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Größere Hitze, mehr Ozon, längerer Pollenflug und neue Allergene: Gesundheitsexperte Dr. Lothar Zimmermann erklärt, was Betroffene auch bei der Medikamenteneinnahme beachten sollten.

Viel trinken, direkte Sonne meiden und immer wieder für Abkühlung sorgen - mit ein paar Maßnahmen lässt sich in der Regel der hochsommerlichen Hitze gut trotzen. Unsere Tipps helfen Ihnen dabei:

Medikamente können Wärmeregulation des Körpers beeinflussen

Doch wer Medikamente einnimmt, sollte besondere Umsicht wandeln lassen, denn einige Arzneien beeinflussen die Wärmeregulation des Körpers.

Wird der menschliche Körper zu stark aufgeheizt spricht man von einer sogenannten Hyperthermie: Der Körper gibt die Wärme über die Haut und vermehrtes Schwitzen ab. Das kennt wohl jeder, doch dass Medikamente darauf einen Einfluss haben, ist nur wenigen bekannt. Bestimmte Arzneiprodukte können diesen wichtigen Regulationsmechanismus beeinflussen, indem sie beispielsweise das Schwitzen hemmen oder die Wärmeproduktion erhöhen.

Dazu zählen:

  • Schilddrüsen-Hormonpräparate
  • trizyklische Antidepressiva,
  • Antihistaminika
  • Anticholinergika
  • Atropin
  • Hyoscyamin


Unser Tipp: Nehmen Sie Präparate dieser Wirkstoffgruppen ein und bekommen Sie Fieber, sollten Sie umgehend ihren Arzt zu Rate ziehen.

Vorsicht ist auch geboten bei der Einnahme von Medikamenten gegen Bluthochdruck wie:

  • ACE-Hemmer
  • Sartane
  • Calciumantagonisten

Ebenfalls aufpassen muss man bei:

  • Entwässerungsmittel (Diuretika)
  • und Abführmittel

Bei diesen Arzneien muss im Sommer sehr häufig die Dosis reduziert werden, denn Wärme verstärkt die blutdrucksenkende und entwässernde Wirkung.

Die Folge können Schwindel, Kreislaufprobleme bis hin zu Verwirrtheit und kurzzeitiger Bewusstlosigkeit sein. Eine Dehydrierung kann außerdem zu einem akuten Nierenversagen führen. Und besonders gefährdet sind ältere Menschen, da sie so einen bedrohlichen Flüssigkeits- und Elektrolyte-Verlust häufig nicht über mehr Trinken ausgleichen können.

Wechselwirkungen mit der Sonne

Außerdem besteht die Gefahr von Wechselwirkungen mit der Sonne: Einige Medikamente können die Haut so lichtempfindlich machen, dass es zu Sonnenbränden und starken Hautreizungen kommt. Diese sogenannte fototoxische Reaktion wird hervorgerufen durch:

  • einige Antibiotika wie Doxycyclin
  • Antirheumatika wie Azapropazon
  • harntreibende Medikamente wie Furosemid oder Hydrochlorothiazid
  • Herzmedikamente wie Amiodaron
  • Johanniskraut

Unser Tipp: Lesen Sie sich den Beipackzettel genau durch. Und sind sie sich unsicher, setzen Sie die Medikamente auf gar keinen Fall auf eigene Faust ab, sondern besprechen Sie sich mit ihrem Arzt oder Apotheker.

Medikamente sind hitzeempfindlich

Auch Arzneien müssen vor Hitze geschützt werden, ansonsten können sie ihre Wirkung verändern oder verlieren. Das Fatale: Den meisten sind Hitzeschäden von außen nicht anzusehen.

Am widerstandsfähigsten sind feste Darreichungsformen wie Tabletten und Dragees. Gut aufgehoben sind sie im Arzneischränkchen bei Temperaturen zwischen 15 und 25 Grad. Und rund 30 Minuten hält eine Tablette sogar einer Umgebungstemperatur von 50 Grad stand. Danach nimmt die Wirkstoffkonzentration allerdings ab.

Medikamente in weicher und flüssiger Konsistenz wie Zäpfchen, Cremes, Salben, Säfte und Lösungen sind wesentlich wärmempfindlicher. Zäpfchen können zum Beispiel schmelzen, bei Salben können sich die flüssigen von den festen Bestandteilen lösen. Wenn Sie solche Veränderungen feststellen, entsorgen Sie die Mittel gleich. Auch Wirkstoffpflaster und Sprays reagieren sehr empfindlich auf Wärme. Werden etwa Asthmasprays in der Sonne gelagert, kann sich die Dosierungsgenauigkeit und die Wirksamkeit verändern.

Arzneimittel kühl, aber nicht zu kalt aufbewahren

Medikamente können auch im Kühlschrank oder Keller gelagert werden. Unterwegs hilft eine Kühltasche. Aber Vorsicht: Werden Arzneien direkt an Kühlakkus, Tiefkühlfächer oder im Frachtraum eines Reisefliegers aufbewahrt, verändern sie ebenfalls die Wirkung. Insulin könnte beispielsweise einfrieren und unwirksam werden.

Dauerhaft gekühlt, also im Kühlschrank aufbewahrt gehören:

  • Insulin,
  • Impfstoffe,
  • Biologika gegen Rheuma
  •  und andere Arzneien auf Eiweißbasis
  • sowie viele pflanzliche Mittel.

Unser Tipp: Ob ein Arzneimittel gekühlt gelagert werden sollte, also bei rund 8 Grad, das steht auf der Verpackung und im Beipackzettel.

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