STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG

Für Hobbygärtner sind die Wetterextreme zwischen Trockenheit und Unwetter eine Herausforderung. Mit anderen Sorten und Methoden lässt sich ein Garten an den Klimawandel anpassen.

Für den Leiter der Gartenakademie Rheinland-Pfalz ist es an der Zeit, die Gärten umzugestalten und sich dabei nach dem Klimawandel zu richten. Dazu müssten wir nur etwas umdenken, meint Werner Ollig.

Tipp 1: Garten auch mal wuchern lassen

Anfangen können wir damit, einfach weniger Ordnung im Garten zu schaffen und Pflanzen einfach mal stehen zu lassen. Denn ein wild wuchernder Garten, ohne strenge Trennung von Nutz- und Zierbeeten, erfreut mit blau leuchtenden Bartnelken, wilden Möhren und großen Johannisbeersträuchern nicht nur das Gärtnerauge, sondern ist auch ein Beitrag zur Klimafestigkeit des Gesamtbiotops. Denn angepasste Pflanzenarten, die den Boden durchgehend bedeckt halten, schützen ihn vor Austrocknung.

Ein weiterer Vorteil des wild wuchernden Naturgartens: Ob Giersch oder Brennnessel - Unkraut gibt es nicht mehr. Was man nicht isst, nützt auf jeden Fall den Insekten. Den Pflücksalat etwa kann man hervorragend zwischen Distel und Brennnessel platzieren und sich dann immer wieder daran bedienen.

Tipp 2: Rasen einfach sich selbst überlassen

Vom Bild des gepflegten, grünen Rasens müssen wir uns in Zeiten des Klimawandels verabschieden. Denn pflegeintensiv und ziemlich wasserdurstig wie er ist, zählt er definitiv zu den Verlierern der Klimaveränderungen. Angesichts von drohenden Wasserengpässen im Sommer werden Bewässerungsverbote kommen, ist sich Gartenexperte Werner Ollig sicher. Große, letztlich eintönige Rasenflächen werden also bald der Vergangenheit angehören.

Der Rat des Gartenexperten lautet hier, bereits jetzt damit anzufangen. Etwa indem man bewusst bestimmte Stellen des Rasens nicht mehr gesondert wässert. In der Folge werden auf dieser Fläche Blütenpflanzen wachsen, die wiederum Insekten anziehen, die dort Nektar und Pollen finden. Auch das ist etwas fürs Auge und für die Natur vorteilhaft. Als Gärtner bedeutet so ein Natur-Rasen auch deutlich weniger an Arbeit.

Ein Stück grüner Rasen in der Mittagssonne. (Foto: SWR)
Grüner Rasen sieht zwar schön aus, hält aber den sich verändernden Klimabedingungen nicht stand.

Tipp 3: Regenwasser sammeln und im Gartenboden speichern

Umdenken sollten Gartenbesitzer auch beim Thema Wasser. Denn wenn die Sommer immer heißer und Frühjahr und Herbst trockener werden, wird Wasser immer kostbarer. Es ist daher sinnvoll, das kostenlose Regenwasser effektiver für den Garten zu nutzen. Das geht sogar ohne Regen-Zisternen. Etwa indem man in den regenreichen Wintermonaten den Rasen bewusst wässert, zum Beispiel Regen und Schmelzwasser zum Beispiel vom Hausdach in den Garten laufen lässt.

Die meisten Menschen unterschätzen die natürliche Speicherfunktion des Bodens, meint Gartenexperte Werner Ollig. Dabei helfen einfache Wassersammler - auch Regendiebe genannt - dem Gärtner dabei, dass das Regenwasser nicht über die Fallrohre ungenutzt in der Kanalisation verschwindet.

Tipp 4: Etagen-Anbau bringts - eine alte Methode wiederentdecken

Pflanzen auf verschiedenen Ebenen zu bewirtschaften hat bereits eine lange Tradition. In der Pfalz etwa ließ Kaiser Karl der Große schon im Jahr 812 Mandelbäume in die Weinberge setzen. Denn deren Kronen sind licht, lassen also noch genügend Licht für die Weinreben durch - und beide profitieren. Die Pflanzen schützen sich dadurch gegenseitig vor zu viel Sonne und Hitze, leiden also weniger unter der zunehmend stärkeren Sonneneinstrahlung und Trockenheit.

Daher sind solche Schattenelemente inzwischen auch ein Muss für moderne Gärten, die dem Klimawandel trotzen sollen - etwa indem man Obstbäume und Beeren miteinander kombiniert. Das sichert nicht nur gute Erträge. Auch für das Auge sind solche mehrstufigen Gartenanlagen weitaus interessanter anzuschauen, denn sie gestalten den Garten abwechslungsreich.

Ein Hochbeet mit Tomantenpflanze und noch grünen Früchten. (Foto: SWR)
Das Hochbeet ist immer noch der Klassiker im Etagenanbau.

Tipp 5: Thujahecken besser verbannen

Die Thuja stammt eigentlich aus dem kühl gemäßigten, feuchten Klima Nordamerikas. Das aber haben wir in Rheinhessen, in der Pfalz oder in anderen Gebieten im Südwesten nicht mehr. Damit wird die Thuja zum Auslaufmodell.

Was für die Natur jedoch kein Nachteil ist, denn Insekten und Vögeln bieten Thujahecken eh wenig. Die Tiere im Garten brauchen eigentlich blühende, undurchlässige Hecken, damit Insekten Nektar finden und einen Lebensraum haben. Eine gute Alternative zur Thujahecke sind deshalb beispielsweise Beerensträucher, die insektenfreundlich sind, oder auch die Kornelkirsche. Bei uns sind diese Wildhecken in Vergessenheit geraten. Aber ihre Zeit kommt, denn sie gedeihen auch auf kargen und trockenen Böden wie etliche andere Sträucher.

Mehr zu Hitze und Klimawandel

Vegetation wie im Süden Klimawandel im Garten - Welche Pflanzen der Hitze trotzen

Gartenbesitzer stellen fest: Bäume, Sträucher und Blumen leiden unter der Trockenheit. Sie setzen deshalb auf trockenresistente Pflanzen.  mehr...

Landesschau Rheinland-Pfalz SWR Fernsehen RP

Die Sommerhitze und ihre Folgen für die Gesundheit

Größere Hitze, mehr Ozon, längerer Pollenflug und neue Allergene: Gesundheitsexperte Dr. Lothar Zimmermann erklärt, was Betroffene auch bei der Medikamenteneinnahme beachten sollten.  mehr...

Marktcheck SWR Fernsehen

Gartenpools zum Selberzusammenbauen In drei Schritten zum eigenen Pool

Mit einem eigenen Pool wollen sich viele den Traum vom Urlaubsparadies im Garten erfüllen. Doch vor der Abkühlung steht bekanntlich das Aufbauen - und das ist oft gar nicht so einfach.  mehr...

Marktcheck SWR Fernsehen

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG