Ein Mann geht hinter dem Schild der Agentur für Arbeit in Stuttgart zum Eingang. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Sebastian Kahnert/dpa)

Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt Ausländer bekommen weniger Lohn und Gehalt

Ausländer bekommen oft viel weniger Geld als die deutschen Kollegen – auch bei gleicher Qualifikation. Das zeigen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

Die Bundesagentur für Arbeit hat auf eine Anfrage der rechtspopulistischen Partei AfD hin das mittlere Gehalt (Median) verschiedener Branchen für Deutsche, Ausländer und Ausländer aus einem der acht typischen Asylländer wie etwa Afghanistan oder Syrien verglichen. Über alle Branchen und Ausbildungslevel hinweg zeigt sich, dass Deutsche im Mittel rund 3.290 Euro verdient haben, Ausländer generell mehr als 800 Euro weniger. Wer aus einem der Asylländer kommt, musste sogar mit fast 1.500 Euro weniger im Monat auskommen.

Fragen dazu an Professor Herbert Brücker vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung

Wie kommen die Gehaltsunterschiede zwischen Ausländern und Deutschen zustande?

Ausländer sind häufig jünger, haben noch nicht so viel Berufserfahrung und sind auch häufig noch nicht lange in Deutschland. Jemand, der noch nicht so gut Deutsch kann, hat unter Umständen nicht die gleiche Arbeitsproduktivität. Das heißt, es können sich dahinter tatsächlich Unterschiede in der Produktivität oder auch im weiteren Sinne in der Qualifikation verbergen.

Prof. Herbert Brücker vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. (Foto: Foto: Murr)
Prof. Herbert Brücker vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Foto: Murr

Wir wissen aber auch aus der Forschung, dass Ausländer geringere Einstellungschancen haben und dass sie weniger verdienen als Deutsche – auch wenn beide in Deutschland studiert, vergleichbare Berufserfahrung, dieselben Noten in der Schule und Universitäten haben. Das heißt: Es gibt Diskriminierung. Interessanterweise ist der Umfang der Diskriminierung oder Gehaltsdifferenzen, die wir da beobachten, sehr ähnlich dem zwischen Männern und Frauen. Wir haben also auch an anderer Stelle Diskriminierung im Arbeitsmarkt.

Wie könnte man Ihrer Meinung nach gegensteuern?

Ja, das ist gar nicht so leicht. Das Wichtigste – um erst mal die großen absoluten Differenzen zu verringern – ist natürlich, dass wir investieren in Sprachkenntnisse, in Bildung, in Ausbildung und die Anerkennung beruflicher Abschlüsse. Dadurch kann man, glaube ich, einen erheblichen Teil dieser Differenzen beseitigen. Wir beobachten eben, wenn Menschen vielleicht zehn Jahre hier leben, dass dann die Gehälter deutlich steigen und dann eine Annäherung an das Gehaltsniveau der deutschen Arbeitnehmer stattfindet.

Der Diskriminierung gegenzusteuern ist sehr schwierig, weil das am Ende Entscheidungen der Unternehmen sind, die die Menschen hier einstellen. Man kann teilweise etwas über Regeln erreichen, also dass man den Unternehmen nahelegt, dass die Menschen in Personalabteilungen geschult werden, dass keine Diskriminierung stattfindet. Das sind am Ende aber überwiegend freiwillige Entscheidungen, die die Unternehmen treffen müssen, um die Diskriminierung abzubauen – und das ist noch ein relativ langer Weg.

Was würden sie einem Menschen mit ausländischem Pass raten, der sich bewerben möchte?

Dass man sich die Branche genau anschaut, in die man geht, weil wir sehr große Gehaltsunterschiede zwischen den Branchen finden. Wir beobachten bei vielen Migranten, dass sie Berufe auswählen, die man sehr häufig findet – die aber auch schlecht bezahlt sind: in der Gastronomie, bei Sicherheitsdiensten, im Reinigungsgewerbe.

Es gibt aber im Dienstleistungsbereich andere Branchen, wo viel besser bezahlt wird. Wenn man zum Beispiel über ausreichend Sprachkenntnisse verfügt, kann man sich bemühen, an einen Bürojob zu kommen. Gerade für die Nachkommen der Migranten ist das ein ganz wichtiger Aspekt, der langfristig Auswirkungen haben kann.

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