Bunte Trinkhalme aus Plastik, aufgenommen in einem Glas.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Ralf Hirschberger)

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Trinkhalme und Plastikbesteck - Diese Produkte aus Einwegplastik sind jetzt verboten

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Trinkhalme aus Plastik oder auch To Go-Verpackungen aus Styropor. Damit ist Schluss in der EU. Von nun an dürfen viele Produkte aus Einwegkunststoff nicht mehr hergestellt werden.

Was bedeutet das denn jetzt genau für uns? Und wie weit reicht dieses Verbot? Fragen an Tobias Koch aus der SWR-Redaktion Umwelt und Ernährung:

Welche Produkte sind jetzt verboten?

Also ich glaube, was uns am Ehesten auffallen wird - gerade nach den Essensbestellungen in den letzten Monaten: Die To-Go-Essens-Boxen aus Styropor, die fallen weg. Aber auch Einwegbesteck, Trinkhalme, Rührstäbchen, Wattestäbchen und Luftballonstäbe, sofern die Sachen aus Plastik sind. Verboten wird auch Einweggeschirr aus biobasierten oder biologisch abbaubaren Kunststoffen oder Pappteller, die mit einer Kunststoffschicht überzogen sind. Wichtig: Der To-Go-Kaffeebecher wird nicht verboten. Es sei denn, er ist aus Styropor, was ich aber bei uns in Deutschland noch nie gesehen habe.

Benutztes Plastikgeschirr liegt auf einem Mülleimer.  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Nach dem Essen landen die Teller im Müll. Picture Alliance

Das heißt wir bekommen jetzt nirgendwo mehr einen Strohhalm aus Plastik oder unser Essen in einer Styropor-Box?

Den Strohhalm aus Plastik werden wir bestimmt noch im ein oder anderen Restaurant bekommen, genauso wie die Essenslieferung in der Styropor-Box. Das EU-weite Verbot besagt zwar, dass die genannten Produkte hier nicht mehr hergestellt werden und auf den Markt kommen dürfen, aber das was noch da ist in Restaurants oder im Handel, das darf noch genutzt beziehungsweise verkauft werden. Das heißt: Die verbotenen Produkte verschwinden nicht sofort.

Aber ist das denn der richtige Weg da anzusetzen? Gäbe es nicht größere Baustellen als den Strohhalm oder das Wattestäbchen?

Es ist immerhin ein Weg, das ist das Positive. Und es kommt nicht so oft vor, dass man komplette Verbote als Maßnahme setzt. Außerdem ist es natürlich ein Signal: Wir, als EU, wollen weg vom Einwegplastik. Aber klar, der Strohhalm, das Plastikbesteck oder das Wattestäbchen machen natürlich nicht den Großteil unseres Abfallaufkommens aus. Da gäbe es selbstverständlich größere Dinge, die man anpacken könnte, wie zum Beispiel die ganzen Plastikverpackungen im Supermarkt. Aber das ist eben deutlich schwieriger. Und hier gibt es jetzt schon Lösungen und darum ist die Entscheidung für das Verbot wahrscheinlich recht einfach gefallen.

Zwei Einweg-Pappbecher für Kaffee stehen auf einem Tisch (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka)
Auch wenn Einwegplastik Geschichte ist, der Kaffeebecher aus Pappe bleibt. picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka

Und wenn man sich diese Lösungen anschaut – wie gut sind die?

Da kommen wir zu einem großen Problem des Ganzen. Fangen wir an bei den Einweg-Bechern, zum Beispiel für Coffee to go: Da ändert sich gar nichts, die dürfen bleiben. Das heißt, dass weiterhin über 300.000 Becher pro Stunde in Deutschland direkt wieder im Müll landen. Und dann haben wir noch das Problem, dass eben nur Plastik oder Styropor-Einweg verboten ist. Der Lieferdienst oder der Imbiss ums Eck packt das Essen jetzt halt in Alu – wenn er es nicht eh schon gemacht hat – oder in Hartplastik-Boxen – beides bleibt erlaubt.

Und auch Teller aus Alternativen wie Palmblättern oder Zuckerrohr oder Besteck aus Holz bleiben letztlich Einwegprodukte. Und auch die müssen hergestellt werden und landen am Ende im Müll oder schlimmstenfalls im Meer. Sprich: Mehrweg wäre die bessere Lösung gewesen.

SWR-Umweltredakteurin Alice Thiel-Sonnen im Gespräch in SWR2 am Morgen vom 2. Juli 2021:

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