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Glutenfreies Brot oder laktosefreie Milch: Der Markt mit Ersatzlebensmitteln boomt - obwohl nur wenige eine Allergie oder Unverträglichkeit haben. Das hat jedoch auch etwas Gutes.

Das Grummeln im Bauch nach einem Glas Milch, ein Blähegefühl nach einer Scheibe Weizenmischbrot: Viele von uns kennen seltsame Körperreaktionen, nachdem sie bestimmte Lebensmittel zu sich genommen haben.

Mehr als 30 Prozent der Bevölkerung gibt bei Umfragen an, bestimmte Produkte nicht zu vertragen. Meist handelt es sich dabei eine Unverträglichkeit, wie etwa von Laktose. Bei den Betroffenen fehlt ein Enzym, um den Milchzucker zu verdauen. Unverträglichkeiten sind weniger schwerwiegend als eine echte Allergie, an der das Immunsystem beteiligt ist. Das wehrt sich gegen Eiweiße in Milch, Mehl oder Nüssen zum Beispiel.

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Nur wenige Menschen haben eine Lebensmittelallergie

Allerdings leiden nur etwa 5 Prozent der Erwachsenen tatsächlich an einer solchen Allergie. Deutlich mehr Menschen vermuten jedoch, dass sie betroffen sind. Das liegt daran, dass sie nicht zwischen Allergie und Unverträglichkeit unterscheiden. Dazu kommt, dass viele Menschen ihre Beschwerden nicht vom Arzt diagnostizieren lassen. Stattdessen greifen sie im Supermarktregal einfach zu den Ersatzprodukten.

Jeder Vierte hier in Deutschland verzichtet inzwischen auf bestimmte Lebensmittel. Spezielle Produkte wie Backmischungen ohne Gluten oder laktosefreie Milch gehören mittlerweile in den Lebensmittelgeschäften zum Standardsortiment. Manche glauben außerdem, dass solche Lebensmittel per sé besser oder gesünder sind als normale Varianten. Der Eindruck entsteht nicht zufällig. Mit Werbung und Design der Produkte arbeiten die Hersteller an diesem Image.

Der Hype rechnet sich für die Hersteller

Besonders im Trend liegen glutenfreie Produkte, obwohl die meisten Menschen das Klebereiweiß problemlos vertragen. Allein der Umsatz glutenfreier Backwaren stieg in den letzten Jahren rasant und beträgt in Deutschland mittlerweile fast 110 Millionen Euro im Jahr. Auch andere glutenfreie Lebensmittel wie Süßwaren, Speiseeis und Brotaufstriche gewannen massiv Marktanteile hinzu.

Tatsächlich Betroffene profitieren von dem Hype

Der Hype um die Erstzprodukte wird dadurch weiter befeurt: Beim Einkaufen sehen wir mittlerweile viele Produkte, die mit dem Label "frei von" werben. Die Vorsicht vieler Verbraucher wird zum Geschäftsmodell: Bei den Ersatzprodukten sind die Gewinne für die Hersteller deutlich höher.

Das treibt bisweilen sonderbare Blüten: Manche Hersteller drucken mittlerweile das Label "glutenfrei" oder "laktosefrei" auf, in denen sowieso kein Gluten oder Milchzucker enthalten ist, wie etwa in Hartkäse. Trotzdem kurbelt so ein Aufdruck den Verkauf an.

Vom Hype all dieser Sonderprodukte profitieren also hauptsächlich die Hersteller. Und etwas auch diejenigen, die sich tatsächlich etwa glutenfrei ernähren müssen. Denn wirklich Betroffene können inzwischen auf eine riesige Produktvielfalt zurückgreifen.

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