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Nie war die energetische Gebäudesanierung so günstig: Eigentümer von selbst genutztem Wohnraum können seit Kurzem mehr Geld vom Staat bekommen. Folgende Möglichkeiten gibt es.

Anfang des Jahres 2020 wurden die staatlichen Förderprogramme zur energetischen Gebäudesanierung deutlich aufgestockt. Davon profitieren Immobilieneigentümer, die ihr Wohneigentum selbst nutzen.

Wer beispielsweise in klimafreundliche Heizungssysteme investiert oder sein Haus mit einer Wärmedämmung versieht, kann zwischen folgenden Fördermöglichkeiten wählen:

Einige Optionen sind miteinander kombinierbar – zum Beispiel eine Förderung plus Darlehen.

Welche der Fördermöglichkeiten in Anspruch genommen werden soll, sollte man entscheiden, bevor die Sanierung losgeht. Ist sie bereits im Gange, kann man nur versuchen, die Kosten steuerlich geltend zu machen. Gerade bei aufwändigeren Maßnahmen lohnt es sich aber meistens finanziell mehr, eine Förderung zu beantragen. Bei kleineren Sanierungsarbeiten ist es unter Umständen günstiger, die Kosten abzuschreiben – unter anderem ist hier der bürokratische Aufwand weitaus geringer, als bei den Förderanträgen. Wie man am meisten profitiert sollte man aber vorher durchrechnen. Die Stiftung Warentest hat hierzu ausführliche Informationen zusammengestellt.

Erster Schritt: Energieberatung

Durchblick im Dschungel der Möglichkeiten bei der energetischen Gebäudesanierung gibt ein Energieberater. Dieser kostet zwar, jedoch lohnt sich die Investition in den allermeisten Fällen, unter anderem, da auch diese Ausgaben gefördert werden. Für Fördertöpfe von KfW-Bank und BAFA ist außerdem das Gutachten eines Energieberaters zwingend erforderlich.

Energetische Gebäudesanierung (Foto: dpa Bildfunk, Roger Hensel)
Wo verliert das Haus am meisten Energie? Ein Energieberater kann hier helfen. Roger Hensel

Wie finde ich einen Energieberater?

Über das Deutsche Energieberater-Netzwerk können Sie Experten in Ihrer Nähe finden. Auch die Verbraucherzentrale berät zum Thema Gebäudesanierung und vermittelt Energieberater.

In diesem Fall ist von der Expertise von Schornsteinfegern oder Handwerkern eher abzuraten, da diese sich von Eigeninteressen meistens nicht einfach freimachen können. So empfehlen sie häufig nur Systeme, die sie führen und einbauen können.

Sanierungskosten von der Steuer absetzen

Seit Januar 2020 können Hausbesitzer Kosten für die energetische Sanierung von der Steuer absetzen, beziehungsweise abschreiben. Über drei Jahre hinweg können 20 Prozent der Kosten abgeschrieben werden, maximal jedoch 40.000 Euro pro Immobilie. Die Neuregelung wurde für die kommenden zehn Jahre festgesetzt.

Folgende Voraussetzungen gelten: Die Hausbesitzer müssen die Immobilie selbst nutzen. Sie dürfen noch keine anderen Steuervorteile genutzt oder Förderungen für die Sanierung kassiert haben. Das Haus muss älter als 10 Jahre sein. Die Sanierungsarbeiten müssen von einem Fachunternehmen durchgeführt und bescheinigt werden.

Grundsätzlich werden fast alle Maßnahmen, die die Energiebilanz des Hauses deutlich verbessern, vom Finanzamt anerkannt. Darunter zählen zum Beispiel die Dämmung von Dach und Wänden, die Erneuerung von Fenstern und Türen, der Einbau einer Lüftungsanlage oder der Austausch der Heizungsanlage.

Energetische Gebäudesanierung (Foto: dpa Bildfunk, Daniel Karmann)
Alte Heizungen auszutauschen kann die Energiebilanz verbessern. Daniel Karmann

Zuschuss des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrollen (BAFA)

Wer in eine klimafreundliche Heizungsanlage investieren will, kann einen Zuschuss beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrollen (BAFA) beantragen. Die BAFA hat einen Fördertopf speziell für Heizungen, die erneuerbare Energien nutzen.

Für den Austausch einer Ölheizung gegen eine klimafreundlichere Alternative gibt es bis zu 22.500 Euro. Auch zusätzliche Kosten, die rund um die neue Heizung entstehen, zählen für den BAFA-Zuschuss: zum Beispiel die Entsorgung der alten Öltanks oder das Honorar für einen Baubegleiter. Maximal gibt es 50.000 Euro pro Wohneinheit.

Förderung der KfW

Die Förderbank KfW übernimmt, grob gesagt, alles andere im Bereich energetische Gebäudesanierung – also sowohl weitere Einzelmaßnahmen, wie die Dämmung von Dach und Wänden, als auch Großprojekte, wie die komplette energetische Aufrüstung einer Immobilie.

Die Sanierung muss von einem Fachunternehmen durchgeführt und von einem Energieberater begleitet werden.

Die tatsächliche Fördersumme bemisst sich daran, wie gut die Energiebilanz des Gebäudes nach der Sanierung ist. Dafür gibt es den KfW-Effizienzhausstandard: Dieser gibt das Verhältnis des Energieverbrauchs des sanierten Hauses zu einem vergleichbaren Neubau an. Der maximal erreichbare Wert ist 55 – wenn das Gebäude 55 Prozent der Energie eines vergleichbaren Hauses aus dem Jahr 2009 verbraucht. Bis zu 48.000 Euro Tilgungs- und Investitionszuschüsse sind über die KfW möglich.

Energetische Gebäudesanierung (Foto: dpa Bildfunk, Oliver Berg)
Wer größere Maßnahmen am Haus plant, sollte eine Förderung beantragen. Oliver Berg

Darlehen der KfW-Bank für die energetische Sanierung

Als weitere Möglichkeit steht Wohneigentümern die Möglichkeit offen, ein zinsverbilligtes Darleben der KfW-Bank in Anspruch zu nehmen. Dieses ist auch in Kombination mit den Förderungen von KfW und BAFA möglich – für die Restsumme, die neben der Förderung aus eigenen Mitteln beglichen werden muss.

Die maximale Kreditsumme beträgt 120.000 Euro. Günstig ist der KfW-Kredit wegen hoher Tilgungszuschüsse. Das bedeutet, dass der Kreditnehmer nicht die volle Summe zurückzahlen muss.

Wer den Kredit der KfW beantragen will, braucht eine lokale Bank, die das Darlehen durchleitet. Häufig koppeln Banken dies jedoch an Bedingungen, wie zum Beispiel, dass man zusätzlich bei ihnen einen Kredit aufnimmt. Viele steigen auch erst ab einer bestimmten Kredithöhe ein.

Die Stiftung Warentest hat verschiedene Banken aufgelistet, die KfW-Kredite für die Modernisierung schon für kleinere Summen und auch an Neukunden vergeben.

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