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Viele Strom- und Gasanbieter erhöhen Anfang 2021 ihre Preise - und das, obwohl manche Kosten sogar sinken. Für Verbraucherschützer oft nicht nachvollziehbar. Daher gilt: Nicht einfach zahlen, sondern genau prüfen. Ein Anbieterwechsel kann sich lohnen.

Viele Verbraucher, die mit Gas heizen, haben in den vergangenen Wochen von ihren Versorgern die Nachricht bekommen, dass das im kommenden Jahr zum Teil deutlich teurer wird. Die Unternehmen begründen das vor allem mit einer staatlichen CO2-Abgabe, die ab dem 1. Januar 2021 für fossile Heiz- und Kraftstoffe gezahlt werden muss. Einige Anbieter nehmen diese Abgabe jedoch als Grund, um die Preise in unverhältnismäßigem Maß zu erhöhen – unter anderem weil sie gesunkene Belastungen an anderer Stelle nicht weitergeben.

Gaspreise steigen trotz sinkender Einkaufspreise

Ein Beispiel dafür: Seit 2017 sind die Beschaffungskosten für Gas gesunken. Als Kunde merkt man von dieser Ersparnis jedoch wenig.

Eine Grafik zeigt die Entwicklung der Beschaffungskosten und Verkaufspreise von Gas. (Foto: SWR)
Obwohl die Einkaufskosten seit 2017 rückläufig sind, bleibt der Gaspreis für Kunden konstant.

Hans Weinreuter von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz kritisiert die mangelnde Transparenz der Anbieter: „Was sie gerne verschweigen und ungerne an die Kunden weitergeben, sind gesunkene Beschaffungskosten.“ In Bezug auf die CO2-Abgabe als Begründung für steigende Kosten weißt der Verbraucherschützer darauf hin, dass es auch anders geht: „Es gibt eben auch Versorger, die trotz des kommenden CO2 Preises ihren Gaspreis konstant halten ab dem ersten Jahr, wie mein Versorger zum Beispiel.“

Als Verbraucher kann es sich deshalb durchaus lohnen, den eigenen Tarif genauer unter die Lupe zu nehmen und sich nach günstigeren Angeboten umzuschauen.

Strom wird ebenfalls teurer

Im nächsten Jahr sinkt die EEG-Umlage coronabedingt um 0,25 Cent und im darauffolgenden Jahr sogar um 0,5 Cent. Das müsste eigentlich eine Strompreissenkung von rund einem Prozent zur Folge haben, doch in der Realität warten viele Kunden vergeblich darauf. Und nicht nur das: obwohl schon gleichbleibende Preise dafür sorgen, dass Verbraucher von der Reduzierung nicht angemessen profitieren, erhöhen einige Stromanbieter die Preise sogar zusätzlich. Marktcheck-Finanzexpertin Barbara Sternberger-Frey kann das nicht verstehen, denn auch die Beschaffungskosten für Strom seien in diesem Jahr kräftig gesunken, nur die Netzentgelte stiegen ein bisschen an.

Deshalb rät auch sie betroffenen Kunden zu einem Tarifwechsel. Sofern man einen teuren Grundtarif hat, kann es sich schon lohnen, beim eigenen Versorger den Vertrag zu wechseln. Alternativ kann auch ein Wechsel zu einem günstigeren Anbieter eine Alternative darstellen, doch hier ist Vorsicht geboten. Denn: Beim Anbieterwechsel gibt es einiges zu beachten.

Eine Person sitzt am Computer mit einer Gas-Abrechnung. (Foto: SWR)
Wer sparen möchte, sollte regelmäßig den eigenen Tarif mit anderen Angeboten vergleichen.

Vorsicht beim Wechseln: Das sollten Sie beachten

Wer sparen möchte, sollte regelmäßig den eigenen Strom- oder Gastarif mit neuen Angeboten vergleichen und abwägen, ob sich ein Wechsel lohnt. Dabei sollte man jedoch auf folgende Punkte achten:

  • Wer Vergleichsportale nutzt, sollte die Voreinstellungen überprüfen und auf die eigenen Wünsche anpassen. Einige Anbieter haben in den Voreinstellungen kundenunfreundliche Suchkriterien festgelegt und werden deshalb von der Stiftung Warentest nicht empfohlen
  • Außerdem finden sich auf Vergleichsportalen auch immer wieder Ergebnisse, die eigentlich Werbung sind und deshalb weiter oben erscheinen. Hier sollte man die vermeintlich günstigen Tarife besonders genau durchrechnen und Bonuszahlungen herausrechnen, sowie Preissteigerungen im Folgejahr berücksichtigen
  • Vergleichsportale verdienen an der Provision, die sie bei einem Vertragswechsel kassieren können. Deshalb ist es für Kunden in einigen Fällen noch günstiger, wenn sie direkt bei dem Anbieter des günstigsten Tarifs einen Vertrag abschließen und so die Provision umgehen • Es hilft außerdem, immer flexibel zu bleiben und auf Verträge mit einjähriger Laufzeit und kurzer Kündigungsfrist zu setzen, so kann man auf Preiserhöhungen schnell reagieren
  • Energieanbieter verdienen vor allem an langjährigen Kunden. Deshalb sind Vielwechsler ungern gesehen. Um zu vermeiden, dass die Anbieter die Daten von Sparfüchsen austauschen und man dadurch Probleme bei der Suche nach einem neuen Anbieter bekommt, sollte man nach Vertragsende alle Daten beim bisherigen Anbieter löschen lassen
  • Um den Informationsaustausch zwischen den Anbietern zu erschweren, ist es ebenfalls empfehlenswert, den Vertrag selbst zu kündigen und dies nicht durch den neuen Anbieter vornehmen zu lassen. Auch bei Anbietern von Wechselportalen sollte man auf den Datenschutz achten Weitere Tipps zum Anbieterwechsel finden Sie hier:

Heizöl noch in diesem Jahr auffüllen lassen

Schon im Sommer diesen Jahres war der Ölpreis niedrig und Heizöl deshalb besonders günstig. Deshalb hat vermutlich ein Großteil die eigenen Vorräte bereits aufgefüllt. Wer aber noch einen leeren Tank hat, sollte versuchen ihn noch in diesem Jahr zu füllen. Denn auch hier macht sich ab Januar die CO2-Abgabe bemerkbar – und bei einer Lieferung vor Silvester profitiert man auch noch vom niedrigeren Mehrwertsteuersatz.

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