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Die Fußball-Europameisterschaft versetzt fast ganz Deutschland wieder ins Fußballfieber. Marktcheck lässt Trikots, Fußballschuhe und Bälle überprüfen.

Die diesjährige Europameisterschaft ist anders als alle vorherigen: Nicht nur weil sie aufgrund der Corona-Pandemie in ein ungerades Kalenderjahr verschoben wurde, sondern auch aufgrund der elf Austragungsorte in elf verschiedenen Ländern. Und auch das Zubehör ist im Jahr 2021 moderner als je zuvor: Trikots bestehen heute aus den neusten atmungsaktiven Funktionsmaterialien. Und auch Fußbälle selbst sind längst mehr als nur ein rundes Leder: Es sind High-Tech-Produkte aus einer Kombination von Kunststoffen und Gummi.

Aber sind die Materialien, mit welchen Schuhe, Trikots und Bälle hergestellt werden wirklich schadstofffrei? Das lassen wir durch eine Schadstoff-Analyse im Labor testen.

Im Test sind diese Schuhe:

- Der ADIDAS X GHOSTED für 220 Euro.
Sowie als Jugend- und Kindermodelle:
- Der NIKE MERCURIAL SUPERFLY VIII für 94,99 Euro.
- Und der PUMA ULTRA für 64,95 Euro.

Außerdem werden diese Trikots getestet:

- Das originale Deutschlandtrikot von Adidas für 90 Euro.
- Das erschwinglichere Deutschland-Shirt von Decathlon für 9,99 Euro.
- Die günstige Variante des Textilriesen H&M für 7,99 Euro.

Und auch drei Bälle werden mit ordentlichen Schüssen auf den Prüfstand gestellt:

- Der EM-Ball von Adidas für 35 Euro.
- Der Bundesliga-Ball von Derbystar für 29,99 Euro.
- Der günstigste: Ein Fußball von Decathlon für 24,99 Euro.

Versprechen der großen Hersteller

Bereits zur WM 2014 hatte die Umweltorganisation Greenpeace 33 Sportartikel untersucht und in fast allen gesundheitlich bedenkliche Schadstoffe nachgewiesen.

Viola Wohlgemuth kämpft bei Greenpeace seit Jahren für eine giftfreie Textilindustrie: „Konfrontiert mit den Ergebnissen von Greenpeace haben sich Puma, Adidas und Nike verpflichtet, bis 2020 auf den kompletten Einsatz dieser Chemikalien zu verzichten und das ist auch deshalb so wichtig, weil sie als Marktführer einfach Vorreiter sind." Aber haben die Hersteller ihr Versprechen gehalten?

Gesundheitsgefahr im Kleiderschrank

Das untersucht die Chemikerin Dr. Ines Anderie für uns, sie arbeitet für das Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens und ist Expertin für Schadstoffe in Textilien und Gebrauchsgegenständen mit Körperkontakt. Jedes Jahr untersucht sie mehrere tausend Produkte und kennt die Risiken.

„Bei Schuhen und Trikots zum Beispiel können durch Schweiß Schadstoffe herausgelöst werden, die dann über die Haut in den Körper gelangen. Das ist gefährlich, vor allem für Kinder. Aber Schadstoffe können auch in die Luft übergehen, wenn Kinder Bälle über einen längeren Zeitraum in ihrem Zimmer gelagert haben, kann das kritisch sein.“

Dr. Ines Anderie vom Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens schaut die Fußball-Artikel kritisch an. (Foto: SWR)

Schadstoff-Analyse im Labor

Im Labor werden die Produkte zunächst zerkleinert und in mehreren Schritten zu Proben aufbereitet. Anschließend werden diese auf acht verschiedene Schadstoffe untersucht, die alle schwere Gesundheitsschäden verursachen könnten. Überprüft wird beispielswiese der Dimethylformamid -Gehalt: DMFa ist ein Lösungsmittel, das für die sogenannte Polyurethan-Beschichtung von Kunststoffen verwendet wird, also beispielsweise in der wasserabweisenden obersten Schicht von Bällen. Es ist unter anderem lebertoxisch. Ein weiterer bedenklicher Stoff sind Phthalate, die als Weichmacher für Kunststoffe eingesetzt werden: Sie wirken hormonaktiv und können die Fortpflanzung gefährden. Das krebserregende Formaldehyd macht Bekleidung knitterfrei. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) können krebserregend sein. Und perfluorierte Chemikalien dienen in der Textilindustrie dazu, Textilien wasser- und schmutzabweisend zu machen.

In unserem Artikel zu PFAS finden Sie weitere Infos dazu, was perfluorierte Chemikalien in unseren Körpern anrichten können:

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Die Ergebnisse

Doch welche der Schadstoffe lassen sich in unserer Analyse nachweisen? Die gute Nachricht zuerst: In den Trikots ist keiner der Schadstoffe nachweisbar! Das haben die Laboruntersuchungen von Ines Anderie ergeben: „Die drei Trikots waren völlig frei von allen untersuchten Schadstoffen.“ Und auch bei den Schuhen sieht es ganz gut aus: „Bei den Fußballschuhen haben wir bis auf Spuren von DMFa weit unter dem gesetzlichen erlaubten Grenzwert keine Schadstoffe nachgewiesen.“ In allen drei Fußbällen fanden sich Spuren von PAK, diese lagen jedoch auch unter dem Grenzwert. Der EM-Ball von Adidas und der Kipsta-Ball von Decathlon enthielten zusätzlich Spuren von DMFa im zulässigen Bereich. Einen klaren Gewinner gibt es also nur bei den Bällen: Das Produkt von Derbystar kann punkten, da es kein DMFa enthält.

Die Laboranalyse zeigt also, dass alle getesteten Trikots ohne Bedenken getragen werden können. Und immerhin: Die Hersteller haben sich bewegt und dafür gesorgt, dass ihre Produkte keine Schadstoffe oder nur noch Spuren davon enthalten.

Fazit

Luft nach oben gibt es noch. Doch für die kommende Fußball-Europameisterschaft findet bestimmt jeder Fan sein passendes Trikot.

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