Produkten, die teilweise kostenlos für den Verbraucher sind.“

Preis für Kalender bis zu fünf Mal höher als reguläres Produkt

In manchen Fällen ist eine Ersparnis zwar möglich, allerdings gilt das nicht für alle Adventskalender. Gerade bei Kalendern mit Süßigkeiten hinter den Türchen zahlen Verbraucher teilweise einen deutlich höheren Preis für die hübsch verpackten Naschereien. Ein Preisvergleich zwischen den regulär abgepackten Süßigkeiten und dem weihnachtlich gestalteten Kalender lohnt sich deshalb immer.

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Auch Tee-Adventskalender können einen deutlich höheren Preis haben. Der Teekanne-Kalender enthält 25 Teebeutel und kostet stolze 15 Euro. Der Inhalt: ein Sortiment bekannter Sorten des Herstellers. Wir rechnen den Preis der einzelnen Beutel aus und zählen zusammen. Dabei kommen wir auf weniger als 3 Euro. Damit ist der Preis des Kalenders um ein Fünffaches höher.

Der Hersteller rechtfertigt den großen Preisunterschied uns gegenüber schriftlich: „Handkonfektionierte Teekanne Tee-Adventskalender sind nicht mit industriell abgepackten, preislich attraktiven Verbraucherpackungen im Lebensmittelhandel zu vergleichen.“

Doppelt und dreifach verpackt: viel Müll - und umweltfreundliche Alternativen

Einzel verpackte Produkte, ein Plastikskelett, das den Inhalt an Ort und Stelle hält, der beschichtete Karton und zum Schluss wird alles nochmal eingeschweißt: Wer zu gekauften Adventskalendern greift, kauft dabei in der Regel auch eine große Menge Verpackungsmüll. Außerdem enthalten die Kalender oft Pröbchen oder kleine Größen, bei denen verhältnismäßig viel Verpackung für wenig Produkt anfällt.

Um zumindest bei der Kalender-Verpackung Ressourcen zu schonen, gehen einige Hersteller neue Wege. Das Unternehmen Govinda fertigt den verwendeten Karton zu 30 Prozent aus Gras. Winfried Bulach vom Deutschen Ökoinstitut sieht darin einen Schritt in die richtige Richtung: „Das ist im Verhältnis eine gute Sache, weil in der Herstellung von Graskarton deutlich weniger Wasser und Energie gebraucht wird. Für Zellstoff muss man dagegen das Holz aufreinigen und den Zellstoff separat abtrennen. Das ist sehr aufwändig, verglichen mit der Herstellung von Graskarton.“

Kalender selbst befüllen spart Geld und Verpackung

Die nachhaltigste Alternative sind selbstbefüllte Kalender aus kleinen Säckchen, alten Socken oder leeren Gläsern. Wer wiederverwendbare Kalender nutzt, spart eine Menge Verpackungsmüll. Außerdem ist es gerade bei Süßigkeiten meist viel günstiger, die Produkte in der üblichen Verpackung zu kaufen und dann als Kalender zu verschenken. Ob Schokolade, Seife, Gewürze oder einfach persönliche Nachrichten - inhaltlich sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Dadurch entsteht ein individueller Kalender, über den sich die beschenkte Person mindestens genauso freut wie über ein fertiges Produkt.

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