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Bei Pangasius, vor allem aus vietnamesischer Aquakultur, waren zuletzt hohe Konzentrationen von Desinfektionsmitteln nachgewiesen worden. Ist das noch so? Und wie gefährlich ist es?

Fisch ist gesund – eigentlich. Der Süßwasserfisch Pangasius wird größtenteils in asiatischen Aquakulturen gezüchtet und meist tiefgefroren nach Deutschland geliefert. Er ist einer der beliebtesten Speisefische der Deutschen. Frisch gibt es den Süßwasserfisch bei uns nicht zu kaufen. Bei Umweltschützern steht er wegen der Zuchtbedingungen in der Kritik.

Auf dem Prüfstand: sechs Pangasius-Produkte aus dem Supermarkt

Fischproben zeigten in den vergangenen Jahren bedenkliche Konzentrationen von Desinfektionsmitteln. Wir lassen tiefgekühlten Pangasius aus deutschen Supermärkten und Discountern im Labor untersuchen, um herauszufinden, ob der Fisch noch immer belastet ist. Außerdem soll ein Geschmackstest zeigen, wie gut dieser günstige Fisch Verbrauchern schmeckt.

Pangasiusfilet auf einem Teller mit Salat, der Fisch wird in Großküchen und in Privathaushalten verarbeitet. (Foto: Colourbox)
Pangasiusfilet wird in Großküchen und in Privathaushalten zubereitet.

Insgesamt sechs Pangasius-Filets kaufen wir dafür ein:

  • „Gut&Günstig“ von Edeka, die 475 Gramm-Packung für 2,90 Euro,
  • Sea Baer Pangasius Filets von Kaufland, 475 Gramm umgerechnet für 2,93 Euro,
  • Sea Gold Pangasius von Netto zum gleichen Preis,
  • Pangasius Filets von Real, 475 Gramm umgerechnet für 2,96 Euro,
  • Rewe „Beste Wahl“, mit 3,42 Euro deutlich teurer.
  • Am teuersten das Filet von Penny, 475 Gramm für 3,49 Euro.

Bislang keine Höchstgrenzen für Chemikalien wie Chlorat oder Medikamente

Das Chemische- und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Freiburg. hat 2019 Pangasius-Filets aus ganz Deutschland untersucht. Lebensmittelchemiker Benjamin Dambacher stößt im Fisch und im Auftauwasser auf hohe Mengen an Chlorat. „Bei uns in Freiburg speziell wurden drei Fische mit so hohen Werten festgestellt, dass sie nicht mehr zum Verzehr geeignet waren, daher gesundheitsschädlich.“

Bereits der Verzehr eines einzigen Filets könnte schwerwiegende Folgen haben. Benjamin Dambacher, CVUA Freiburg, erklärt: „Bei Chlorat handelt es sich um einen Stoff, der verhindert, dass Jod in die Schilddrüse aufgenommen wird. Darüber hinaus wirkt Chlorat negativ auf die roten Blutkörperchen und kann die dadurch schädigen.“ Bei mehr als 20 Prozent der Proben fand die Behörde hohe Werte von Chlorat-Rückständen.

Lebensmittelchemiker Benjamin Dambacher, Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Freiburg, untersucht Auftauwasser von Pangasiusfilet und stellt hohe Mengen von Chlorat fest. (Foto: SWR, SWR Marktcheck)
Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Freiburg: Bereits 2019 stellte Lebensmittelchemiker Benjamin Dambacher im Auftauwasser von Pangasiusfilet hohe Mengen Chlorat fest. SWR Marktcheck

Aber auch Pangasius-Filets aus dem Großhandel, die in Kantinen landen, sind belastet. Das zeigen aktuelle Untersuchungen der Freiburger Experten. Trotzdem haben die Behörden immer noch keine Höchstgrenzen für Chlorat festgelegt. Das gäbe es für Fisch nicht, teilt man uns mit.

Inzwischen setzen Handelsunternehmen zwar verstärkt auf umweltgerechtere Aquakulturen, für Umweltschützerin Catherine Zucco besteht aber nach wie vor Handlungsbedarf. Die WWF-Fischexpertin weiß: „Es ist immer noch eine Massentierhaltung, und dort, wo keine Zertifizierungen sind, ist es so, dass die Kontrollen nicht so gut sind. Und es kann durchaus noch Probleme geben mit dem Einsatz von Chemikalien, also Desinfektionsmitteln und Medikamenten.“

Fische drängeln sich im Wasser: Fischzucht für große Mengen in Aquakultur. (Foto: Colourbox)
Fischzucht für große Mengen in Aquakultur.

Umweltschutz: Kritik an Produktionsbedingungen in Aquakulturen Südostasiens

Vor zehn Jahren reiste die Fischexpertin der Umweltschutzorganisation WWF nach Vietnam und besuchte dort zahlreiche Aquakulturen. Die Verarbeitungsbetriebe ließen sich von ihr aber nicht in die Karten schauen.  Catherine Zucco erklärt dazu: „Das lässt natürlich vermuten, dass hier einiges passiert, was die Öffentlichkeit nicht sehen soll. Man kann nur vermuten, vielleicht werden hier Chemikalien eingesetzt, die nicht sehr appetitlich sind.“

In großen Hallen wurden die Fische im Akkord zerlegt und filetiert. Danach landeten sie in einer Rührtrommel. Catherine Zucco beschreibt die Situation damals folgendermaßen: „Was wir hier sehen, ist eine Art Waschmaschine, wo Phosphate beigemischt werden. Phosphat bindet Wasser - das heißt, das Fischfilet wird dadurch aufgebläht und gewinnt damit bis zu 20 Prozent an Gewicht“.

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Neue Untersuchung im Labor: Chemikalien in Pangasius-Proben

Aber nicht nur zugesetztes Wasser verunreinigt den Fisch. Auch durch die Desinfektion von Arbeitsflächen gelangt die Chemikalie in den Pangasius. Daher haben wir unseren Pangasius auf mögliche Rückstände in einem auf Fischerzeugnisse spezialisierten Labor untersuchen lassen. Lena Hermes vom Labor TeLA, Technische Lebensmittel- und Umweltanalytik GmbH in Geestland, erklärt: „Von diesen sechs Proben waren zwei Proben auffällig. In einer haben wir Chlorat und in der anderen haben wir Benzalkoniumchlorid nachweisen können. Da die Gehalte aber so gering waren, ist für den Verbraucher keine nachteilige Wirkung zu erwarten.“

Die Filets von Rewe und Penny sind zwar nicht gesundheitsschädlich, aber mit Chemikalien belastet. Auf Anfrage teilt uns die Rewe Markt GmbH mit: „Die kontrollierte Chlorierung von Trinkwasser ist vielerorts notwendig, um das vorhandene Wasser überhaupt als Trinkwasser nutzbar zu machen.“ Zum Penny-Produkt heißt es: „Wir gehen Ihrem Hinweis jedoch selbstverständlich nach, um die Ursache hierfür zu ergründen.“

Unser Pangasius-Geschmackstest: Einschätzung vom Profi-Koch

Wie aber steht es um den Geschmack? In einer Stuttgarter Gourmet-Kochschule lassen wir unseren Tiefkühlfisch zubereiten. Pangasius steht bei Küchenchef Marcel Mente normalerweise nicht auf der Speisekarte. „Weil er natürlich sehr, sehr mager ist, kaum Fett hat und dadurch auch diese gesättigten Omega-3-Fettsäuren nicht hat. Und zum anderen ist er natürlich durch dieses Verfahren des Einfrierens und der Wasserzugabe sehr weich im Filet. Wir sehen es auch - der schrumpft schon ein bisschen zusammen.“ Für den Koch kein gutes Zeichen.

Das Geschmacksurteil der Pangasius-Testesser

Kann der Pangasius unsere vier Testesser dennoch überzeugen? Welches Produkt sie serviert bekommen, verraten wir nicht. Einer der Tester etwa mag Pangasius, weil er ein milder Fisch ist. „Das ist halt auch, gerade wenn man jetzt Fisch nicht so sehr mag, dass es einem doch sehr gut schmeckt.“

Nach der Blind-Bewertung durch die Testesser löst Chefkoch Marcel Mente auf: Auf dem letzten Platz Real und Edeka. „Im Mittelfeld haben wir Kaufland.“ Etwas besser fanden unsere Testesser den Fisch von Rewe und Penny. Marcel Mente verkündet: „Auf Platz 1 haben Eure Geschmacksknospen gewählt: den Fisch der Firma Netto.“ Das war eindeutig, denn alle vier Fischesser haben diesen als den besten Pangasius im Check bewertet. Sie sind überrascht, dass der Discounter-Fisch den Pangasius der großen Supermärkte hinter sich ließ.

Von den sechs Pangasius-Filets im Check schneidet ein Fisch vom Discounter besser ab als Fisch aus dem Supermarkt: Netto liegt vorne. (Foto: SWR, SWR Marktcheck)
Von den sechs Pangasius-Filets im Check schneidet ein Fisch vom Discounter besser ab als Fisch aus dem Supermarkt. SWR Marktcheck

Unser Fazit: Pangasius im Labor und auf der Zunge

Die Fische von Rewe und Penny: belastet mit Chlorat, und auch geschmacklich können sie nicht punkten. Gleichauf liegen die Filets von Real und Edeka: ohne Rückstände im Labor, allerdings Verlierer bei der Geschmacksprobe. Die Filets von Kaufland ebenfalls mit gutem Laborergebnis, aber auf der Zunge eher Durchschnitt.

Unser Sieger kommt von Netto: Dieses Pangasiusfilet konnte sowohl im Labor als auch geschmacklich überzeugen. Also: Pangasius - lässt sich essen, aber echte Fischliebhaber greifen lieber zu anderen Meerestieren.

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