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Im Sommer 2021 sollen die ersten E-Autos im deutschen Tesla-Werk vom Band laufen. Was bedeutet das für Daimler, VW, BMW? Einschätzungen von Autoexperte Stefan Reindl.

Zunächst bleibt es erst mal dabei, dass Tesla eine US-amerikanische Marke ist, meint Stefan Reindl. Das werde auch der Standort in Deutschland nicht verändern.

Deutsche Autohersteller werden den Wettbewerb überstehen

Diese Konstellation und auch die Wahrnehmung durch die Kunden, dass der Wettbewerb sich intensiviert, das könnte durchaus sein. Allerdings müsse auch berücksichtigt werden, dass jetzt die deutschen Automobilhersteller – von Volkswagen über Audi zu BMW und Mercedes – ständig neue Produkte und Modelle im batterieelektrischen Bereich vorstellen werden. Also auch Tesla werde einen zunehmenden Wettbewerb zu spüren bekommen, so der Autoexperte. Er ist davon überzeugt, dass die traditionelle deutsche Automobilindustrie diesen Wettbewerb überstehen und aushalten wird.

 Stefan Reindl, Chef des Instituts für Automobilwirtschaft (IfA) im Portrait (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Christoph Schmidt/dpa)
Stefan Reindl, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft, meint, dass beim Pkw die Zukunft der Elektroantrieb sein wird. picture alliance/Christoph Schmidt/dpa

Status von Tesla kann Deutschland gut tun

Tesla ist schon seit Anbeginn ein Treiber im Hinblick auf batterieelektrische Fahrzeuge und besonders ein Treiber im Hinblick auf die Automobilindustrie, meint der Experte. „Das bedeutet für alternative Antriebe, für die Software und den Softwareeinsatz in den Fahrzeugen hat Tesla eine gewisse Dynamik in die Automobilwirtschaft gebracht. Und ich glaube, dass dieser Status, den sich Tesla in diesem Bereich erkämpft hat, noch lange fortbestehen wird. Und das tut auch ein wenig gut für unsere Konstellation hier in Deutschland.“

Für das neue Werk im ostdeutschen Grünheide braucht der amerikanische E-Autobauer bis nächsten Sommer 7000 Mitarbeiter (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Tesla-Chef Elon Musk will künftig eine halbe Million Fahrzeuge in Grünheide produzieren. Picture Alliance

Tesla-Chef Elon Musk betreibt auch Symbolpolitik

Automobilexperte Stefan Reindl hält das Vorgehen von Tesla-Gründer Elon Musk auch für Symbol-Politik. Es sei sicher kein Zufall, dass die Fabrik gerade in Deutschland, also im Land des Erfinders des Automobils, entstehe. „Und insofern glaube ich schon, dass Musk eben auf diese Symbol-Politik auch ein wenig hofft.“Auf diesem Weg versuche Musk offenbar, die deutsche Automobilindustrie unter Druck zu setzen.

Kein Schub durch Tesla für deutsche Zulieferer zu erwarten

Tesla produziert im Vergleich zu Volkswagen, BMW und Audi relativ geringe Stückzahlen. Insofern könnten die Zuliefer der deutschen Autoindustrie nicht allzu große Anteile erwarten, vermutet der Experte.

Automobilmarkt in Europa ist gesättigt

Der Automobilmarkt zumindest in Europa, aber auch hier in Deutschland, gilt als gesättigt. Durch den neuen Produktionsstandort von Tesla wird es deshalb eine Neu-Verteilung geben, glaubt Stefan Reindl. – „Dem einen wird was weggenommen werden, der andere kriegt was hinzu. Es sei denn, die Exporttätigkeit legt enorm zu, sodass wir wieder mehr in Deutschland produzieren und ins Ausland liefern. Aber ich glaube nicht, dass das zu diesem Schritt kommen wird – aus kurzfristiger Sichtweise nicht, aber auch aus mittelfristiger Sichtweise nicht."

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