Rötelmaus sitzt vor einer Baumwurzel (Foto: Imago, imago/blickwinkel)

Gefahr beim Joggen und Radfahren Hantavirus-Welle im Südwesten

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Immer mehr Menschen stecken sich aktuell mit dem Hantavirus an. Der Virus wird durch den Kot der Rötelmaus übertragen. Was dahinter steckt und wie Sie sich schützen können.

Dauer

Dieses Jahr haben sich bereits mehr Menschen mit dem Hantavirus angesteckt als im gesamten Jahr 2018. Besonders in Baden-Württemberg gibt es viele Fälle. Bislang wurden beim Landesgesundheitsamt des Bundeslandes 200 Infektionen gemeldet – Tendenz aktuell stark steigend.
Im vergangenen Jahr gab es im gleichen Zeitraum nur zwölf Fälle. Allein die Stadt Stuttgart hat schon 42 Erkrankte gemeldet. Im Saarland gibt es aktuell keine Fälle und in Rheinland-Pfalz sind es dieses Jahr sechs.

Rötelmäuse als Virusüberträger So viele Hantavirs-Neuinfektionen gibt es 2019

Grafik: Hantavirus-Neuinfektionen in Baden-Württemberg in 2019 (Foto: SWR)
Dieses Jahr haben sich bereits mehr Menschen mit dem Hantavirus angesteckt als im gesamten Jahr 2018. Bild in Detailansicht öffnen
Besonders in Baden-Württemberg gibt es viele Fälle. Bislang wurden beim Landesgesundheitsamt des Bundeslandes 200 Infektionen gemeldet – Tendenz aktuell stark steigend. Im vergangenen Jahr gab es im gleichen Zeitraum nur zwölf Fälle. Allein die Stadt Stuttgart hat schon 42 Erkrankte gemeldet. Bild in Detailansicht öffnen
Im Saarland gibt es aktuell keine Fälle und in Rheinland-Pfalz sind es dieses Jahr sechs. Bild in Detailansicht öffnen

Hier finden Sie eine aktuelle Hanta-Vorhersagekarte für Baden-Württemberg.

Hanta-Virus wird durch Rötelmäuse übertragen

Der Virus wird durch Rötelmäuse übertragen. Sie sind kleiner als Hausmäuse, haben ein fuchsrotes Fell, einen grauen oder weißen Bauch und längere, schwarze Haare am Schwanz. Die auch Waldwühlmäuse genannten Nager leben vor allem in Wäldern mit Buchen und Eichen. Im vergangenen Jahr haben die Buchen besonders viele Bucheckern getragen, weswegen sich die Mäuse besonders stark vermehren konnten.
Nach üppigen Buchenjahren gibt es oftmals einen Anstieg der Hantavirus-Infektionen. Baden-Württemberg bietet mit seinen Wäldern also einen idealen Lebensraum für die Mäuse, und die tragen offenbar auch besonders häufig den Virus in sich.

Eine Rötelmaus und Hantaviren unter dem Mikroskop. (Foto: dpa Bildfunk, SWR, picture alliance / Lehtikuva Kimmo Taskinen/dpa, Collage: SWR)
Der Hanta-Virus steckt im Kot der Rötelmäuse. picture alliance / Lehtikuva Kimmo Taskinen/dpa, Collage: SWR

Ist eine Population erst einmal durchseucht, dann hält sich der Virus dort. Auch deshalb kommt es zu steigenden Fallzahlen. Es handelt sich in der Regel immer wieder um die gleichen Landkreise.

Gefahr für Jogger und Radfahrer

Der Hantavirus wird über den Kot der Rötelmäuse übertragen. In ihrem Kot scheiden sie ihn aus. Mit der Zeit zerfällt der Kot zu Staub. Dieser ist ganz leicht, schnelle Schritte durch das Laub oder auch ein Fahrradreifen genügen, um ihn aufzuwirbeln. Über die Lunge gelangen die Hantaviren ins Blut – dann dauert es noch rund zwei Wochen, bis die Krankheit ausbricht: Meist beginnt sie mit Grippesymptomen, oft mit starkem Kopfschmerz.

Prof. Mark Dominik Alscher (Foto: SWR)
Prof. Mark Dominik Alscher ist einer der international führenden Hantavirus-Experten

Sie brauchen keine Staubwolken. Es reicht, dass Sie durch den Wald laufen oder wenn Sie in einem Kellerraum sind. Es reicht auch, wenn eine Katze Ihnen tote Mäuse vors Bett legt. Da ist ja auch nicht viel Staub, das haben wir alles schon bei unseren Patienten erlebt.“

Professor Mark Dominik Alscher

Der Experte vom Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart betont, dass die Krankheit unbehandelt lebensgefährlich sei.

Wie verläuft die Krankheit?

Eine Infektion mit dem Hantavirus kann schwere grippeähnliche Symptome bedeuten, etwa tagelang hohes Fieber und Kopf- und Gliederschmerzen. Auch Nierenprobleme können auftreten. Das alles ist in der Regel gut behandelbar, indem man die Symptome lindert. Eine ursächliche Therapie gibt es aber nicht.

Am häufigsten erkranken übrigens Männer. Kinder dagegen scheinen weniger anfällig zu reagieren. Bei ihnen kann eine Infektion sogar völlig unbemerkt verlaufen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet nicht statt.

Spätfolgen gibt es bei Hanta-Infektionen normalerweise nicht. Wer erkrankt war, ist für eine gewisse Zeit immun. Wie lange die Immunisierung allerdings anhält, ist noch nicht erforscht.

So können Sie sich schützen

Das Robert-Koch-Institut (rki) gibt Tipps, wie Sie eine Infektion mit dem Hanta-Virus vermeiden können:

  • Lagern Sie Lebensmittel für Nager unzugänglich. Hilfreich sind dicht schließende Schränke, Metall- oder Plastikbehälter.
  • Lassen Sie weder Wasser noch Futter für Ihre Haustiere über Nacht offen stehen.
  • Verwahren Sie Ihren Abfall so, dass Nagetiere nicht dran kommen.
  • Entsorgen Sie keine Essensreste und tierische Abfälle auf dem Hauskompost.
  • Finden Sie beim Aufräumen von Garagen oder Schuppen Mäusekot, sollten Sie einen Mundschutz und Handschuhe tragen.
  • Reinigen Sie alle betroffenen Flächen gründlich und vor allem nass mit einem handelsüblichen Haushaltsreininger– so minimieren Sie die Staubentwicklung.
In Handschuhen steckende Hände halten eine Maus (Foto: Imago, imagi/ZUMA Press)
Infizierte Mäuse nur mit Handschuhen anfassen! Imago imagi/ZUMA Press

Für die Beseitigung von toten Mäusen, Mäuseausscheidungen und die abschließende Säuberung empfiehlt das rki:

  • Tragen Sie Gummihandschuhe und bei Staubentwicklung möglichst einen eng anliegenden Mundnasenschutz. Empfohlen wird eine Atemschutzmaske (FFP3-Maske).
  • Lüften Sie vor Beginn der Reinigung gut durch, indem Sie alle Fenster und Türen für mindestens 30 Minuten öffnen.
  • Vermeiden Sie es, Staub aufzuwirbeln.
  • Benutzen Sie keinen Staubsauger, weil Viren über die Abluft abgegeben werden könnten.
  • Besprühen Sie Mäuse, belegte Fallen und Mäuseausscheidungen zunächst gründlich mit einem handelsüblichen Reinigungsmittel. Auch so verhindern Sie, dass virusbeladener Staub aufgewirbelt wird.
  • Geben Sie die toten Mäuse in eine Plastiktüte, verschließen und entsorgen Sie diese mit dem Hausmüll.
  • Reinigen Sie alle betroffenenn Böden, Arbeitsflächen und andere Oberflächen und benutzte Fallen gründlich.
  • Duschen Sie Körper und Haare gleich nach den Arbeiten.
  • Waschen Sie Ihre bei der Reinigung getragene Kleidung.
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