Teurer Strom

Energieversorger brechen Preisgarantieversprechen

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Auch Stromkunden mit langlaufenden Preisgarantien im Vertrag bekommen von einigen Versorgern Mitteilungen über saftige Preiserhöhungen. Ist das rechtlich haltbar? Wie kann man sich wehren?

Steigende Strompreise sind in aller Munde. Doch selbst Verbraucher mit bestehenden Verträgen und festgelegten Vertragslaufzeiten und Preisgarantien können sich nicht mehr in Sicherheit wiegen. Denn: Derzeit erhalten Kunden vielerorts Schreiben ihrer Energieversorger über Preiserhöhungen – selbst bei Verträgen mit Festpreisgarantie.

Aufgrund der angespannten Lage sollten alle Verbraucher ihre Stromrechnung im Auge behalten. Wer sich unsicher ist oder eine Erhöhung vermutet, kann telefonisch oder via E-Mail nachfragen. Besteht ein Online-Login zum Portal des Energieanbieters, sollte man auch hier nachsehen können, ob eine Preiserhöhung ersichtlich oder geplant ist.

So sollten sich Verbraucher verhalten

Wer Post über eine unerwartete Preiserhöhung erhalten hat, kann folgende Punkte beachten

  • In den AGBs nachsehen, ob eine Preiserhöhung zulässig ist.
  • Vergleichen Sie die alten und neuen Preise genau, sowohl beim Grundpreis als auch beim Preis pro Kilowattstunde.
  • Halten Sie die Verteuerung für unzulässig, widersprechen Sie der Erhöhung schriftlich. Tipp: Um sicherzugehen, dass der Widerspruch ankommt, diesen per Einschreiben schicken.
  • Im Falle einer Erhöhung haben Verbraucher ein Sonderkündigungsrecht.

Nicht beirren lassen, falls der Stromanbieter mit der Kündigung des Vertrages droht. Hat der Verbraucher regelmäßig die Rechnungen beglichen und sich vertragskonform verhalten, ist er auf der sicheren Seite:

„Einfach so kann der Versorger den Vertrag nicht kündigen. Die Verträge sind so einzuhalten, wie sie geschlossen wurden. Das heißt, wenn ein Jahr vereinbart wurde, müssen sich beide Parteien an den Vertrag halten und den Vertrag zu Ende bringen.“

Rechtliche Details finden Verbraucher hierzu im Energiewirtschaftsgesetz.

Abschlagserhöhung ohne Stromablese?

Ein beliebter Trick einiger Stromanbieter ist es, die monatliche Abschlagszahlung zu erhöhen. Auch hier ist die Rechtslage eindeutig: „Den Abschlag kann ich als Versorger nur ändern, wenn sich tatsächliche Umstände ändern“, erklärt Fabian Fehrenbach.

Dies kann eine rechtmäßige Preiserhöhung sein oder dass sich ein höherer Abschlag anhand einer Zählerablesung ergibt. Hierzu muss der Kunde allerdings dem Anbieter einen Zwischenstand übermittelt haben. Einfach so erhöhen, geht nicht.

Fabian Fehrenbach, Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz (Foto: SWR)
Fabian Fehrenbach von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz weiß, wie Kunden bei unerlaubten Strompreiserhöhungen handeln können.

Preiserhöhungen sind nicht immer willkürlich

Auch wenn es auf den ersten Blick derzeit so wirkt, als ob die Energieversorger die steigenden Energiekosten einfach auf die Verbraucher umlegen, ist dies nicht immer der Fall. „Eine Preisgarantie muss man im Kleingedruckten nachlesen. Denn sie umfasst nicht unbedingt den gesamten Strompreis. Der Strompreis hat diverse Bestandteile und es ist in der Regel so, dass die Preisgarantie nur gewisse Dinge umfasst“, begründet Fabian Fehrenbach.

Bestandteile des Preises wie Steuern, Abgaben und Umlagen sind von Preisgarantien ausgeschlossen. Beim Strompreis machen sie in Deutschland über 50 Prozent aus. Deshalb müssen eine Erhöhung und die Begründung immer genau geprüft und mit den AGBs abgeglichen werden.

Neuer Stromanbieter zu Höchstpreisen?

Klar ist: Wegen der derzeit angespannten Marktlage ist kein guter Zeitpunkt, um einen neuen Stromanbieter zu suchen. Wer um einen Wechsel dennoch nicht herumkommt, vergleicht am besten auf diversen Vergleichsportalen die Preise, um einen Überblick bei den Tarifen der Anbieter zu gewinnen.

Im Moment kann es sogar eine gute Idee sein, einfach den Grundversorgungstarif des regionalen Versorgers zu nehmen. Denn die Grundversorger schließen mit ihren Stromlieferanten normalerweise langlaufende Verträge, so dass sie von den aktuellen Preissprüngen an den Strombörsen geringer betroffen sind. Deshalb müssen sie die Preise auch nicht so sehr erhöhen.

Ein weiterer Vorteil: Man kann den Grundversorgertarif jederzeit mit einer 14-Tage-Frist kündigen. Wenn die Preise wieder sinken, lohnt es sich dann einen länger laufenden, günstigen Vertrag abzuschließen. Experten rechnen im Frühjahr mit einer Entspannung der Lage am Strommarkt.

Trotz all dem Ärger, muss man keine Angst haben. Der Strom wird einem nicht einfach abgestellt. Selbst wenn Verbraucher in dieser angespannten Marktlage an einen Stromanbieter geraten, der rechtswidrig die Preise erhöht oder sogar den Vertrag kündigt. In so einem Fall werden Verbraucher immer automatisch bei der Grundversorgung angemeldet.

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