ILLUSTRATION - Eine Euromünze steckt in einem Heizungsthermostat, der auf Heizkostenabrechnungen und Euro-Geldscheinen liegt.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Jens Büttner)

Betriebskosten in der Gaskrise

Darf der Vermieter die Nebenkosten einfach erhöhen?

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Jutta Kaiser
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Michael Herr

Viele denken in diesen Tagen mit Bangen an ihre Gas- und Stromrechnung. Ab wann müssen Mieter mit Nachforderungen rechnen - und gibt es eine Frist für Nachzahlungen?

Bis wann müssen Mieterinnen und Mieter mit der Nachzahlungsforderungen rechnen?


Das kommt auf den Abrechnungszeitraum an. Normalerweise wird das volle Kalenderjahr berücksichtigt. Die Abrechnung muss dann zwölf Monate später da sein. Für 2022 heißt das also: spätestens am 31. Dezember kommenden Jahres.

Wahrscheinlich passiert das aber schon deutlich früher, vor allem, wenn eine Nachzahlung fällig wird. Ist der Vermieter zu spät dran, kann er keine Nachzahlung mehr verlangen. Eine Erstattung muss er aber auszahlen. Wobei: Für das Jahr 2022 wird wohl fast jeder Geld nachzahlen müssen.

Wie hoch könnte die Nachzahlung ausfallen?

Das ist ganz schwer zu sagen, denn das kann grundsätzlich individuell sehr unterschiedlich sein, je nach eigenem Verbrauch und abhängig davon, welche konkreten Vertragsbedingungen man mit seinem Energieversorger hat. Die aktuelle Situation steigert diese Unsicherheit weiter. Sollte Deutschland tatsächlich in die sogenannte Gasmangellange kommen, weiß keiner so recht, was auf uns alle zukommt.


Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung hält es jedenfalls für möglich, dass sich die Gaspreise in diesem und dem kommenden Winter verfünffachen könnten.
Die Stiftung Warentest stellt auf ihren Internetseiten einen Rechner zur Verfügung, mit dessen Hilfe Mieterinnen und Mieter sich die Nachzahlung in etwa ausrechnen können.


Der Mieterbund geht davon aus, dass bis zu 90 Prozent aller Wohnungen und damit fast alle Mieterinnen und Mieter Nachzahlungsforderungen erhalten werden. Und viele davon werden große Probleme bekommen, so viel Geld nachzuzahlen. Es ist sicher eine gute Idee, jetzt schon daran zu denken und zu sparen.

Gibt es eine Frist, bis zu der eine Nachzahlung geleistet sein muss? 


In der Regel haben Mieterinnen und Mieter einen Monat dafür Zeit. Das ist allerdings ein Richtwert aus einer Vergangenheit mit "normalen Gaspreisen". Momentan haben wir aber diese absolute Ausnahmesituation mit extrem hohen und weiter steigenden Preisen. Das Problem besteht also selbst ohne die sogenannte "Gasmangellage", von der alle hoffen, dass sie nicht eintreten wird.

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Der Mieterbund fordert deswegen von der Bundesregierung, dass sie hier vorsorgt, damit niemand Angst haben muss, seine Wohnung zu verlieren, wenn er oder sie nicht schnell genug zahlen kann. Sollte jemand in Geldnöte geraten, ist es jedenfalls gut, das dem Vermieter oder der Vermieterin möglichst schnell zu sagen und sich zum Beispiel darauf zu einigen, dass die Summe in Raten zurückgezahlt wird.

Darf der Vermieter eine höhere Vorauszahlung verlangen?


Er darf das - allerdings nur mit im Zuge der Nebenkostenabrechnung - und die Summe darf nicht willkürlich festgelegt sein. Gründe können sein, dass die Vorauszahlung für die Wohnung schon im letzten Jahr nicht gereicht hat oder der Energie-Lieferant der Wohnung schriftlich eine Preiserhöhung ankündigt hat.

Es muss also eine nachvollziehbare Grundlage geben, auf der die Höhe der neuen Vorauszahlung beruht. Der Vermieter kann sich nicht irgendeine Summe ausdenken. Und die Erhöhung muss auch in Textform angekündigt werden, also zum Beispiel per Mail oder Brief.

Aber selbst wenn der Vermieter nicht von sich aus eine höhere Nebenkostenvorauszahlung einfordert: Die eigenen Energie-Kosten müssen Mieterinnen und Mieter am Ende so oder so übernehmen. Daher kann es sinnvoll sein, freiwillig höhere monatliche Abschläge abzusprechen oder jeden Monat gezielt dafür Geld zurückzulegen. Das ist für viele einfacher zu stemmen als später eine hohe Nachzahlung auf einen Schlag.

Welche Möglichkeiten haben Mieterinnen und Mieter, beim Heizen zu sparen?


Sie können schon jetzt für den Herbst vorsorgen und zum Beispiel Heizkörperthermostate einbauen, die sich programmieren lassen, also zum Beispiel nachts automatisch die Temperatur runterregeln.
Ein Grad Kühler spart sechs Prozent Heizenergie! Allerdings gibt es dabei natürlich Grenzen, irgendwann wird es einfach zu kalt. In schlecht gedämmten Häusern kann man in Absprache mit dem Vermieter Dämmplatten anbringen und auch Ritzen an Fenstern und Türen abdichten.

Dann sollte man darauf achten, dass vor den Heizkörpern keine Möbel stehen oder Gardinen hängen, sonst kommt viel weniger Wärme an. Und dann natürlich der Klassiker: Regelmäßig lüften – am besten kurz, dafür aber Fenster ganz auf und nicht Kippen. Und dabei sollte die Heizung natürlich ausgeschaltet werden.

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