Auto zum Nulltarif? Was steckt hinter Dexcar?

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Dexcar steht im Verdacht, mit dem Versprechen extrem günstiger Automiete und mithilfe eines Schneeballsystems europaweit tausende Kunden um Geld betrogen zu haben.

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Das Angebot klingt nach einem echten Schnäppchen: Einmal zwischen 547 und 1.950 Euro einzahlen. Nach zwei Jahren Wartezeit bekommt der Kunde ein Auto, das er für weitere zwei Jahre kostenlos fahren darf – inklusive Wartung, Steuer und Versicherung. Als „Revolution auf dem Automarkt“ vermarktet das Unternehmen Dexcar dieses Geschäftsmodell. Die Staatsanwaltschaft Bochum sieht das anders und ermittelt wegen Betrugs und strafbarer Werbung.

Dexcar-Kunden warten auf ihre Autos

Denn offenbar haben viele Dexcar-Kunden, die eine Anzahlung geleistet haben, nie ein Auto ausgeliefert bekommen. So wie Christoph Schwarze. Der Rentner zahlte 547 Euro für einen neuen Corsa an. Und wartet bis heute auf sein Auto. „Ich konnte das ganze Prinzip als nachvollziehbar empfingen“, sagt er heute. Die günstigen Konditionen erklärt Dexcar dadurch, dass man große Mengen an Autos direkt von den Herstellern beziehe und den Preisvorteil an den Kunden weitergebe.

Mehr als 36.000 Kunden in ganz Europa

Um das zu untermauern, legt Dexcar Plusminus das Schreiben eines Wirtschaftsprüfers vor. Der bezeichnet das Geschäftsmodell als „ein unter wirtschaftlichen und finanziellen Aspekten stabiles System“. Nach eigenen Angaben konnte Dexcar mit seiner Methode europaweit über 36.000 Kunden überzeugen. Dexcar behauptet, 550 Autos und Tankgutscheine im Wert von circa fünf Millionen Euro ausgeliefert zu haben.

Verbraucherschützer vermuten Schneeballssystem

„Dieses System hat ganz klar Charakterzüge eines Schneeballsystems, ansonsten könnte dieses System auch gar nicht funktionieren“

Paul Ruschnig, österreichischer Konsumentenschutz

Paul Ruschnig erstattete Anzeige gegen Dexcar. Tatsächlich wirbt Dexcar im Internet dafür, dass alte Kunden immer neue anwerben sollen. Dadurch, so das Versprechen von Dexcar, könne man die Wartezeit auf sein Auto verkürzen.

Hersteller wissen nichts von hohen Rabatten

Doch was ist mit den Einkaufsvorteilen, die Dexcar angeblich erzielt? Dexcar verweist dabei unter anderem auf Mercedes und Smart. Die hätten Dexcar großzügige Rabatte auf Lagerverkäufe eingeräumt. Dort klingt das anders: „Dexcar hat in Deutschland Fahrzeuge in geringem Umfang zu marktüblichen Konditionen bei uns bezogen“, teilt Mercedes auf Anfrage mit.

Am offiziellen Firmensitz von Dexcar in Essen ist nicht mehr viel über das Start-up zu erfahren. Kein Klingelschild, nicht mal ein Briefkasten. Schriftlich teilt das Unternehmen mit, dass das gesamte Geschäft nun im weißrussischen Minsk über eine Software abgewickelt werde.

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