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Die Angst im Umgang mit dem Coronavirus nutzen auch Betrüger aus: Manche geben sich als falsche Ärzte aus, andere versuchen es mit dem Enkeltrick oder mit Mails, die angeblich von der WHO stammen.

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Sendedatum
Sendezeit
20:35 Uhr
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SWR Fernsehen

Inhaltsangabe:

Trick 1: Der Corona-Enkeltrick

Es ist der sogenannte Enkeltrick in neuer Variante: Kriminelle nutzen die Corona-Krise und versuchen als vermeintliche Angehörige, alten Menschen Geld für angebliche Behandlungskosten aus der Tasche zu ziehen.

"Die Täter sind immer am Puls der Zeit. Sie nutzen die momentanen Unsicherheiten und Ängste der Bevölkerung ganz klar aus."

Nadine Berneis, Kriminalprävention Landeskriminalamt Baden-Württemberg

Die Anrufer geben sich am Telefon als Verwandte aus und behaupten, mit dem Virus infiziert zu sein. Deshalb bräuchten sie Geld, um die Behandlung zu bezahlen. Oft bitten sie um Geld oder Wertgegenstände, die ein angeblicher Freund dann abholt.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
20:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Diese wichtigen Tipps sollten Sie beachten:

  • Händigen Sie Fremden grundsätzlich niemals Eigentum aus.
  • Bestehen sie darauf, dass die Anrufer selbst ihren Namen sagen. Lassen Sie sich nicht verleiten, den Namen von Enkeln oder Neffen und Nichten selbst zu nennen.
  • Fragen Sie die Anrufer nach Begebenheiten, die nur echte Verwandte wissen.
  • Geben Sie nie Details zu Verwandtschafts- und Vermögensverhältnissen preis.
  • Wenn Sie einen Betrug vermuten, melden Sie sich sofort bei der Polizei unter 110.

Trick 2: Falsche Ärzte und der Corona-Test

Manche Betrüger geben sich am Telefon als Ärzte aus und sagen, Sie müssten auf das Coronavirus getestet werden. Der Test koste allerdings Geld. Manchmal kommen auch mehrere vermeintliche Tester direkt in die Wohnung: Während einer das Opfer ablenkt, sucht der andere nach Geld und Wertgegenständen. Vor dieser Masche warnt auch das Bundeskriminalamt. Wichtig zu wissen: Es gibt keine flächendeckenden Covid-19 Test!

Arzt mit Arztkittel und Stethoskop (Foto: Online Marketing / Unsplash)
Arztkittel und Stethoskop machen noch keinen Arzt - erkundigen Sie sich immer bei offiziellen Stellen, bevor Sie jemanden in die Wohnung lassen. Auch in der Corona-Krise! Online Marketing / Unsplash

Wichtige Verhaltensregeln:

  • Werden Sie telefonisch dazu aufgefordert kostenpflichtige Tests durchzuführen, legen Sie auf.
  • Lassen Sie keine fremden Menschen in die Wohnung - auch wenn sie angeben, von amtlichen Stellen zu kommen.
  • Bestellen Sie Unbekannte zu einem späteren Zeitpunkt wieder, wenn bei Ihnen eine Vertrauensperson anwesend ist.
  • Gibt sich jemand als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes aus, rufen Sie selbst beim Gesundheitsamt an und fragen Sie nach, ob von dort ein Mitarbeiter zu ihnen geschickt worden ist. Wichtig dabei: Recherchieren Sie die Telefonnummer selbst!
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Sendedatum
Sendezeit
21:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Trick 3: Die Desinfektionsmasche

Auch dieser Trick spielt bewusst mit der Angst der Menschen in der Corona-Krise: Angebliche Handwerker behaupten, Haus und Wohnung überprüfen und desinfizieren zu wollen. Auch hier gilt: Lassen Sie keine Unbekannten in die Wohnung und geben Sie ihnen auch kein Geld oder Wertgegenstände.

Trick 4: Fake-Shops mit Corona-Schutzmasken und Desinfektionsmittel

Die Verbraucherzentralen warnen auch vor Fake-Shops auf Online-Plattformen, die Schutzmasken oder Desinfektionsmittel anbieten, sie dann aber nicht liefern. Andere Internetverkäufer verlangen horrende Preise für die Ware.

„Man will mit der Angst der Menschen das große Geschäft machen. Dabei muss es sich nicht zwingend um einen Fake-Shop handeln. Die Vorgehensweise ist jedoch ebenso moralisch verwerflich.“ 

Stefanie Siegert, Verbraucherzentrale Sachsen

Immerhin: Der größte Online-Marktplatz ebay hat bereits Konsequenzen gezogen und die Richtlinien für Verkäufer in Deutschland verschärft. Zudem hat ebay in den vergangenen Wochen nach eigenen Angaben viele völlig überteuerte Angebote offline genommen und Händler gesperrt.

Online-Shopping (Foto: SWR3)
Die Corona-Panik nutzen viele Online-Shops aus, um verlockende Angebote zu machen - die hinterher richtig teuer werden.

„Unser Tipp: Man kann den Anbieter einfach mal in eine Suchmaschine eingeben, um zu sehen, ob andere Käufer negative Erfahrungen mit diesem Shop gemacht haben.“

Oliver Buttler, Verbraucherzentrale Baden-Württemberg

Die wichtigsten Tipps:

  • Zahlen Sie niemals per Vorkasse, wenn Sie den Shop nicht kennen!
  • Vergleichen Sie Preise im Netz - besonders bei sehr gefragten Produkten. Suchen Sie auch nach Alternativen.
  • Suchen und prüfen Sie immer das Impressum der Online-Shops, bei denen Sie einkaufen.

Abzocke im Internet So enttarnen Sie Fake-Shops im Netz

Betrüger versuchen auch in Krisenzeiten wie der Corona-Pandemie, Verbraucher mit gefälschten Online-Shops über den Tisch zu ziehen. Wir haben die wichtigsten Tipps für Sie, um Fake-Shops zu erkennen.  mehr...

Vorsicht Verbrechen SWR Fernsehen

Trick 5: Bankkunden im Visier von Corona-Phishing-Mails

Die Verbraucherzentrale meldet, dass es immer mehr Phishing-Mails in Zusammenhang mit dem Coronavirus gibt. Betrüger versuchen so personenbezogene Daten von Sparkassenkunden zu erbeuten. Dabei wird den Opfern vorgegaukelt, dass Sparkassenfilialen geschlossen seien. Zudem werden die E-Mailempfänger aufgefordert, ihre persönlichen Daten über einen Link anzugeben - angeblich um weiterhin Bankgeschäfte abwickeln zu können.

Eine Frau sitzt mit einer Kreditkarte vor einem Notebook (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Geben Sie nie unbedarft personenbezogene Daten oder gar Ihre PIN ein. Thinkstock -

Das sollten Sie derzeit besonders beachten

  • Seien Sie vorsichtig, wenn Sie Mails mit Inhalten zum Corona-Virus erhalten. Öffnen Sie keine Links und überprüfen Sie Adresse des Absenders immer auf Seriosität.
  • Lassen Sie sich in Mails niemals unter Druck setzen, persönliche Daten preiszugeben oder sofort Geld zu überweisen.

Trick 6: WHO will angeblich Lagebild zu Corona-Pandemie

Derzeit versuchen Betrüger mit einem Schreiben, das angeblich vom Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stammt, an persönliche Daten zu kommen. in der E-Mail werden die Empfänger dazu aufgefordert, auf einen Link zu klicken, um dort Angaben zur Lage der Corona-Pandemie zu machen. Dort sollen die Opfer dann persönliche Daten eingeben.

Die WHO warnt auf ihrer Webseite vor dieser Masche und weist darauf hin, dass sie niemals Menschen nach ihrem Benutzernamen oder Passwort fragt. Auch würde die Gesundheitsorganisation keine E-Mailanhänge versenden, die nicht bestellt worden waren und zudem keine Links zu Seiten außerhalb der WHO verschicken. Empfänger einer solchen, vermeintlich von der WHO stammenden Mail, sollten diese umgehend löschen und auf keinen Fall auf Links oder Anhänge klicken.

Mehr zu aktuellen Tricks der Betrüger im Netz, am Telefon und an der Haustür finden auch Sie auf den Seiten des Landeskriminalamtes Niedersachsen.

Hier finden Sie weitere Tipps der Verbraucherzentrale sowie eine Ansicht, wie die betrügerischen E-Mails aussehen.

Trick 7: Nahrungsergänzungsmittel oder Ingwerkonzentrat als Virus-Schutz

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg warnt vor falschen Werbeversprechen: Teure Ingwerkonzentrate sollen die Vermehrung der Viren sofort hemmen, Sprays für die Luft die Gefährlichkeit des Coronavirus reduzieren. Solche absurden Behauptungen kursieren derzeit in Online-Angeboten und auch vereinzelt in Geschäften. Auch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat festgestellt, dass Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln, jetzt damit werben Schutz vor dem Coronavirus zu bieten.

„Da dieser Virus erst seit kurzer Zeit bekannt ist, gibt es keinerlei Studien, die eine Wirksamkeit von bestimmten Pflanzen, Vitaminen oder Mineralstoffen dagegen beweisen. Zitierte Studien beziehen sich in der Regel auf andere (Corona-)Viren.“

Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

Weitere Informationen zum Geschäft mit vermeintlichen Corona-Heilmitteln finden Sie hier. Wie man besonders gut Gerichte für Corona-Risikogruppen und auch den Eigenbedarf vorkocht, dazu gibt es Tipps von SWR-Ernährungsexpertin Sabine Schütze: "Gehaltvoll und ohne Coronaviren: So kochen Sie für mehrere Tage vor!"

Trick 8: Betrüger fischen Soforthilfendaten ab

Um Soloselbstständige, kleine Unternehmer und Landwirte in der Krise schnell mit frischem Geld zu versorgen, haben Bund und Länder Soforthilfe- und Kreditprogramme auf die Beine gestellt. In Baden-Württemberg zum Beispiel können Unternehmen mit 50 Beschäftigten bis zu 30.000 Euro erhalten, ein Teil davon muss nicht zurückgezahlt werden.

Die Auszahlung der Gelder wird von den Ländern organisiert, die betroffenen Unternehmen oder Selbstständigen müssen dazu einen Antrag bei einer Landesbehörde stellen; die zuständige Institution unterscheidet sich von Land zu Land. In Nordrhein-Westfalen haben nun allerdings Betrüger dieses System ausgehebelt. Mit gefälschten Webseiten haben sie Daten der Antragssteller abgegriffen – mit dem mutmaßlichen Ziel, selbst die Soforthilfen zu beantragen. Das Wirtschaftsministerium in NRD hat daher die Auszahlung der Soforthilfe bis auf Weiteres eingestellt.

Ähnliche Betrugsversuche gab es auch schon in Baden-Württemberg: Das zuständige Wirtschaftsministerium warnt vor gefälschten Soforthilfewebsites. Dem LKA zufolge wurden Unternehmen sogar telefonisch kontaktiert und explizit auf die entsprechende Seite im Internet hingewiesen. Der Anrufer gab sich dabei als Angehöriger der einzig offiziellen Stelle zur Abwicklung der Soforthilfe aus. Die Polizei stuft diese Vorgehensweise als Vorbereitungshandlung für spätere Betrugsstraftaten ein und warnt eindringlich davor, persönliche und Unternehmensdaten auf solchen Fake-Seiten im Internet preiszugeben.

Auch bei der Investitions- und Strukturbank (ISB), die in Rheinland-Pfalz für die Auszahlung zuständig ist, warnt man vor dieser Masche. Die Strafverfolgungsbehörden raten, die Anträge ausschließlich auf offiziellen Behördenseiten vorzunehmen, in Baden-Württemberg bei Ministerien und Landesförderbanken mit Unterstützung der Industrie- und Handelskammern, und in Rheinland-Pfalz bei der ISB.

Trick 9: Luftfilter, die Coronaviren aus der Luft filtern sollen

Ein Händler wirbt mit einem Luftfilter, der Coronaviren aus der Luft filtern und abtöten sollen. Es wird behauptet, die Viren halten sich über Stunden in der Luft, und um das Ansteckungsrisiko für Risikogruppen zu verringern, könne der Luftfilter helfen. Doch der Hersteller weiß nichts von solch einer Werbung und betont, auf Coronaviren sei das Gerät noch nicht getestet worden. Der Händler hat die Werbung mit Corona nach einer Konfrontation von Marktcheck mittlerweile gestoppt.

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