STAND
ONLINEFASSUNG
AUTOR/IN

Es soll nur das Nötigste gesprochen werden, Masken sind Pflicht und Bartschneiden sowie Augenbrauenzupfen Tabu. Friseure im Südwesten haben unter strengen Auflagen wieder geöffnet.

Der Friseurbesuch in Corona-Zeiten sieht deutlich anders aus als Kunden und Dienstleister es bislang gewohnt waren. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege BGW hat Arbeitsschutzstandards für das Friseurhandwerk definiert. In den einzelnen Bundesländern können die Regeln teilweise etwas abweichen.

Das Baden-Württembergische Wirtschafts- und das Sozialministerium haben eine gemeinsame Richtlinie zum Friseurbesuch in Corona-Zeiten herausgegeben. In Rheinland-Pfalz wurden bisher noch keine Regeln, die von den Empfehlungen der BGW abweichen, kommuniziert.

Friseurtermin nur noch nach Vereinbarung

So genannte Walk-in-Termine beim Friseur – also einfach spontan reinkommen in den Salon, um sich die Haare schneiden zu lassen – gibt es vorerst nicht mehr. Betreten darf man als Kunde das Friseurgeschäft nur noch mit einem vorab digital oder per Telefon vereinbarten Termin.

Möglichst wenig mit dem Friseur sprechen

Bei der Terminabsprache soll bereits geklärt werden, was genau gemacht werden soll – die Kommunikation im Friseursalon ist laut BW-Richtlinie „auf ein Minimum zu reduzieren“. Der Friseurbesuch zum Zweck des Informationsaustauschs ist somit erstmal passé. Direkte Kommunikation ist derzeit nicht erlaubt, Blickkontakt soll nur über den Spiegel erfolgen.

Bei vielen Friseuren klingeln nach der langen Pause derzeit fast permanent die Telefone. Die meisten Kunden wollen so schnell wie möglich einen Termin vereinbaren. Einige Friseure haben deshalb feste Sprechzeiten eingerichtet, zu denen sie Terminanfragen entgegennehmen.

Audio herunterladen (6,6 MB | MP3)

Diese Regeln gelten im Friseursalon

  • Die Wartezonen für Kunden in den Salons sind abgeschafft, ebenso Zeitungen und Getränke. Stattdessen muss es Hygienestationen im Eingangsbereich geben, wo sich die Kunden die Hände desinfizieren.
  • Begleitpersonen sind nicht erlaubt – ausgenommen sind kleine Kinder, die auf Betreuung angewiesen sind.
  • Die Beschäftigten sollen medizinische Mund-Nase-Schutzmasken tragen, die sie nach jedem Kunden wechseln. Für Kunden reichen sogenannte Alltagsmasken, also beispielsweise selbst genähte.
  • Der Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen allen im Salon anwesenden Personen darf nur während der Friseurbehandlung verringert werden.
  • Wenn der Friseur die Seiten schneiden muss, soll der Kunde die Maske mit der Hand auf Mund und Nase halten, während er die Ohren freimacht.
  • Haarewaschen ist laut der baden-württembergischen Richtlinie nicht zwingend erforderlich – laut Richtlinien der BGW dagegen schon. Stattdessen soll in Baden-Württemberg auf das Fönen verzichtet werden.
18.03.2020, Belgien, Brüssel: Eine Friseurin mit Mundschutz schneidet einem Kunden die Haare.  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Haare waschen vor dem Schneiden ist nach den neuen Regeln nun bei jedem Kunden Pflicht. Picture Alliance

Keine Kosmetik und Pflege für Wimpern, Augenbrauen und Bart

Eigentlich sonst übliche, und für die Friseure auch lukrative, Kosmetik- und Pflegeleistungen wie Wimpernfärben, Rasieren oder Bartpflege, bei denen man sich zwangsläufig sehr nahekommen würde, sind vorerst aufgrund von Gesundheits- und Arbeitsschutz nicht mehr erlaubt.

23.03.2020, Baden-Württemberg, Stuttgart: Ein Schild mit der Aufschrift «Friseur» hängt an einem geschlossenen Friseursalon.  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Mitte März mussten Friseurgeschäfte im Südwesten wegen Corona vorerst schließen. Picture Alliance

Preiserhöhungen im Friseursalon wahrscheinlich

Die neuen Regeln machen das Arbeiten für Friseure zeitaufwändiger und komplizierter. Es gibt daher bereits die Befürchtung, dass nicht alle Betriebe die neuen Auflagen nach der langen Schließzeit überleben werden und es zu Entlassungen kommen wird. Den Mehraufwand der Salons werden die Kunden außerdem am Geldbeutel spüren. Viele Friseure haben bereits Preiserhöhungen und Hygienepauschalen angekündigt.

Erstmal sind die allermeisten Friseure nun aber froh, endlich wieder öffnen zu dürfen. So geht es wohl auch den Kunden – nach über einem Monat corona-bedingter professioneller Haarschneide-Pause.

Statistik: Zahl der Friseurbetriebe im Südwesten

2016 (Stichtag: 30.06.2016)

Baden-Württemberg: 11.677

Rheinland-Pfalz: 4.608

2019 (Stichtag 31.12.2019)

Baden-Württemberg: 11.815

Rheinland-Pfalz: 4.570

Mehr zu Corona und Frisur

Friseur Ralph Hoffmann zu seiner wirtschaftlichen Situation

Friseur Ralph Hoffmann zu seiner wirtschaftlichen Situation  mehr...

So verändern sich unsere Jobs Corona-Chroniken: Arbeitsalltag in der Krise

Während der Corona-Pandemie ist das öffentliche Leben stark beeinträchtigt. Wie sich durch Kurzarbeit, Homeoffice und Kontaktverbot der Berufsalltag verändert, erzählen Betroffene hier.  mehr...

STAND
ONLINEFASSUNG
AUTOR/IN