Baden-Württemberg, Karlsruhe: Das Karlsruher Schloss spiegelt sich in einer Glaskugel wider, die im Vordergrund auf der Wasserfläche einer Grünanlage liegt.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Uli Deck)

Neues Jahr – Neues Glück?

Der Blick in die Glaskugel – so wird 2022

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Das abgelaufene Jahr war von Corona geprägt, doch wie geht es weiter? Wird 2022 alles wieder gut? So geht es mit den Topthemen voran.

1. Inflation: Wie teuer wird unser Leben noch?
2. Lieferengpässe und Mangelwirtschaft: Geht das große Warten weiter?
3. Homeoffice: Laptop am Küchentisch oder Desk Sharing in der Firma?
4. Pflegenotstand: Wie gravierend wird er oder ist Besserung in Sicht?
5. E-Mobilität, IT-Infrastruktur, 5G: Wie innovativ wird 2022?

1. Inflation: wie teuer wird unser Leben noch?

Benzin, Energie, Miete, Lebensmittel - vieles ist 2021 teurer geworden, die Inflation war teilweise so hoch wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Das haben wir alle gemerkt: beim Tanken, beim Heizen, beim Einkaufen. Viele mussten deshalb schauen, wo sie Geld sparen können. Und wie geht es 2022 weiter? Wird alles noch teurer?

Ein Einkaufswagen mit Lebensmitteln wird durch einen Supermarkt in Hannover geschoben (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Was wird 2022 noch teurer? Picture Alliance

Ja, 2022 wird teurer als 2021 - sagen zumindest die Expertinnen und Experten vom Münchner ifo-Institut. Sie rechnen für 2022 mit einer Preissteigerung von 3,3 Prozent. Das wären nochmal 0,2 Prozent mehr als dieses Jahr. Verantwortlich dafür laut ifo: Lieferengpässe und Rohstoffmangel machen viele Sachen teurer. Für Unternehmen und für uns. Das ist eine eher düstere Aussicht für alle, die einkaufen, tanken und heizen müssen. Noch düsterer der Blick der Bundesbank: Die Experten dort rechnen mit einer Preissteigerung von 3,6 Prozent.

Andere Fachleute sind nicht ganz so pessimistisch. Sie gehen davon aus, dass die Preise 2022 wieder sinken werden und damit auch die Inflation zurück geht. Aber zumindest im ersten Halbjahr wird sie wohl noch über zwei Prozent liegen. Zudem werden Unternehmen die gestiegenen Preise für Rohstoffe und die Kosten für die Lieferengpässe wohl an uns weitergeben. Energie wird teuer sein und noch teurer werden. Denn die CO2-Abgabe wird 2022 erhöht - das macht fossile Energieträger teurer. Die Preise für Strom, Gas und Öl werden 2022 steigen und damit müssen wir auch an der Tankstelle mehr bezahlen.

2. Lieferengpässe und Mangelwirtschaft: Geht das große Warten weiter?

Papier, Elektrochips, Aluminium, Spielzeug - vieles war 2021 schwer zu bekommen, das haben wir alle gespürt. Etwa weil die Spielkonsole nicht lieferbar war, weil wir monatelang aufs neue Auto warten mussten, weil Holz knapp war und unser Bauprojekt teurer geworden ist. Oder weil der Handwerker uns abgesagt oder auf später vertröstet hat - mit der Begründung, dass ihm Material fehle. Wird das so weitergehen? Wird auch 2022 ein Jahr der Lieferengpässe?

Zahlreiche Container sind an Bord eines Containerschiffs. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Werden sich die Lieferengpässe auflösen? Picture Alliance

Lieferengpässe - dieses Wort werden wir aller Voraussicht nach auch 2022 häufig zu hören bekommen. Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen schätzt, dass Engpässe in den Lieferketten die Wirtschaft weiterhin belasten werden. Ähnlich auch die Prognose des Münchner ifo-Instituts: Die aktuellen Verwerfungen seien so groß, dass sie sich nicht einfach in Luft auflösten. Über 80 Prozent der fertigenden Firmen leiden aktuell unter Zulieferschwierigkeiten, das sind so viele wie nie. Autohersteller wie zum Beispiel Daimler rechnen damit, dass die Chipkrise auch im kommenden Jahr ein Problem bleiben wird. Auch bei Fahrrädern wird es laut Zweirad-Industrie-Verband frühestens Ende 2022 Entspannung geben. Ähnlich sieht es bei Papier und bei Baumaterialien aus, vieles wird rar und teuer bleiben.

Dazu kommt, dass etliche Unternehmen als Folge der Coronapandemie angefangen haben, ihre Lieferketten neu zu organisieren. Bis alles läuft wie gewohnt, kann es dauern. Mitte nächsten Jahres könnte sich die Situation dann aber etwas entspannen, damit rechnen zumindest Verbände wie der Verband der Chemischen Industrie. Aber wegen des demografischen Wandels gehen den Firmen die Beschäftigten aus. Und das könnte die Betriebe in Produktionsschwierigkeiten bringen. Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen warnt zum Beispiel, Fachkräfteengpässe, zum Beispiel bei den Berufskraftfahrern, könnten der Wirtschaft hierzulande Probleme bereiten. Lieferengpässe - vermutlich wird der Begriff auch im kommenden Jahr wieder ein heißer Anwärter für das "Wort des Jahres".

3. Homeoffice 2022: Laptop am Küchentisch oder Desk Sharing in der Firma?

Homeoffice ist in den vergangenen zwei Jahren vom Randphänomen zur Normalität für Millionen von Menschen in Deutschland geworden. So ziemlich jeder, der im Büro arbeitet, hat seine Erfahrungen damit sammeln müssen. Mehr als jeder dritte Deutsche arbeitet laut Institut der deutschen Wirtschaft ganz oder überwiegend im Büro. Wenn man die dazu nimmt, die teilweise Büroarbeit machen, kommt manche Studie sogar auf 71 Prozent. Aber wie sieht es bei den Arbeitgebern aus? Was planen die großen Unternehmen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg beim Thema Homeoffice?

Ein Mann sitzt zuhause an einem Esstisch. Er schreibt mit einem Stift auf ein Blatt Papier neben einem Laptop. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Wird Homeoffice zur Dauerlösung? Picture Alliance

Die meisten Unternehmen sind dafür, das heißt: Homeoffice bleibt uns erhalten. Aber das Büro soll wieder regelmäßiger aufgesucht werden, sofern die Umstände es erlauben. Die meisten Firmen wollen auf eine Mischung setzen. Das deckt sich auch mit den Wünschen der Arbeitnehmer, zumindest laut Umfragen. Da geben mehr als die Hälfte der Befragten an, dass sie auch zukünftig gerne zum Teil von zu Hause arbeiten würden. Es gibt aber auch auf beiden Seiten Homeoffice-Gegner. In einer Umfrage des Branchenverbandes Bitkom vom November hat ein Viertel der befragten Unternehmen angegeben, dass sie nach der Pandemie das Homeoffice wieder komplett abschaffen wollen. Auch bei Umfragen unter Arbeitnehmern wollen 20 bis 30 Prozent wieder komplett ins Büro.

Auch die neue Regierung will sich des Themas annehmen. Laut Koalitionsvertrag soll es für Arbeitnehmer zukünftig leichter werden, Homeoffice beim Arbeitgeber durchzusetzen. Zum Beispiel soll es einen Erörterungsanspruch geben. Das heißt: Der Chef darf mobiles Arbeiten nur dann verbieten, wenn betriebliche Gründe dagegen sprechen. Außerdem soll uns bei der Steuer die Homeoffice-Pauschale zumindest 2022 erhalten bleiben. Fünf Euro pro Homeoffice-Tag, maximal 600 Euro insgesamt, sind dann bei der Steuererklärung absetzbar. Und es soll geprüft werden, ob diese Regelung länger bestehen bleiben soll. Bis zum 19. März haben viele aber sowieso keine Wahl: Bis dahin gilt die gesetzliche Homeoffice-Pflicht wegen der Pandemie.

4. Pflegenotstand: Wie gravierend wird er - oder ist Besserung in Sicht?

Eine besonders hohe Arbeitsbelastung hat die Corona-Pandemie für medizinische Berufe mit sich gebracht. Der Berufsalltag gerade für Pflegekräfte in Krankenhäusern war schon immer anstrengend. Was ändert sich konkret für Pflegekräfte in den Krankenhäusern im Jahr 2022?

Eine Krankenpflegerin betritt ein Krankenzimmer (Foto: SWR, Picture Alliance)
Wie geht es in 2022 mit dem Pflegenotstand weiter? Picture Alliance

Ein großes Thema, das ansteht, ist die Impfpflicht für Beschäftigte in Krankenhäusern und Heimen. Ab Mitte März müssen auch Pflegekräfte Kliniken nachweisen, dass sie geimpft oder genesen sind. Ob das dem Berufsstand gut tut, ist fraglich. Die Gewerkschaft Verdi befürchtet, dass einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lieber gehen als sich impfen zu lassen und sich damit der Pflegenotstand weiter verschärft. Weiteres Thema: der Pflegebonus. Eigentlich sollte er schon im Januar kommen, aber der Teufel steckt im Detail. Unklar ist, wer ihn bekommen und wie hoch er im Einzelfall ausfallen soll. Eine Milliarde Euro stellt die Bundesregierung insgesamt dafür bereit. Möglichst noch im ersten Quartal soll der Bonus ausgezahlt werden.

Was Pflegekräfte dringend brauchen, ist mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten. Mit mehr Personal wäre das möglich. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der Deutsche Pflegerat und die Gewerkschaft Verdi haben ein Instrument entwickelt, mit dem gemessen werden kann, wie viele Pflegerinnen und Pfleger man tatsächlich braucht, um die Patienten angemessen zu versorgen. Seit zwei Jahren liegt ein entsprechendes Papier in der Schublade des Bundesgesundheitsministeriums. Vielleicht kommt es im Jahr 2022. Kritiker bezweifeln allerdings, dass Pflegekräfte damit tatsächlich entlastet werden und der Teufelskreis aus Überstunden, Personalmangel und Flucht aus dem Beruf gebrochen werden kann. Einig sind sich hingegen alle: Um das Thema Pflege muss sich die Bundesregierung dringend kümmern. Und zwar sofort.      

5. E-Mobilität, IT-Infrastruktur, 5G: Wie innovativ wird 2022?

Ein Roboterarm steht in einer Testzelle im Karosseriebau bei Porsche Leipzig.  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Was kommt an Innovationen beim E-Auto, IT-Infrastruktur und 5G? Picture Alliance

2022 werden E-Autos alltagstauglicher. Auch, weil die Hersteller bei der Angebotspalette einige Lücken schließen. So kommen der Strom-Kleintransporter von VW oder die Elektro-Familienkutsche von Mercedes auf den Mark. Auch beim Thema Reichweite bringt das Jahr einen Quantensprung: 1000 Kilometer mit einer einzigen Stromladung verspricht der chinesische Hersteller Nio für ein neues Modell. In den Städten wird der Autoverkehr außerdem stärker verzahnt mit anderen Fortbewegungsarten.

Daten werden meist auf großen Serverfarmen verwaltet, in der Cloud, zum Beispiel von Google und Amazon. Das ist zeitaufwändig und nicht ohne Risiko. 2022 steht daher im Zeichen der Alternative: Edge Computing. Daten werden zunehmend in leistungsstarken lokalen Netzwerken zum Beispiel von Unternehmen bearbeitet, an deren Rand, "on the edge". Diese Verteilung der Rechenpower im Land macht unsere IT-Infrastruktur weniger anfällig für Angriffe von außen und zudem nachhaltiger.

Damit Edge Computing funktioniert, braucht es vor allem eines: schnelles, mobiles Internet. Das wird 2022 für immer mehr Menschen greifbar. Im vergangenen Jahr hat sich die Zahl der weltweiten 5G-Anschlüsse verdreifacht. Und auch bei uns in Deutschland geht es mit der Technik voran: Im November hat Vodafone als erster Anbieter angefangen, ein alleinstehendes 5G-Netz für Privatkunden auszurollen. Passend dazu: Im kommenden Jahr sind viele Smartphones angekündigt, die das superschnelle Internet auch nutzen können.

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