Unfallprävention im Straßenverkehr E-Autos müssen lauter werden

Neue Elektroautos müssen ab Juli lauter werden: Blinde, Kinder und ältere Menschen sollen sie besser hören, Unfälle verhindert werden. Doch wie gefährlich sind die leisen E-Autos?

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20:15 Uhr
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SWR Fernsehen

Durch eine EU-Verordnung (Nr. 540/2014) müssen neue Elektroautos ab dem 1. Juli 2019 Geräusche von sich geben. Dies soll Fußgängern dabei helfen, sie frühzeitig zu hören, und Unfälle zu vermeiden.

Geräusche bei E-Autos bei langsamen Geschwindigkeiten

„Bis spätestens 1. Juli 2019 bauen die Hersteller in neuen Typen von Hybridelektro- und reinen Elektrofahrzeugen ein AVAS (Acoustic Vehicle Alerting System, Anm. d. Redaktion) ein.“

Artikel 8 der EU-Verordnung Nr.540/2014

Die Fahrzeuge müssen dann bei Geschwindigkeiten bis 20 Stundenkilometern sowie beim Rückwärtsfahren Geräusche von sich geben. Bei höheren Geschwindigkeiten sind die Reifenabriebgeräusche, auch bei Verbrennern, lauter als die Motorgeräusche, weshalb auch beim E-Auto keine zusätzlichen Töne mehr nötig sind. Ein Klangbeispiel können Sie auf der Seite der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (UNECE) hören.

Piktogramm eines Autos mit Elektrostecker (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Jan Woitas/ZB/dpa)
Elektroautos müssen bei Geschwindigkeiten bis 20 Stundenkilometern Geräusche machen. picture alliance/Jan Woitas/ZB/dpa

Kritiker sprechen von einem „Schnellschuss“

Doch nicht nur E-Autos sind leise, auch moderne Benziner sind sehr geräuscharm. Unser Praxistest zeigt, dass Fußgänger auch Probleme haben, Benziner frühzeitig zu hören.

„Ich will nicht sagen, dass die Verordnung (...) stümperhaft ist, aber das ist, sagen wir mal, ein Schnellschuss von Laien.“

Prof. Wilfried Echterhoff, Unfallforscher Bergische Universität Wuppertal

Auch die Schweizer Beratungsstelle für Unfallverhütung kommt zu dem Fazit, dass es ein erhöhtes Unfallrisiko von Elektrofahrzeugen mit Fußgängern und Radfahrern gebe, verweist aber darauf, dass sich die These, das Unfallrisiko sei auf die geringeren Fahrzeuggeräusche zurückzuführen, nicht mit Unfallzahlen belegen lasse.

Geräuschdesign bei Fahrzeugen

Nicht nur Geräusche für Elektrofahrzeuge werden bei Autos designt, auch das Motorengeräusch von Verbrennern oder das Zuschlagen der Türen wird von Ingenieuren kreiert. Denn: Geräusche vermitteln auch Fahrspaß und Komfort.

So arbeiten Sounddesigner bei Autobauern am richtigen Klang. Blinker, Motor und Türen haben vertraute Töne, die sich auch je nach Marke unterscheiden. Ein Sportwagen hat ein kräftigeres Motorgeräusch als ein Kleinwagen. Ebenfalls sollen Fahrer durch den Ton in der Lage sein, zu erkennen, ob die Drehzahl gerade zu niedrig, in einem guten Bereich oder zu hoch ist.

Eine Tür, die rasselt, kommt bei Kunden nicht so gut an wie eine Tür, die mit einem „Plopp-Geräusch“ schließt, sagen Experten. Geräusche vermitteln dem Kunden letztendlich auch Qualität, aber auch Sicherheit. Der Blinkerton signalisiert dem Fahrer, dass er gerade blinkt , das "Klack"-Geräusch beim Abschalten des Blinkers gibt Rückmeldung, dass das Auto von nun an nicht mehr blinkt.

Beim Auto ist das Design ähnlich wichtig wie beispielsweise beim Staubsauger. Ein Staubsauger muss laut sein, denn das Geräusch vermittelt dem Kunden Saugkraft.

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