Benutztes Plastikgeschirr liegt auf einem Mülleimer. Nach dem Essen landen die Teller im Müll. Seit 3. Juli 2021 ist Einwegplastik in der EU verboten.

Weniger Müll

Einwegplastik-Verbot der EU: Sind solche Verbote gut für die Umwelt?

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Martin Thiel

Seit einem Jahr sind diese Produkte in der EU verboten: Einweg-Besteck und -Teller, Strohhalme und Wattestäbchen aus Plastik, Lebensmittelverpackungen, Becher aus Styropor. Hilft das?

Das Einwegplastik-Verbot der EU gilt seit 3. Juli 2021. In Deutschland ist zudem seit 2022 die Ausgabe von Plastik-Einkaufstüten im Handel verboten. Nützen solche Verbote der Umwelt - oder sind sie eher Symbolpolitik?

Was hat das Verbot von Einweg-Plastik gebracht? Weniger Plastikmüll?

Generell betrachtet hat es erstmal wenig gebracht. Jeder von uns braucht etwa 0,4 Kilogramm weniger Einweg-Plastikmüll pro Jahr. Das entspricht etwa 1,6 Prozent der jährlichen Kunststoffverpackungen. Die Abfallmenge aus Privathaushalten ist also überschaubar.

Was den Schutz der Meere angeht, trägt das EU-Verbot laut einer Studie nur zu einer Abnahme von weniger als 0,06 Prozent des Plastikmülls in den Weltmeeren bei. Man könnte meinen, das Verbot hätte nichts gebracht. Aber das Verbot einzelner Produkte - wie eben Trinkhalme und Einwegbesteck - hat zu Diskussionen geführt, was man braucht und was nicht. Die Wegwerfgesellschaft hat quasi begonnen, nachzudenken. Die Industrie hat angefangen, Ersatzprodukte zu entwickeln. So hat sich der Plastikanteil trotzdem etwas gesenkt. Das heißt, ein Anfang ist gemacht.

Und die Richtlinie geht noch weiter: Ab 2025 müssen Plastikflaschen mindestens zu 25 Prozent aus Recycling-Kunststoff bestehen - auch das ist ein Fortschritt. Weitere politische Maßnahmen sind geplant: Die Recyclingfähigkeit von Produkten generell wird geprüft und geregelt. Auch Green Washing soll zukünftig stärker verhindert werden. Das heißt, Firmen dürfen nicht mehr Dinge behaupten, die nicht zutreffen. Das Einwegplastik-Verbot ist also trotzdem ein wichtiges Signal, um der Plastikverschmutzung Herr zu werden.

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Welche Alternativen für Einwegplastik haben sich inzwischen etabliert?

Den klassischen Strohhalm aus Plastik etwa gibt es jetzt aus Edelstahl, Glas oder Silikon. Mehrweg ist hier das Stichwort. Wattestäbchen gibt es aus Papier, Pappe oder Bambus. Statt Plastikbesteck zum Beispiel kann man Edelstahlbesteck von zu Hause mitnehmen. Besteck gibt es auch aus Holz. Das Gleiche gilt für Teller aus Holz oder zum Beispiel aus Palmblättern. Außerdem gibt es sogenannte Biokunststoffe. Also es gibt Alternativen, es gibt plastikfreies Einweggeschirr. Aber nicht alles ist immer optimal.

Sind die Alternativen für das Einwegplastik tatsächlich besser?

Leider nicht. Häufig wird Einwegplastik durch Wegwerfprodukte aus anderen Materialien ersetzt - etwa beschichtetes Papier, Bambus oder Holz. Sie haben einen ähnlich hohen ökologischen Fußabdruck wie Plastik und lassen sich oft auch nur schlecht recyceln. Gerade im Verpackungsbereich gibt es zunehmend Kombinationen aus Papier und Pappe mit Kunststoffen, die auf den ersten Blick ökologisch erscheinen, das Recycling der Verpackung ist aber wegen der Beschichtung oft schwierig. Das heißt: Vermeiden und wiederverwerten ist immer das Beste.

Zur Grillparty nimmt man am besten eigenes Geschirr mit. Das Bewusstsein, auf Wegwerfprodukte zu verzichten, muss immer weiter wachsen.

Dazu kommt, dass Mehrweg-Alternativen auch wirklich oft genützt werden müssen. Es bringt nichts, wenn man den Kunststoff-Strohhalm durch den Glas-Strohhalm ersetzt, den aber nur einmal benutzt und wieder wegwirft. Das ist auch nicht wirklich umweltfreundlicher als die Einwegkunststoff-Alternative. Am Ende geht es um die Ökobilanz eines jeden Produkts.

Fachleute fordern eine umfassende Beteiligung der Industrie an den konkreten Umweltkosten, die ihre Produkte verursachen. Da geht es nicht nur um Einwegplastik, sondern auch zum Beispiel um Zigarettenkippen bis hin zu Textilien, die ebenfalls immer stärker nur als Einwegprodukt genutzt werden.

Unterm Strich: Einweg ist immer schlecht. Vermeidungs- und Wiederverwertungs-Ansätze haben das größte Potenzial in Sachen Umweltschutz - und auch die Plastik- und Müllvermeidung.

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Martin Thiel