Das neue Lebensmittel-Logo Nutri-Score als Hilfe für den Kauf gesünderer Produkte wird in den Supermärkten zusehends präsenter. Ein Jahr nach Inkrafttreten eines Rechtsrahmens für die Verwendung in Deutschland haben sich 244 hiesige Unternehmen mit 470 Marken dafür registriert, so die erste Bilanz des Bundesernährungsministeriums in Berlin. Darunter seien Hersteller und Händler unterschiedlichster Größen und Branchen. Die Zahl der Produkte mit Nutri-Score auf dem deutschen Markt werden weiter steigen, heißt es.
Der Nutri-Score habe tatsächlich auch schon etwas bewirkt, sagt die SWR-Ernährungsexpertin Sabine Schütze, "wenn man sich nur anschaut, was er alles an Rezepturänderungen angestoßen hat". Das sei im vergangenen Jahr bereits sehr viel passiert. Die Hersteller veränderten etwa die Rezepturen ihrer verarbeiteten Produkte, machen sie etwas gesünder, um einen besseren Score-Wert zu erreichen.
Verbraucherzentrale bleibt Nutri-Score gegenüber skeptisch
Nach einem Jahr Nutri-Score in Supermärkten hat auch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg nun eine erste, allerdings eher kritische Bilanz gezogen. Denn es sei zwar richtig, dass immer mehr Hersteller das neue Logo nutzen würden, aber eben längst nicht alle. Erschwerend komme hinzu, dass für Verbraucherinnen und Verbraucher auch nicht immer nachvollziehbar sei, wie eine Einstufung überhaupt zustande kommt. Beispielsweise sei nicht auf allen Produkten der Ballaststoffgehalt angegeben, der in die Bewertung des Nutri-Score-Wertes eigentlich miteinfließen soll. Das erschwere die Transparenz des Score-Wertes.
So sieht es auch Sabine Schütze aus der SWR-Umweltredaktion: "Schließlich nützt der Score-Wert nur etwas, wenn ich innerhalb einer Produktgruppe vergleichen kann, etwa welche der vielen Frühstücksflocken im Regal bessere Nährwerte haben als andere." Und das könne man eben nicht, wenn nur ein paar Müslis den Nutri-Score ausweisen.
Forderungen nach EU-weiter Nutri-Score-Pflicht werden lauter

Auch viele Mediziner pochen inzwischen auf eine EU-weit verpflichtende Einführung des Nutri-Score. Denn solange das Nährwert-Logo freiwillig sei, könne es seine Wirkung auch nur sehr begrenzt entfalten, erklärt etwa die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten - ein Zusammenschluss von medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Verbänden und Forschungseinrichtungen. Echte Transparenz vor dem Supermarktregal erhalte man aber nur, wenn der Nutri-Score wirklich auf allen Produkten zu finden sei, heißt es.