Mehrere Schweine stehen in einem Stall mit Auslauf. (Foto: SWR, Sabine Schütze, SWR Umwelt)

Ein Jahr Afrikanische Schweinepest in Deutschland

Schweine-Bauern spüren Preisdruck und fürchten Seuchenschutz

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Vor einem Jahr ist die Afrikanische Schweinepest (ASP) erstmals bei Wildschweinen in Deutschland nachgewiesen worden. ach wie vor müssen Schweinezüchter ihre Betriebe davor schützen.

Bisher hat das Friedrich-Löffler-Institut mehr als 2.000 Fälle von Afrikanischer Schweinepest (ASP) in Deutschland bestätigt - erste Nutztierbestände in Brandenburg sind inzwischen betroffen. Die Tierseuche breitet sich vom Osten her aus, auch in Richtung Südwesten. Daher überlegen die Agrarminister der Länder das weitere Vorgehen bei der Bekämpfung der Tierseuche. Dabei geht es auch darum, wie Schweinehalter, die ihre Tiere in Freiland oder mit Auslauf halten, ihren Betrieb schützen können. Denn für sie gibt es bislang keine Lösung.

Freiland- und Offenstall-Halter bislang ohne Lösung

Ratlos ist bislang etwa der Landwirt Bernd Bornheimer-Schwalbach. Er besucht und füttert seine rund 100 Freilandschweine zwei Mal am Tag. Sie haben viel Platz, eine schöne Aussicht übers rheinhessische Hügelland und mehrere kleine Holzhütten, in denen sie sich zurückziehen können. Wenn die Afrikanische Schweinepest naht, müssen die Tiere in den Stall, um sie vor einer Ansteckung zu schützen. Das aber, so der Landwirt, würde bedeuten, dass er den Großteil seiner Herde schlachten müsste.

"Wir können auf dem Hof etwa 30 Tiere unterbringen. Da wäre es mir wichtig, dass ich einen Teil meiner Zuchttiere habe und noch einen begrenzten Teil an Mastschweinen."

Ein Schild mit der Aufschrift «Afrikanische Schweinepest bei Wildschweinen, Pufferzone» hängt an einem Verkehrsschild. Um die Ausweitung der Schweinepest im Landkreis Görlitz einzudämmen wird entlang der Bundesstraße 115 ein mobiler Zaun errichtet.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Sebastian Kahnert)
Um die Ausweitung der Schweinepest einzudämmen werden - wie hier im Landkreis Görlitz - Warnschilder aufgehängt und mobile Zäune errichtet. picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Sebastian Kahnert

Bauern spüren den Preisdruck

Eine Notlage, die Schweine und Bauer nur begrenzt durchhalten können. "Wir haben einen Absatzstau, der zu einer deutlichen Preiskrise geführt hat", sagte auch Torsten Staack, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN), in Damme bei Vechta der Deutschen Nachrichtenagentur (DPA). Derzeit fehlten den Landwirten pro Schwein gut 50 Euro Erlös. Dabei sei das Angebot an Schlachtschweinen so gering wie zuletzt 2007.

Wegen der Schweinepest seien einerseits wichtige Absatzmärkte wie etwa der chinesische weggebrochen. Außerdem mache sich noch immer die Corona-Krise bemerkbar, weil die Gastronomie und System-Gastronomie als Abnehmer fürs Schweinefleisch fehlten, so der ISN. Zudem sei in den vergangenen Monaten viel Fleisch eingefroren worden. Auch diese Mengen drückten nun auf den Markt.

Mastschweine vom Landwirt Karsten Ilse sind am frühen Morgen in einem Lkw für den Transport zum Schlachthof zu sehen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Patrick Pleul)
Ein knappes Jahr nach dem ersten Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland sind die Schweinehalter unter deutlichen Preisdruck geraten picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Patrick Pleul

Schweinehalter sorgen sich um Tiergesundheit

Aber nicht nur die Wirtschaftslage macht den Schweinehaltern zu schaffen. Landwirt Christian Kussel beobachtet ebenfalls genau, wie sich die Afrikanische Schweinepest ausbreitet. Er hält seine 450 Schweine in einem Stall mit Auslauf. Der macht rund 40 Prozent der Fläche aus, auf der sich die Tiere aufhalten. Sie nutzen ihn, um in der Sonne dösen, zu spielen und auch als Toilette.

Sobald der Auslauf dafür nicht mehr genutzt werden könne, koten die Schweine im Stall ab, so Kussel. Die Folge sei dann eine höhere Belastung mit Geruch und Ammoniak im Stall. Das wäre für die Tiergesundheit sehr schlecht - auch wegen der Enge.

Lösungsvorschläge sollen dringend erarbeitet werden

Eine Idee, wie er seine Schweine auch im Auslauf vor der Schweinepest schützen könnte, hat Landwirt Christian Kussel zwar - nur keine Ahnung, ob sie vom Veterinäramt auch anerkannt würde. Das hat bislang noch keine Weisungsempfehlungen zur ausreichenden Sicherheit der Auslauf- und Freilandhaltung. Dass diese nun endlich entwickelt werden, darum haben die Agrarminister der Länder den Bund immerhin vergangene Woche eindringlich gebeten.

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