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Corona-Risikogruppen bekommen seit 15. Dezember kostenlose FFP2-Masken in Apotheken. Unbürokratisch und unproblematisch? Oder vor allem unvorbereitet und unorganisiert? Eindrücke vom ersten Tag.

Am Vormittag des ersten Tages drängen sich beispielsweise in Esslingen die Menschen vor Apotheken. Sie wollen die kostenlosen Masken abholen, die Gesundheitsminister Jens Spahn versprochen hat.

Um 11 Uhr hat Apotheker Christof Mühlschlegel noch 200 Masken. „Die Leute reißen sie mir aus der Hand.“ Kunden, die am Nachmittag kommen, muss Mühlschlegel erstmal vertrösten. Denn die bestellten FFP2-Masken sind nicht angekommen. „Uns Apotheker hat das auf dem kalten Fuß erwischt. Ich habe - nachdem klar war, dass wir die Masken beschaffen sollen - Masken bestellt, die sind halt noch nicht da. Also für uns Apotheker eine unmögliche Situation.“ Der Apotheker ist gespannt, wann er wohl Nachschub bekommt.

Apotheken von Spahns Masken-Versprechen überrascht

In einer Karlsruher Apotheke trafen wir bereits Tage zuvor die Apotheker Felix Maertin und Patrick Kwik. Nach dem Beschluss von Jens Spahn müssen sie sich innerhalb weniger Arbeitstage auf die Maskenausgabe vorbereiten. Sie rechnen jeweils mit 1.000 Kunden täglich, die bei ihnen in den Apotheken FFP2-Masken abholen wollen.

Erst vor wenigen Tagen  haben die Apotheker die sogenannte „Coronavirus-Schutzmasken-Verordnung“ vom Bundesgesundheitsministerium erhalten, mit den Festlegungen, wer wann kostenlose FFP2-Masken in der Apotheke bekommen soll. Auch diese Regelung ist inzwischen schon wieder überarbeitet worden. Bis 6. Januar soll es für Senioren ab 60 Jahre und Risikogruppen zunächst drei FFP2-Masken geben. Weitere zwölf Schutzmasken soll es dann bis Mitte April gegen eine Bescheinigung geben, die die Krankenkasse zuschickt. Die Apotheker stellt die überraschende Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums kurz vor Weihnachten vor große Probleme.

Felix Maertin wundert sich: „Wir haben es auch erst aus der Presse erfahren, über eine Pressekonferenz.“ Er habe keine Bezugsquelle, um an so große Maskenmengen heranzukommen. Erst sei vermutet worden, die Masken sollten aus dem Kontingent der Regierung kommen. Inzwischen aber sei klar, dass die Apotheker den Schwarzen Peter rübergeschoben bekommen hätten. Die Apotheker ärgern sich über diesen „planlosen Aktionismus“.

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Politik kritisiert fehlende Planung des Gesundheitsministers

Auch von Politikerseite kommt Kritik an der Hauruck-Maskenaktion des Bundesgesundheitsministers. Jochen Haußmann, Landtagsabgeordneter der FDP in Baden-Württemberg, sagt, in dieser schwierigen Zeit hätte es ein geordnetes Verfahren gebraucht. Das sei nicht erfolgt, und dafür trage Minister Spahn die Verantwortung. Wenn es im Oktober, November vorbereitet worden wäre, hätte es ruhig und geordnet ablaufen können. Man hätte die Risikopersonen über die Krankenkassen vorab über den Ablauf informieren können. Dann hätte das reibungslos funktioniert.

Das Bundesgesundheitsministerium geht deutschlandweit von Kosten in Höhe von 2,5 Milliarden Euro und rund 27 Millionen Berechtigten aus. Die Kosten der Maskenausgabe übernimmt der Bund.

Was Sie zur FFP2-Maske wissen müssen

Der Landesapothekerverband Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz rät Berechtigten, noch die weiteren Tage vor Weihnachten für die Abholung zu nutzen, und insbesondere in Zeiten mit normalerweise weniger Kundenfrequenz in den Apotheken vorbeizukommen. Der Verband betont zudem, dass die Schutzmasken nicht im Nacht- oder Notdienst ausgegeben würden.

FFP2-Masken filtern Partikel besonders wirksam, bieten allerdings auch keinen hundertprozentigen Schutz. Kunden sollten auf das CE-Zeichen achten. Eine vierstellige Nummer dahinter weist auf die zugelassene Prüfstelle hin. Von der DEKRA geprüfte FFP2-Masken, die alle Tests bestanden haben, sind am CE-Kennzeichen mit der 4-stelligen Prüfstellennummer 0158 zu erkennen. Detaillierte Infos finden Sie hier:

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