Eine 1-Euro-Münze (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Oliver Berg)

Alternative zum Bitcoin?

Europäische Zentralbank treibt digitalen Euro voran

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Die Europäische Zentralbank (EZB) will mit einer nächsten Projektphase einen weiteren Schritt in Richtung eines digitalen Euro gehen.

Der digitale Euro soll das Bargeld in der Eurozone angesichts der immer weiter voranschreitenden Digitalisierung ergänzen. Doch wer braucht den digitalen Euro und was lässt sich damit einkaufen?

Digitaler Euro versus Bitcoin – wo ist der Unterschied?  

Die aktuellen Kryptowährungen bewegen sich komplett frei auf dem Markt. Sie sind nicht an eine bestehende Währung gekoppelt oder werden von einer Bank verwaltet. Deshalb sind sie auch so spekulativ und riskant, es reicht ein Tweet von Tesla-Chef Elon Musk und der Bitcoin-Kurs explodiert oder rutscht ab. Die bisherigen Kryptowährungen sind Parallelwährungen, die sich völlig losgelöst von der Finanzwelt entwickeln. Dazu möchte die Europäische Zentralbank einen Gegenentwurf schaffen.

Der digitale Euro hängt an einer Bank, der Europäischen Zentralbank. Sie reguliert ihn, steuert die Geldmenge und gibt das digitale Geld raus. Darüber hinaus orientiert sich der digitale Euro am klassischen Eurokurs. Damit sind große Spekulationen und riesige Schwankungen- wie beim Bitcoin - ausgeschlossen. Die Kryptowährung soll stabiler, solider und transparenter sein als die bisherigen.

Welche Vorteile hat der digitale Euro?

Ein enormer Vorteil ist die Geschwindigkeit, mit der Transaktionen durchgeführt werden können. Es ist möglich, einen digitalen Euro innerhalb von Sekundenbruchteilen von einer digitalen Geldbörse in eine andere zu schieben. Außerdem sind Kryptowährungen sehr fälschungssicher, auch Bitcoins können nicht gefälscht werden. Ein dritter Vorteil ist der Datenschutz: bei einer solchen Transaktion fließen sehr wenige Daten mit, keine IBAN, keine Handynummer. Und schließlich der größte Vorteil: Für den digitalen Euro wird keine Infrastruktur benötigt, also keine Banken, keine Konten, keine Zahlungsdienstleister wie Paypal. Transaktionen finden direkt zwischen den Beteiligten statt.

Das Bezahlen würde somit günstiger, weil keine Kosten und Gebühren anfallen wie sonst üblich für die Bezahlung mit EC- oder Kreditkarte zum Beispiel. Das alles würde allerdings nur gelten, wenn die Europäische Zentralbank beim digitalen Euro die Krypto-Technologie Blockchain einsetzt. Wenn die Zentralbank stattdessen nach einfacheren Lösungen sucht, könnten die Vorteile verschwinden.

Geldscheine, darauf eine Münze der digitalen Währung Bitcoin. Koblenzer Ermittlern ist ein Schlag gegen Anlagebetrügern mit Kryptowährungen gelungen. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Bis in Europa offiziell eine Kryptowährung eingeführt wird, werden noch Jahre vergehen. Picture Alliance

Wann können Verbraucher vom digitalen Euro profitieren?

Bis der digitale Euro eingeführt wird, wird es noch lange dauern, denn der Aufwand ist riesig. Viele Fragen sind noch offen. Zum Beispiel, wie der digitale Euro in den einzelnen Ländern zum Endverbraucher kommt. Um solche Fragen zu klären, werden derzeit zahlreiche Analysen durchgeführt, allein das wird zwei Jahre dauern, schätzt die EZB.

Im ersten Schritt wird der digitale Euro dann zunächst wichtig für Geschäftskunden und für die Wirtschaftsbeziehungen innerhalb der Eurozone. Diese sollen mit der Digitalwährung abgewickelt werden können. In China laufen bereits umfassende Tests, da können Menschen im Vorbeigehen zahlen mit einem Chip, auf dem Guthaben in der dortigen digitalen Währung Yuan gespeichert ist. So weit werden wir in Deutschland allerdings erst in ein paar Jahren sein.